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Welche Schritte in der Bildbearbeitung muss ich machen?

Digitaler Workflow 1

Kurzfassung

In diesem Bereich des Fotolehrgangs erfahren Sie:

  • warum eine Bildbearbeitung nötig ist
  • warum auch eine Bildverwaltung wichtig ist
  • was bei der Auswahl der Software eine Rolle spielen kann
  • u.v.m
Vorab:
Der Themenkomplex rund um die weitere Handhabung der Bilder, speziell um Verwaltung und Bildbearbeitung ist sehr umfangreich. Es würde den Rahmen dieses Fotolehrgangs sprengen, wenn ich in voller Ausführlichkeit darauf eingehen wollte.
Aber ich werde versuchen, Ihnen auf dieser und den anderen Seiten in diesem Kapitel die wichtigsten Punkte zu erklären.
Dieses Kapitel kann dabei trotzdem einigermassen kurz bleiben, da ich viele wichtige Werkzeuge und Verfahren der klassischen Bildbearbeitung wie z.B. Tonwertkorrektur, Gradationskurve, Rauschen, Exif-Daten, Histogramm,Tonemapping, HDR, DPI, Weißabgleich, unscharf maskieren, etc. im Glossar und in anderen Kapiteln aufgeführt habe.

Bildbearbeitungskurs

Sollten Sie einen Einstieg in das Thema Bildbearbeitung suchen, empfehle ich Ihnen die Teilnahme an einem meiner mehrmals im Jahr stattfindenden Workshops zur Bildbearbeitung. Termine und weitere Informationen können Sie unter www.fotoschule-ruhr.de finden.
Da können wir uns dann auch persönlich kennenlernen!

Natürlich ist gerade für Einsteiger die Bildbearbeitung mit ihren Möglichkeiten und Auswirkungen auf das Aussehen des Bildes der spannendere Teil diese Themenkomplexes.
Ich werde aber jetzt trotzdem mit dem Bereich der Bildverwaltung beginnen. Es erscheint mir sinnvoller, erst die gut gestalteten Bilder auszuwählen, bei denen eine Bearbeitung (besser müsste es heißen: Ausarbeitung) auch wirklich lohnend ist, bevor man mit dem Thema Bildbarbeitung beginnt.
Bis zur Bildbearbeitung bitte ich Sie also noch um ein wenig Geduld. [Oder springen Sie auf die nächste Seite. ;-) ]

Ausführlich:

Welche Bildbearbeitung soll ich wählen?

Und warum überhaupt bearbeiten?

Digitale Fotos müssen immer interpretiert werden, auf das Warum gehe ich auf einer der folgenden Seiten in diesem Kapitel ausführlicher ein.
(Wer das schon jetzt lesen will, klicke auf den grünen Balken hinter diesem Link.)

Eine Software zur Bildbearbeitung [oder besser: zur Ausarbeitung der von der Kamera bei der Aufnahme gemessenen und dann als RAW-Datei gespeicherten Helligkeiten der kleinsten noch messbaren Motivbereiche... ;-) ] wird also über kurz oder lang jeder brauchen, der die Digitalfotografie mit einer gewissen Intensität betreibt.

Doch welche Software ist die richtige? Es gibt von kostenlos bis xxx,xxEuro jede Menge unterschiedlicher Angebote. Manche werden von einer Community entwickelt und (hoffentlich) weiter gepflegt, manche sind Beilagen der Kamerahersteller und wieder andere werden von Firmen für den Verkauf oder die Vermietung (Abomodelle) entwickelt.

Aber welche Software ist die nun die richtige.

Die Frage erreicht mich natürlich öfter. Und ich könnte es mir jetzt einfach machen und den (für mich) lukrativen Weg wählen. Ich könnte Ihnen einfach eine Software empfehlen, bei der ich ordentlich mitverdiene, wenn Sie diese dann auf meine Empfehlung hin kaufen.
Und so etwas gibt es durchaus öfter.
Nicht jeder meiner Erklärbär-Kollegen, der Ihnen z.B. großzügig einen Gutscheincode für eine spezielle Bildbearbeitung "schenkt", macht das aus purer Nächstenliebe.
Wenn man für eine solche Empfehlung, falls sie dann in eine Bestellung umgesetzt wird, vom Hersteller der Software zehn Euro erhalten kann, ist die Versuchung schon recht groß.
(Unter diesem Link finden Sie eine Website, die den potentiellen "Partnern" sehr schön zeigt, wieviel bisher bereits für solche "Empfehlungen" ausbezahlt wurde – in dem Fall wohl in erster Linie für "Luminar". Und Sie können auch gleich noch sehen, wer anscheinend besonders viel empfohlen (und damit verdient) hat.)

Das heißt ausdrücklich nicht, dass eine solche Software prinzipiell schlecht ist, ganz bestimmt nicht. Manche dieser Programme verwende ich auch.
Aber ich halte es für unehrlich, wenn der finanzielle Vorteil der "Empfehlenden" nicht zumindest deutlich kommuniziert wird.
Und leider wird dann auf diese Art auch mal ein mittelmäßiges Programm zum Non-Plus-Ultra erklärt, ohne dass der unerfahrene Leser / Zuschauer das einschätzen kann. Solche Empfehlungen ohne entsprechende Hinweise haben in meinen Augen ein ziemliches "Geschmäckle".

Und damit sind wir bei mir.
Falls Sie sich "Lightroom(*)" oder andere Produkte über die Links auf meinen Seiten holen, erhalte ich zum Teil auch ein paar Prozente.
Im Fall von Lightroom aber nicht von Adobe, der Firma hinter Lightroom (und Photoshop), sondern von Amazon, also von einem Händler. Ich würde diese Prozente auch erhalten , wenn ich ein anderes Programm empfehlen würde.
Ich habe mir Mühe gegeben solche Links in meinen Veröffentlichungen entsprechend zu kennzeichnen.

Und ich freue mich natürlich, wenn Sie diesen Bestellweg gehen, aber wenn Sie Lightroom woanders kaufen, soll mir das auch recht sein. Und das gilt genauso, wenn Sie eine komplett andere Software holen.
Auf die Frage, was ich nun selber verwende, erhalten Sie von mir klar und eindeutig die Antwort "Lightroom Classic CC(*)", Photoshop (und, aber deutlich seltener, Luminar sowie DXO und das eine oder andere Programm der Kamerahersteller).

Warum Lightroom?

Ich versuche eigentlich, diesen "Fotolehrgang im Internet" von konkreten Produktempfehlungen frei zu halten. Wenn ich nun aber alle meine Gründe für Lightroom Classic CC hier aufführen würde, würden die nächsten Abschnitte zu einer Art Verkaufsshow verkommen.
Deshalb werde ich darauf hier nicht weiter eingehen (vielleicht mach ich dazu mal einen Artikel in meinem Blog), ein Grund soll reichen.
Der für mich vielleicht wichtigste Grund ist die Zeitersparnis, die ich mit Lightroom habe.
Wenn ich die verschiedenen (auf den folgenden Seiten aufgeführten Schritte) von der Kopie des Bildes oder der RAW-Datei von der Speicherkarte zum Rechner bis hin zum ausgearbeiteten Bild an der Wand oder bei flickr, instagram oder sonstwo gehen möchte, müsste ich ohne LR verschiedene Programme nacheinander nutzen. Und gerade in dem für mich wichtigen Bereich der Ausarbeitung der RAW-Daten sind diese Programme (bei gleicher Bildqualität) oft deutlich langsamer.
Meine Zeit verbringe ich lieber mit dem Fotografieren als am Computer, deshalb bin ich gerne bereit, für Lightroom das Abomodell zu bezahlen.

Die Kosten

"Ja, aber wenn ich nur drei Bilder im Monat bearbeiten will, dann lohnt sich doch so ein teures Programm gar nicht. Egal ob einmal bezahlt oder als Abomodell."
Ja, das ist richtig und ich würde mir auch nicht für drei Bilder im Monat eine teure Software kaufen.
Aber ich würde Ihnen dann auch raten, gar nicht erst mit den Programmen anzufangen. Denn wenn es nur drei Bilder im Monat sind, werden Sie nie die wünschenswerte Routine im Umgang mit der Bildbearbeitung erlernen.
Statt dessen werden Sie jedesmal, wenn Sie sich an den Rechner setzen, wieder bei "Adam und Eva" anfangen und sich fragen: "Wie ging das denn nochmal?" "Wie habe ich das denn im letzten Monat gemacht?" "Wo ist der Regler?" "Was war nochmal die passende Auflösung in der ich abspeichern sollte?" "Warum ist der Ausdruck jetzt auf einmal so dunkel geworden?"
Genauso wie Sie eine gewissen Routine im Umgang mit der Fototechnik benötigen, um gut fotografieren zu können, benötigen Sie Routine und Erfahrung mit der Bildbearbeitung. Und das wird mit drei Bildern im Monat nicht klappen. (Und mal ganz ehrlich: wenn Sie das mit dem Fotografieren ernst meinen, werden Sie sicher mehr als drei Bilder im Monat haben, bei denen sich die Ausarbeitung lohnt. ;-)

Natürlich können Sie auch mit einer preiswerteren oder noch besser kostenlosen Lösung beginnen.
In dem Fall würde ich Ihnen neben den Programmen der Kamerahersteller in erster Linie „Darktable“ ans Herz legen. Es ist ein Freeware-Programm, das von einer Community getragen wird.
Darktable bietet viele klassische Verfahren der RAW-Ausarbeitung und einige Speziallösungen, die zum Teil selbst teuren Programmen fehlen.

Ein weiteres kostenloses Programm wäre "Lightzone", ursprünglich ein kommerzielles Programm das auf Schwarzweißausarbeitungen spezialisiert war.
Mittlerweile ist es auch gut zur Ausarbeitung von Farbaufnahmen geeignet. Als (mittlerweile) Freeware wird es wohl ebenfalls von einigen Enthusiasten gepflegt.

Vom oft empfohlenen kostenlosen "Gimp" würde ich abraten. Es ist, wie sein "Vorbild" Photoshop, nicht für die Ausarbeitung von RAW-Daten gedacht, sondern findet seinen Aufgabenbereich primär in der inhaltlichen Veränderung von Bilddateien.

Was einfaches für Anfänger

Das Problem mit der häufig in den sozialen Medien nachgefragten einfachen und möglichst auch kostenlosen Software für Anfänger liegt darin, dass Sie hoffentlich nicht lange Anfänger bleiben.
Und wenn Sie dann beizeiten aus der Einsteigerlösung "herauswachsen", müssen Sie evtl. wieder "umlernen". Vielleicht ist es dann doch besser, direkt mit "etwas richtigem" anzufangen.

Das soll hier zum Thema Softwarewahl reichen, kümmern wir uns im folgenden lieber um das "Was" und "Wie" als um das "Womit"".

Der "Workflow"

Die (neuen) Bilder aus Ihrer Digitalkamera sollten Sie nach einer mehr oder weniger immer gleichen Vorgehensweise abarbeiten.
Neudeutsch nennt man so etwas einen Workflow.
Ich werde einen solchen Ablauf hier grundlegend skizieren. Er sollte aber natürlich zu Ihnen und Ihrer Art der Fotografie passen, Sie werden deshalb sicherlich nach und nach einzelne Schritte ändern und an Ihre Bedürfnisse anpassen.

Übertragen und Auswählen

In jedem Fall müssen zuerst die Bilder in den Computer (oder aufs Tablett). Ich verwende dazu oft einen in den Computer eingebauten Cardreader bzw. ein externes per Kabel angeschloßenes Modell.

Die Kamera verbinde ich, soweit möglich, nicht direkt per Kabel mit dem Computer. Ich möchte unnötige Belastungen für den USB-Stecker der Kamera vermeiden. Bei einigen Modellen macht dieser nicht den stabilsten Eindruck.
Und (nicht unwichtig) ich vermeide auf diese Art eine Kabelverbindung zwischen zwei teuren Geräten, mit der eins der beiden versehentlich vom Tisch gerissen werden könnte.

WLAN

Bei vielen Kameras ist zusätzlich zu einer Verbindung per Kabel prinzipiell auch ein Übertragung per WLAN (und/oder Bluetooth) möglich.
Aber das ist je nach Modell nur eine Notlösung. Erstens ist dieser Weg meist langsam und zweitens können bei manchen Kameraherstellern per Funk nur die JPEGs auf den Rechner übertragen werden. (Es gibt für solche Fälle einen Workaround, den ich in meinem Blog unter dem Titel "RAWs mit WLAN in den Rechner (und auf Smartphone und Tablet) laden"veröffentlicht habe)

Manche Hersteller liefern mit den Kameras spezielle Software zum Importieren der Bilder. Diese Programme funktionieren manchmal aber etwas "anders". Im harmlosesten Fall bilden sie dann nur ungefragt Unterordner beim Übertragen der Bilddaten oder benennen sie einfach nach eigenem Gusto um.
Auf diese Softwarelösungen kann man zum Glück verzichten und statt dessen die Fotos einfach mit den Mitteln des Betriebsystems ("Arbeitsplatz", "Explorer", "Finder", etc.) oder der bevorzugten Bildbearbeitung/-verwaltung von der Speicherkarte in einen speziellen Ordner auf der Festplatte kopieren.
Beim Kopieren mit dem Betriebsystem ist dann immer klar ersichtlich, was mit den Daten in den beiden am Kopieren der Bilder beteiligten Ordnern tatsächlich passiert.

Falls Sie ein Programm wie "Lightroom"(*) benutzen, dass Ihnen die Kontrolle über den Speicherplatz überlässt, können Sie die Bilder natürlich auch damit übertragen.

Die Bilddateien werden von mir nicht umbenannt, sondern behalten die von der Kamera vergebene fortlaufende Nummerierung (falls notwendig allerdings ergänzt um Zehntausender-Stellen, um Dubletten zu vermeiden).
Die Dateien kamen bei mir früher zuerst in einen speziellen Ordner, der vor dem Kopieren leer sein sollte. In diesem Ordner wird aussortiert, die schlechten Bilder werden gelöscht. Das sind nicht wenige, man sollte da auch ruhig kräftig sortieren, vielleicht auch zweimal, mit etwas zeitlicher Distanz.

Heutzutage verwende ich zum Sortieren (und zum VerStichworten, zur Konvertierung der RAW-Daten bzw. zur Helligkeits- und Farbanpassung bei JPEGs) das Programm "Lightroom"(*) von Adobe, das mir als Bilddatenbank und RAW-Konverter gute Dienste leistet. (Und JPEGs und andere Bilddateien kann ich damit auch ausarbeiten.)
Damit kann ich auf einen speziellen Eingangsordner verzichten und dafür eine Sammlung nutzen (später mehr dazu).

Die Guten ins Töpfchen ...

Bevor ich die Bilder überhaupt in gut und schlecht einteile schütze ich "persönliche" Bilder. Das sind Aufnahmen, die mir fotografisch (also in Bezug auf ihre technische und gestalterische Qualität) egal sind, an denen ich aber emotional hänge. Diese wandern dann in einen speziellen Ordner.
Solche Bilder zeigen oft Familienangehörige oder Freunde und sind primär zur (gemeinsamen) Erinnerung gedacht. Ob sie gut gestaltet oder fototechnsich perfekt sind spielt bei diesen Aufnahmen keine Rolle.
Solche Fotos werden noch vor dem Auswahlprozess, also vor dem weiteren Beurteilen nach gestalterischen und technischen Gesichtspunkten, zur Seite gelegt, quasi "in Sicherheit gebracht".
Erst danach geht es an die eigentliche Auswahl der "fotografisch interessanten" Bilder — also der Landschaften, Makros, "Street"-Aufnahmen, Portraits, ect.
Bei diesen Fotos muss ich nun mit eisernem Besen Spreu vom Weizen trennen.

Die Menge der Fotografien hat sich durch die Digitalfotografie massiv vergrößert.
Zu den Zeiten der Fotografie auf Film waren so viele Bilder kaum möglich. Durch die damals mit jeder Belichtung verbundenen Kosten fotografierte man anders und verzichtete (leider) oft auf den zweiten oder dritten evt. besseren "Schuß".
Das ist nun in der Zeit der Digitalfotografie deutlich anders, die Menge der Fotografien hat sich massiv vergrößert. Man nimmt im Urlaub nicht mehr nur ein einziges Foto vom Leuchtturm auf.
Da fotografiert man dann, während man auf den Leuchtturm zugeht, mit dem Tele eine Aufnahme von Dünen und Leuchtturm aus 800 m Entfernung. Danach ein Bild mit einer schönen Wolke im Hintergrund aus 500 m Entfernung, vielleicht auch noch eine Variante im Hochformat. Und dann noch eine weitere mit dem nun viel größeren Leuchtturm aus 200 m Entfernung.
Anschließend fotografiert man den Leuchtturm mit einem Strandkorb im Vordergrund, fotografiert noch etwas später am Leuchtturm senkrecht hoch (und eventuell auch noch von oben runter) und geht dann weiter.
Wenn man nun den Weg fortsetzt liegt der Leuchtturm im Rücken. Aber falls man sich mal nach hinten umschaut, bemerkt man vielleicht, daß der Leuchtturm aus dieser Richtung viel besser zum Sonnenlicht steht. Und so werden weitere Fotos gemacht. Auf die Art kommt man schnell mit *vielen* von diesem einen Ausflug zum Leuchtturm aus dem Urlaub zurück.

Viele dieser Fotos wurden aber nur gemacht, weil man zum Zeitpunkt ihrer Entstehung noch nicht wusste, dass man etwas später ein besseres Bild aufnehmen kann.

Die schlechteren Bilder könnten theoretisch natürlich direkt vor Ort gelöscht werden.
Aber am Strand ist das aufwändig. Man kann im Sonnenlicht die Bilder auf dem kleinen Display meist gar nicht richtig beurteilen.
Andererseits sind Speicherkarten heutzutage preiswert und so bleiben die überflüssigen Aufnahmen fürs erste einfach mal auf der Speicherkarte.
Aber zu Hause, nach der Übertragung in den Rechner, sollten die nicht so guten Bilder ausgewählt und später auch endgültig gelöscht werden.

Gestaltung meist wichtiger als Fototechnik

Bei der Beurteilung und Auswahl der Bilder spielen Gestaltung und Bildinhalt die wichtigste Rolle. Ein technisch petfektes langweiliges Foto bleibt ein langweiliges Bild und sollte in den Papierkorb wandern.
Ein spannendes Bild verträgt dagegen durchaus auch mal den einen oder anderen technischen Fehler.

Durch meine Kurse weiß ich, daß gerade auch viele Einsteiger Angst vor dem Löschen eines Bildes haben. Es könnte ja später vielleicht doch noch einmal wichtig sein.
Das von mir bevorzugte Lightroom CLassic CC (*) bietet dafür eine Lösung. (Und vermutlich wird es auch bei anderen Programmen ähnliche Möglichkeiten geben).

Schon beim Import kann man Kopien aller Bilder zusätzlich auf einen zweiten Speicherplatz übertragen, idealerweise wäre das eine nur für diesen Zwecke genutzte externe Festplatte.
Diesen zweiten Satz Bilder "vergisst" LR dann aber direkt wieder, sie können also während des Selektionsprozesses — und auch danach – aus LR heraus überhaupt nicht verändert oder gar gelöscht werden.

Falls Sie also Angst vor dem Löschen haben, dann kaufen Sie sich eine externe Festplatte und aktivieren Sie beim Bildimport dies zusätzliche Speicherung.
Diesen zweiten Satz Bilder "vergisst" LR dann aber direkt wieder, sie könne also während des Selektionsprozesses — und auch danach – aus LR heraus überhaupt nicht verändert oder gar gelöscht werden.

Kaufen Sie sich also eine solche externe Festplatte und aktivieren Sie beim Bildimport dies zusätzliche Speicherung. Dann könen Sie auch Jahre später, wenn Sie glauben, sie hätten aus Versehen ein Spitzenbild gelöscht, an das Sie sich nun erinnern, dieses auf der "Müllhaldenplatte" suchen.

Technische Fotoqualität

Natürlich spielt neben Gestaltung und Inhalt aber auch die technische Qualität der Bilder eine Rolle.
Verwackelte oder fehlbelichtete Fotos gehören (meistens) zum Müll!
Aber Vorsicht, gerade für gute belichtete Bilder erzeugen die Kameras (und an dieser Stelle auch der RAW-Konverter im Rechner) in der Standardausarbeitung der RAWs gelegentlich viel zu dunkle Vorschaubilder.

Das obere Bild ist perfekt belichtet, aber erst die individuell angepasste Ausarbeitung zeigt das Potential des Bildes.
Da muss man also aufpassen, Sie sollten sich von dieser Art der (falschen) Darstellung nicht beeinflussen lassen. Es gehört ein wenig Erfahrung dazu, direkt zu erkennen, was mit dem Bild noch zu erreichen ist.

Schade wäre es, wenn ein perfekt belichtetes Bild als vermeintlich zu dunkel gelöscht wird, nur weil die Software (im Rechner oder in der Kamera) mit ihren durchschnittlich vorgehenden Algorithmen ein zu dunkles Vorschaubild erzeugt hat.
(Mehr zu diesem Thema, warum perfekte Bilder oft in der Standardausarbeitung zu dunkel aussehen, können Sie sich inklusive eines Videos in meinem Blog unter "Wer richtig belichtet, der braucht keine Bearbeitung? Falsch!" ansehen.)

Mittelmaß

Viele Programme bieten zur Auswahl der Bilder Kennzeichnungen mit Sternen oder Farben oder anderen Verfahren an. Damit kann man dann bei der Bildbeurteilung unterscheiden zwischen megatoll, mittelmässig und mies.
Das erscheint zuerst durchaus logisch. Aber ist es das auch?
Gute Fotografien bleiben natürlich in der Sammlung erhalten und werden bei Bedarf ausgearbeitet.
Und Bilder der Kategorie "Mies" wandern selbstverständlich in den Müll.
Aber was macht man später mit den mittelmäßigen Bildern? "Lieber Schwiegervater, aus Anlass deines achtzigsten Geburtstages überreiche ich dir diesen Kalender mit meinen mittelmäßigen Bildern aus Südtirol."
Ist das realistisch? Macht das jemand wirklich? ;-)
Oder müllen solche mittelmäßigen Bilder später nicht nur die Festplatte zu?
(Zur Erinnerung: Bilder, die eine persönliche emotionale Bedeutung haben, sind ja schon vorher aussortiert und gesichert worden.)
Bei mir gibt es deshalb nur die guten Bilder und "die Anderen". Von den letzteren gibt es leider immer viel mehr. ;-)
Alles was nicht gut ist — also alle "die Anderen" - wandert in den Müll!

Wiederfinden

Anschließend bekommen die Bilder Stichwörter.
Für den Amateur mag es auf den ersten Blick ein wenig übertrieben wirken, die Bilder zu verStichworten.
Aber später werden Sie froh sein, zielsicher ein einzelnes Bild nur durch die Kombination unterschiedlicher Suchbegriffe zu finden. (Lightroom kann sogar automatische Gruppen bilden. Bilder bei denen verschiedene Stichworte zutreffen, werden dann zusammengefasst.. Weiter hinten mehr dazu)
Womöglich finden Sie später durch die Stichworte sogar ein Bild, an das Sie sich gar nicht mehr erinnern konnten und das Sie deshalb auch mit einer der üblichen Sortierweisen – zum Beispiel nach Datum – gar nicht erst gesucht und so dann auch nicht gefunden hätten.

Lassen Sie sich von den vielleicht bereits vorhandenen Bilderbergen auf der Festplatte nicht abschrecken, die können Sie, falls überhaupt gewünscht, nach und nach verStichworten. Aber vergeben Sie schon bei den nächsten Bildern, die Sie aus der Kamera laden, direkt nach dem Import und der Auswahl Stichwörter.

Vielleicht hilft Ihnen bei der Auswahl zu dem Umgang mit Stichworten ja auch folgende Überlegung: "Ein Bild, dass die Mühe, es zu verStichworten nicht wert ist, kann auch gleich gelöscht werden."

Diese Stichworte (und andere Angaben wie z.B. zum Fotografen oder zum Aufnahmeort, die auch zu den sogenannten Metadaten des Bildes gehören) werden primär in die Datenbank aufgenommen und bei TIFF und JPEG-Dateien in die dafür bestimmten IPTC-Felder der Bilddateien geschrieben.

Der Vollständigkeit halber möchte ich noch kurz auf das Thema "verlustfreier Umgang mit JPEGs" eingehen.
Das sollte heutzutage eigentlich keine Rolle mehr spielen, aber falls Sie ältere Software und JPEG-Dateien verwenden, so könnten Sie betroffen sein.

JPEG Dateien bauen sich aus Blöcken von Pixeln (8*8, also 64 Pixel in einem Block) auf. Diese Blöcke werden zu einer Informationseinheit zusammengefasst, die sich mit mathematischen Verfahren komprimieren lässt.

Beim Drehen der Datei in 90°-Schritten müssen einfach nur die Blöcke gedreht und neu positioniert werden, ein erneutes Komprimieren der Blöcke wäre also eigentlich unnötig. Das gilt natürlich noch stärker für das Einfügen von Stichworten.

Obwohl es also prinzipiell nicht nötig wäre, wurde früher von manchen Programmen eine JPEG-Datei nach dem Spiegeln oder Drehen um 90°-Schritte und auch nach dem Eingeben von Stichworten beim abschliessenden Speichern der Änderung erneut komprimiert.
Jeder dieser unnötigen Komprimierungsvorgänge verschlechterte aber die Bildqualität.

Aktuelle Software sollte Drehen und Stichworteintrag ohne erneutes Komprimieren beherrschen.
Von der zusätzlichen Kompression und der damit zusammenhängenden Verschlechterung der Bildqualität sind, im Falle des Falles, nur JPEG-Dateien betroffen, keine TIFFs oder RAWs.

RAW und Stichworte

Bei RAW-Dateien wird es etwas komplizierter, denn die RAW-Dateien sollten aus Kompatibilitätsgründen besser überhaupt nicht verändert werden — auch nicht durch das Eintragen von Stichworten.
Lightroom speichert die Stichworte bei RAW-Dateien natürlich in seiner Datenbank — zusammen mit weiteren IPTC-Daten und EXIF-Angaben und vor allem auch mit dem "Entwicklungsrezept" für dieses Bild.
(Die Datenbank ist sehr praktisch, lassen Sie sich nicht von der Werbung für andere Produkte irritieren, die das Fehlen einer Datenbank bei ihrer Software sogar als Vorteil darstellen möchten.)

Bei JPEGs und TIFFs stehen diese Stichworte etc. zusätzlich auch in der Bilddatei und können so von anderen Programen gelesen und genutzt werden. Bei RAW-Daten ist das nicht vorgesehen, aber Lightroom kann auf Wunsch sogenannte Sidecar-Dateien ("Beiwagen-Dateien) anlegen.

Das sind Textdateien im XML-Format, die die wichtigsten Angaben zur RAW-Datei enthalten. Darin sind die Aufnahmedaten, Stichworte und Entwicklungsrezepte (dazu kommen wir noch) hinterlegt.
Diese Daten werden mit dem Namen der RAW-Datei aber mit der Endung "xml" im gleichen Ordner wie das dazugehörige RAW gespeichert.

Es gibt aber auch RAW-Konverter, die teilweise die Stichwörter und Metadaten direkt in die RAW-Datei schreiben. Von einigen Kameraherstellern ist das Verfahren auch bereits von Haus aus so vorgesehen.

zum Fotokurs

AKTUELL


Der nächste Termin für meinen zweitägigen Grundlagenkurs Fotografie (mit derzeit noch freien Plätzen) ist

am Wochenende
06.11.21 / 07.11.21 (Sa./So.)
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Der Vorteil beider Wege (Datenbank und XML-Datei) der direkten VerStichwortung schon der RAW-Dateien besteht darin, dass später alle "Kinder" (also die als JPEG oder TIFF ausgearbeiteten Bildkopien) dieser Dateien automatisch die Stichwörter und die anderen Metadaten erben.

Warum nicht mit Ordnern sortieren

Ich verwalte meine Bilder in erster Linie nicht mit unterschiedlich benannten Ordnern oder durch besondere Dateinamen, auch wenn das von vielen so gemacht wird.
Statt dessen setze ich Stichworte ein und nutze zum Sortieren bzw. Wiederfinden von Bildern entsprechende Programme wie eben Lightroom(*) (das mir zusätzlich als hervorragender RAW-Konverter gute Dienste leistet.)

Mit einem Ordnersystem zur Archivierung stößt man immer wieder an Grenzen, weil je nach Bildinhalt dasselbe Foto durchaus unterschiedlichen Themen (und damit unterschiedlichen Ordnern) zugeordnet werden müsste.
In welchen Ordner soll das Bild, dass im Juli 2019 in dem kleinen Ort in Cornwall auf dem Marktplatz vor der schönen Kirche von der Hochzeitskutsche mit dem eingespannten Apfelschimmel und dem begleitenden Dalmatiner gemacht wurde?
Urlaub? Cornwall? Kirche? Hochzeitskutsche? Pferd? Hund?

Das ist kaum praktisch anwendbar. Und das Verschieben/Kopieren ist auch schon bei nur einem Ordner langsamer als die Vergabe von Stichworten.
Es ist besser und einfacher, dem Bild die verschiedenen Themen in Form von Stichwörtern direkt zuzuordnen.

Das Vergeben der Stichwörter erscheint gerade Anfängern zuerst sehr aufwändig und umständlich. Aber mit der richtigen Software und etwas Überlegung kann das wirklich flott von der Hand gehen.
So geht es schneller und einfacher, wenn Sie Bilder gruppenweise bearbeiten.
Also zum Beispiel erst alle Strandbilder aus dem Urlaub in der Übersicht auswählen ( Dazu zusammenhängende Bildgruppen bilden: zusätzlich zum Mausklick die Umschalttaste drücken um durch Klick auf Anfangs- und Enddatei Gruppen von Bildern auszuwählen. Für zusätzliche Einzelbilder: mit der [STRG] Taste und Mausklick verstreute Einzelbilder als Gruppe zusätzlich markieren) und mit dem Stichwort "Strand" versehen. Danach dann die Strandbilder mit dem Leuchtturm auswählen und ihnen als Gruppe zusätzlich den Begriff "Leuchtturm" zuordnen.
Anschliessend werden die Strandbilder mit einem Sonnenuntergang entsprechend verStichwortet.

Später können Sie dann schnell alle Urlaubsbilder herausfinden, die den Sonnenuntergang am Strand (evtl. nur mit oder nur ohne Leuchturm) zeigen. So etwas lässt sich mit einer Verwaltung der Bilder nach Dateiname und Orderstruktur nur sehr schlecht lösen.

Welche Stichwörter Sie einsetzen, hängt in erster Linie von Ihren (fotografischen) Interessen ab.
Ich würde auf jeden Fall dazu raten, bei Personen immer Vor- und Nachnamen anzugeben. Begriffe sollten Sie immer in der Einzahl nutzen, auch wenn mehrere Elemente auf dem jeweiligen Foto sind. (Sie finden sonst die Gänse nicht, wenn Sie einmal nach "Gans" suchen.)

Verzetteln Sie sich nicht mit den Stichwörtern. Wenn sie kein Pferdenarr sind, reicht "Pferd", evtl. noch Pony; ob "Araber", "Fjordpferd" oder "Apfelschimmel"", müssen Sie nicht unterscheiden.
(Und falls nötig können Sie das später noch nachholen, indem Sie sich dazu alle Bilder zeigen lassen, die bereits das Stichwort Pferd haben und diese dann nachträglich mit "Unterstichworten" weiter differenzieren.)
Ob Sie Umlaute verwenden, müssen Sie selbst entscheiden, einige Programme haben damit Schwierigkeiten.

Vergessen Sie die "weichen" Werte nicht, neben Stimmungen und Gefühlen können auch das Wetter oder bestimmte Farben als Stichwörter sinnvoll sein.
Generell haben Stichwörter natürlich nur dann Sinn, wenn das Stichwort für das Bild auch bedeutend ist — nicht jedes Bild von einem Sommertag sollte das Stichwort "sonnig" erhalten.


Auf der nächsten Seite geht es nun mit Überlegungen zur Bildbearbeitung weiter.

Der Fotolehrgang Gestaltung - LIVE!

Zum Thema "Gestaltung" biete ich einen Live-Fotokurs an.

Darin werden natürlich auch die hier auf diesen Seiten erwähnten Überlegungen zur Gestaltung eine Rolle spielen. Aber für die meisten Teilnehmer sind wohl die Bildbesprechungen im Rahmen des Kurses (und danach!) am wichtigsten.
Mehr Informationen und Anmeldung zu den Fotokursen mit Tom! Striewisch hinter diesem Link.

Der Kurs ist übrigens auch ideal zum verschenken, schenken lassen oder auch sich selber schenken.