Das Fotolabor

Die Filmentwicklung - Material

Kurzfassung

Wenn Sie Schwarzweißfilme selbst entwickeln wollen, müssen Sie mit einmaligen Ausgaben von etwa 60 bis 80 Euro rechnen (wenn Sie alles neu kaufen).
Es hängt allerdings von Ihren Ansprüchen ab, und wenn Sie die Sachen gebraucht kaufen und etwas Improvisationstalent haben, können Sie auch mit weniger als 30 Euro auskommen. Sie können natürlich aber auch viel mehr Geld ausgeben!

Ausführlich:

Was sie brauchen:

  • Dunkelkammer oder Wechselsack
  • Filmrausholer
  • Schere
  • Entwicklungsdose
  • Messbecher
  • Thermometer
  • Flaschen
  • Stoppuhr oder ähnliches
  • Abstreifzange
  • Chemikalien
  • Schutzgas
  • Klammern
  • Filmhüllen
Die Dunkelkammer

Ihre Dunkelkammer sollte, wenn Sie Filme entwickeln wollen, wirklich lichtdicht sein.

Das Testen der Dunkelkammer auf unerwünschten Lichteinfall geschieht am besten mit Fotopapier.
Löschen Sie bitte zuerst alle(!) Lampen (inkl. Dukabeleuchtung und Vergrößerer).
Nun entnehmen Sie der Packung ein Blatt Fotopapier.
Es sollte etwa 10 x 15 cm groß sein. Legen Sie das Blatt mit der Schichtseite nach oben in die Nähe des Bereichs, in dem Sie das Fotopapier normalerweise während der Arbeit lagern.
Nun müssen Sie eine Münze auf das Papier legen und dann die Dukabeleuchtung und auch den Vergrößerer einschalten. Nach 10 Minuten sollte das Blatt entwickelt, gestoppt und fixiert werden. Wenn Sie, nachdem das Blatt gewässert und getrocknet wurde, die Stelle, auf der die Münze lag, nicht als hellen Fleck sehen können, scheint alles in Ordnung zu sein.
Es könnte jetzt nur noch sein, dass erst beim Entwickeln, nachdem die Münze weg war, eine diffuse Belichtung des Papiers erfolgt ist (z.B.: weil die Dukalampe zu nah an den Schalen hängt).
Zur Sicherheit können Sie in völliger Dunkelheit ein zweites Blatt Fotopapier entwickeln, stoppen und fixieren (wenn das Blatt 30 Sekunden im Fixierer war, können Sie das Licht wieder einschalten). Wenn das erste Blatt sich vom zweiten nicht unterscheidet ist wohl alles in Ordnung.
(Das zweite Blatt muss auf jeden Fall den ganzen Prozess durchlaufen, da sich der Ton des Papiers durch die Chemikalien ändern kann.)

Wie Sie ein Duka lichtdicht machen können?

Nun, um einen Raum tatsächlich lichtdicht zu bekommen, gibt es viele verschiedene Methoden. Sie können doppelte Vorhänge (evtl. aus Teichfolie oder Ähnlichem) benutzen oder Fensterläden aus Hartfaserplatte anbringen.
Was in Ihrem speziellen Fall sinnvoll ist, können Sie nur selbst entscheiden. Beim Abdichten der Dunkelkammer (damit die Dunkelheit nicht hinausfließt) sollten Sie die Tür nicht vergessen. Ein Stück Stoff unten vor den Spalt zwischen Tür und Fußboden und ein Klebeband vor dem Schlüsselloch sollten reichen. Evtl. können Sie sich für die Negativentwicklung einen sog. Wechselsack zulegen.
Aber es geht auch anders. Manche krabbeln mit dem Kopf voran in einen Schlafsack, andere verschwinden im Hotel im Kleiderschrank. Solche improvisierten Dunkelkammern sollten sie aber erstmal längere Zeit von innen beobachten, um zu sehen, ob sich nicht doch Licht hineinverirrt.)

Filmrausholer

Den Filmrausholer brauchen Sie nur, wenn Sie eine dieser Kameras haben, die den Film beim Zurückspulen komplett in die Patrone ziehen.
Sollten Sie eine Kamera mit "Handkurbel" haben, können Sie durch vorsichtiges Zurückspulen verhindern, das der Filmanfang verschwindet. Auch lassen sich einige elektronische Kameras so einstellen, dass die Lasche draußen bleibt.

Mit dem Ohr an der Kamera können Sie hören, wann die Lasche aus der Aufwickelspule rutscht.
Wenn Sie dann die Kamera öffnen, ist der Filmanfang noch nicht in die Patrone gerutscht.
(Falls Sie unsicher sind, probieren Sie es doch mit einem Abfallfilm aus.)
Wenn Sie eine Kamera besitzen, deren Zählwerk auch rückwärts funktioniert, ist das ganze noch einfacher.

Wenn aber der Anfang des Films in der Patrone verschwunden ist, leistet ein "Filmrausholer" gute Dienste. Es gibt verschiedene Ausführungen, ich empfehle den mit Metallzungen. Die Anwendung ist bei den ersten Malen etwas kompliziert, doch nach 2–3 Filmen klappt das fast von selbst. Sie könnten natürlich auch die Patrone aufbrechen (mit einem Flaschenöffner einen der beiden Deckel abhebeln), aber wenn der Film noch in der Patrone ist, ist es einfacher, ihn wieder zurückzudrehen, wenn im Dunkeln beim Einlegen des Filmes etwas schief geht. Das Zuschneiden des Filmanfangs geht im Hellen (also wenn der Film in der Patrone ist) ebenfalls leichter.

Den Filmanfang sollten Sie abrunden, dann lässt er sich leichter einfädeln.

Entwicklungsdosen

Es gibt verschiedene Hersteller für Entwicklungsdosen. Und es gibt Dosen für unterschiedliche Filmformate.
Einige dieser Dosen lassen sich vergrößern (mit einem Adapterstück) so dass man nicht nur 1 oder 2, sondern auch 5 Filme auf einmal entwickeln kann.
Ich würde ihnen zu einer solchen ausbaubaren Dose raten. Darin können Sie dann bei Interesse auch Mittelformatfilme entwickeln. Es gibt auch sogenannte Tageslichtdosen, in die Sie die Filme im Hellen einspulen können. Sie sind aber nicht ganz einfach zu bedienen und deutlich teurer als die normalen Dosen. Sie können die Dosen natürlich auch gebraucht kaufen, achten Sie aber darauf, dass alle Teile dabei sind. Am besten sehen Sie sich vorher eine neue Dose einmal genau an.

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Achten Sie auf Verschmutzungen, besonders an den Spiralen.
Gute Dosen für zwei Kleinbildfilme kosten ca. 40 Euro. Es gibt aber auch "Einsteigersets" mit allen benötigten Teilen ab ca. 35 Euro aufwärts. Die Dosen bei diesen Sets lassen sich aber oft nicht für die Entwicklung mehrerer Filme vergrößern.

Der obere Teil der Dose besteht normalerweise aus zwei Teilen, die man zum Säubern zerlegen kann.
Dann gehört noch eine Achse mit einer kleinen Plastikklemme (nicht unbedingt nötig, die Spiralen sitzen meist sehr fest auf der Achse) dazu sowie die eigentliche Dose.
Die Spiralen lassen sich ebenfalls in zwei Teile zerlegen, zum Säubern und um sie an unterschiedliche Filmgrößen anzupassen.
Achten Sie bitte auch darauf, das der (rote) Deckel dabei ist.

Messbecher

Es geht zwar auch mit einer Saftflasche als Ersatz, aber ein Messbecher leistet schon gute Dienste. Wenn Sie viel selbst verarbeiten, sollten sie sich zwei zulegen. Einer sollte dann nur für Entwickler genutzt werden, der zweite für Stopp- und Fixierbad. Mindestgröße 1 Liter.


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Thermometer

Thermometer sind ein Problem. Entweder sind sie exakt und teuer (über 25 Euro), oder billig und taugen nicht viel. Aber wenn Sie sich zwei preiswerte kaufen, kommen Sie für den Anfang klar.
Sie brauchen zwei, da bei den billigen
  1. die Eichung nicht so genau ist und
  2. der Pappstreifen zum Ablesen sich im Thermometer lösen kann und die Eichung dann unbrauchbar ist.
Zuerst sollten Sie beide Thermometer in ein Behältnis mit etwas Wasser legen. Erhöhen Sie die Temperatur des Wassers, bis das erste Thermometer 20 °C anzeigt. (Wenn beide das Gleiche anzeigen: prima, Glück gehabt. Legen Sie dann eines von beiden geschützt weg.) Falls sich die Anzeigen unterscheiden: notieren Sie sich, wie viel °C das zweite bei 20° am Ersten anzeigt, und legen Sie die Notiz mit dem Thermometer geschützt weg. Sie haben dann eine Referenz, falls dem ersten, dem Gebrauchsthermometer, etwas "geschieht".
Es ist sehr ärgerlich, wenn die bewährten Entwicklungsrezepte nicht mehr funktionieren, weil das neue Thermometer falsch (oder auch nur anders) anzeigt und man die Differenz nicht bestimmen kann. Diese Vorsichtsmaßnahmen brauchen Sie natürlich nicht für ihren ersten Film, aber später werden Sie im Falle eines Falles froh sein.

Flaschen

Wenn irgend möglich, sollten Sie spezielle Aufbewahrungsflaschen für die Chemikalien verwenden. Bitte nehmen Sie keine Getränkeflaschen!
VERWECHSLUNGSGEFAHR!
Die Chemikalien sind gefährlich, zumindest aber zum Trinken gänzlich ungeeignet!
Deshalb sollten Sie die für diesen Zweck angebotenen Flaschen kaufen. Ich habe immer ganz normale Laborplastikflaschen genommen. Die Flaschen, die man wie eine Ziehharmonika drücken kann, sind meiner Meinung nach nicht so gut geeignet. Zwar kann man durch Drücken der Flasche den Sauerstoff herausbekommen (die Chemikalien sollten unter Luftabschluss aufbewahrt werden), aber in den Rillen setzen sich Reste ab; zumindest sind sie aber schlechter zu reinigen.
Gegen die Oxydation der Chemikalien hilft ein spezielles Schutzgas, "Protectan".

Stoppuhr

Die Stoppuhr sollte exakt arbeiten und Sekunden genau und reproduzierbar anzeigen. Nehmen Sie am besten eine von den preiswerten Digitalen.

Abstreifzange

Die Abstreifzange ist nicht zwingend erforderlich. Viele halten sie sogar für schädlich, aber ich denke, das sie zumindest für die ersten Filme gute Dienste leistet. Sie dient dazu, das überschüssige Wasser vor dem Trocknen vom bereits aufgehängten Film zu entfernen. Das Wasser kann nämlich Kalkflecken auf dem Film hinterlassen.

Es gibt auch andere Methoden, den Film vor Kalkflecken zu schützen. So kann man ein Netzmittel (es gibt spezielle, aber geht auch ein Spüli ohne Zusätze) verwenden. Das kann allerdings, wenn die Verdünnung nicht stark genug ist, Newtonringe hervorrufen.
Ich benutze zum Abstreifen immer meine Finger. Dazu ziehe ich den Film zwischen Mittelfinger und Ringfinger (ohne Ring!) durch. Wenn tatsächlich einmal Kalkflecken auf dem Negativ zurückbleiben sollten, kann man diese auch nachträglich entfernen.

Kalkflecken nachträglich entfernen
Die Kalkflecken entstehen (ausschließlich?) auf der glatten Seite des Negatives, also der Trägerseite. Dort ist das Negativ zum Glück nicht so empfindlich.
Zum Entfernen nehme ich den Filmstreifen in die Hand und biege ihn längs, so daß die Schichtseite innen ist. Die gewölbte Außenseite (Trägerseite) hauche ich dann vorsichtig an, so daß sich ein schwacher Feuchtigkeitsbelag bildet.
Anschließend reibe ich mit einem weichen Tuch (ohne Zusatzstoffe) über diesen Bereich. Nach zwei bis drei Behandlungen ist der Kalkbelag soweit reduziert oder zumindest verteilt, daß er nicht mehr stört.

Allerdings ist jede Behandlung eine Gefährdung des Negativs. Wenn man es also vermeiden kann …

Chemikalien

Sie brauchen Entwickler, Fixierer und Stoppbad. Auf das Stoppbad können Sie zu Anfang verzichten, aber auf Dauer werden Sie es brauchen, denn sonst geht der Fixierer schneller als nötig kaputt. Und Stoppbad ist deutlich billiger als Fixierer.
Der Entwickler ist eine Lauge und der Fixierer eine Säure. Der Fixierer muss etwas sauer sein, um arbeiten zu können, wird aber durch eingeschleppten Entwickler immer neutraler. Das soll durch das Stoppbad, das ebenfalls eine schwache Säure ist, verhindert werden. Der Name Stoppbad kommt daher, das durch die Säure der Entwickler gestoppt wird.
Ich würde ihnen raten, den Entwickler entsprechend den Angaben des Filmherstellers zu wählen und nach Rezept zu verwenden. (Oder Sie benutzen "meine" Rezepte für den Entwickler.) Später werden Sie evtl. eigene Kombinationen und Rezepte entwickeln (das "Wie" wird weiter hinten in diesem Themenebereich erläutert werden), aber zu Anfang sollten Sie nach Standard arbeiten.
Als Fixierer sollten Sie ebenfalls ein Standardprodukt wählen.

Schutzgas

Es gibt verschiedene Sorten von Schutzgas. Sie alle sollen verhindern, dass Sauerstoff bei der Lagerung das Entwicklers diesen oxidieren (und damit verderben) lässt. Es ist nicht sehr kostspielig, und mit einer Dose kommt man bei vorschriftsmäßiger Anwendung sehr lange aus. Sie müssen nicht unbedingt Schutzgas verwenden, aber es spart auf Dauer Chemiekosten. Bei Ihren ersten Filmen können Sie aber getrost darauf verzichten.


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Klammern

Es gibt, um den Film nach dem Schlusswässern zum Trocknen aufzuhängen, spezielle Filmklammern. Die eine Sorte dient zum Aufhängen, die anderen Klammern mit Gewichten werden an das untere Ende des Films gehängt, um zu verhindern, dass der Film sich beim Trocknen aufrollt. Bei Ihren ersten Filmen können Sie ruhig improvisieren. Aber über kurz oder lang sollten Sie sich richtige Filmklammern zulegen.
Aus Wäscheklammern kann ein Film herausrutschen, und wenn der auf dem staubigen Boden landet …


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Negativhüllen

Im Fotohandel gibt es Negativhüllen aus Pergamin und Acetat (also glasklar). Sie lassen sich in einem A4-Ordner abheften und sind die Grundlage eines funktionierenden Archivs. Die Acetathüllen sind zwar hervorragend geeignet, um Kontakte zu machen. Aber Sie sind auch teuer.
Durch die Fachpresse liefen vor einiger Zeit Berichte, dass diese Hüllen "gasen", also Substanzen abgeben, die auf längere Sicht Negative, besonders Farbnegative, schädigen können. Ich benutze aus diesem Grund Acetathüllen nur zum Kontakten. Die Lagerung der Negative (und der Dias) erfolgt in den preiswerteren Pergaminhüllen.
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