Das Zonensystem

Testaufbau

Kurzfassung:

Graukarte und strukturiertes Objekt der Helligkeit ZoneV vor schwarzem Hintergrund möglichst tageslichtähnlich und neutral ausgeleuchtet fotografieren.
Nötig sind dazu:
Graukarte
strukturiertes, möglichst neutralgraues Objekt
schwarzer Stoff (evtl. auf einer Platte aufgezogen)
2 Leuchten
Stativ
Drahtauslöser (falls vorhanden)
manuell einstellbare Kamera

Ausführlich:

Wie kann ich den Film testen?

Als Erstes brauchen wir dazu ein Testmotiv. Wir könnten natürlich ein Motiv suchen oder bauen, in dem alle Helligkeiten der Zonen 0 bis X präsent wären. Wenn wir dann noch dieses Motiv genau ausmessen, könnte es eine gute Referenz sein. Aber das ist schwer zu finden, und auch das Aufbauen einen solchen Motivs ist nicht ganz einfach.
Außerdem könnte es schwierig werden, dieses Motiv noch einmal identisch für einen weiteren Test zu fotografieren. Aber wir können uns ja die Tatsache zunutze machen, dass es dem Film egal ist, ob das Licht von einem schwach beleuchteten hellen Objekt oder von einem hell beleuchteten dunklen Objekt kommt.

Nehmen wir doch einfach die Graukarte. Wenn wir sie ausmessen und den Film mit diesem Wert belichten, erhalten wir ja eine Aufnahme, die die Zone V repräsentiert.
Um nun eine Belichtung für Zone IV zu erhalten, können wir eine genau eine Blende dunklere Pappe suchen. Oder wir belichten einfach die Graukarte um eine Blende knapper.
In beiden Fällen kommt gleich viel Licht auf den Film.

Umgekehrt können wir eine Belichtung der Zone VII hervorrufen, indem wir die Graukarte um zwei Blenden überbelichten.
Zum Testen müssen wir ja auch nicht alle Helligkeiten auf einem Negativ haben, sondern können sie auf mehrere Negative verteilen. Dann müssen wir allerdings den Positivprozess in der weiteren Ausarbeitung für diese Negative möglichst präzise gleich halten.

Wir sidn also in der Lage, exaktdie Belichtungen, die den Zonen 0 bis X entsprechen, durch die unterschiedliche Belichtung einer Graukarte zu simulieren. 11 Belichtungen mit 11 unterschiedlichen Blendenwerten ergäben dann 11 Negative, die den unterschiedlichen Helligkeiten bei der Aufnahme eines Testmotivs entsprächen.

Die Testobjekte

Die Belichtung der Graukarte hat allerdings einen großen Nachteil. Sie hat keine Struktur, das heißt, wir können nicht feststellen, wann in den Schatten- oder Lichterbereichen die Zeichnung verloren geht. Also benötigen wir noch ein strukturiertes Objekt, welches in etwa (möglichst genau) der Helligkeit der Graukarte entspricht.
Es ist wichtig, dass die Struktur recht fein ist, da sonst im Objekt Schatten auftreten können, die die Messung verfälschen und Zeichnung in Bereichen vortäuschen, wo eigentlich keine ist.

Das Testobjekt sollte zwar eine deutliche Struktur besitzen, darf aber weder zu stark geprägt, noch teilweise transparent sein.
Falls Sie ein Stück Stoff nehmen, dann man besten ohne Zopfmuster und Falten und mit möglichst engen Maschen, damit der schwarze Hintergrund nicht durchscheint.

Ich habe, als ich anfing, mich mit dieser Materie zu beschäftigen , lange gesucht und endlich einen alten feingestrickten Pullover gefunden, der ziemlich exakt der Graukarte entsprach.
Wenn wir nun beide Objekte (die Graukarte als exakte Referenz der Helligkeit und das möglichst gleich helle strukturierte Objekt als Indikator für Zeichnung) zusammen fotografieren, haben wir eine gute Testbasis.
Der Hintergrund sollte kein Licht zum Objektiv reflektieren, da sonst eine Kontrastverschiebung durch Streulicht auftreten kann. Am besten nehmen Sie einen schwarzen Hintergrund, dann können Sie bei der Auswertung gleich die Zone I mit ihm vergleichen.
Nun ist es schwierig, ein komplett schwarzes Objekt zu finden. Je nach Beleuchtung ist schwarzer Stoff (und erst recht schwarze Pappe) nämlich nur dunkelgrau. Ich habe schwarzen Moltonstoff genommen, damit ging es ganz gut.

Der Aufbau

Am einfachsten nehmen Sie eine Holzplatte oder Ähnliches, spannen darum den schwarzen Molton und befestigen auf diesem (mit Stecknadeln oder Klebestreifen) die Graukarte und das strukturierte Objekt (Pullover).

Illustration

Allerdings sollten Sie darauf achten, dass die Lampen das Testmotiv gleichmäßig ausleuchten; Halogenlampen haben z.B. oft einen gut sichtbaren "Hotspot". Besser sind matte "Glühbirnen". Für meine ersten Testreihen habe ich Aufnahmen mit normalen Schreibtischleuchten mit 100-Wattlampen gemacht, das gab keine Probleme. Mehr Licht ist aber besser.

Je nach Art der Lichtquellen, die ja unterschiedliche Farbtemperaturen aufweisen können, können die Testergebnisse in Bezug auf die Filmempfindlichkeit etwas unterschiedlich ausfallen.
 
Warum?
 
Der Schwarzweißfilm weist für das rötlichgelbe Licht der künstlichen Glühlampenbeleuchtung eine um etwa eine halbe Blende geringere Empfindlichkeit auf. Mit einer solchen Lichtquelle für den Test erhalten Sie also einen Wert für die Filmempfindlichkeit, der für eine Aufnahme bei Tageslicht zu niedrig sein könnte.
Falls möglich, sollten Sie deshalb eine Lichtquelle verwenden, die möglichst nah an der von Ihnen später hauptsächlich genutzten Lichtquelle ist. Oft sind also tageslichtähnliche Lampen besser geeignet.

Nun hat aber nicht jeder eine Blitzanlage zu Hause stehen, die für konstantes und tageslichtähnliches Licht sorgen könnte. Der kleine Aufsteckblitz dagegen ist zwar weit verbreitet, aber für unsere Zwecke ungeeignet, da er keine konstante Lichtleistung ermöglicht.
Leuchtstoffröhren weisen ein sehr komischen Farbspektrum auf, ich würde für den Test keine Tageslichtröhren empfehlen.
Glühlampen mit tageslichtähnlicher Charakteristik dagegen sollten sich verwenden lassen.

Ich habe meine Testreihen allerdings zu Anfang (als armer Student ohne Blitzanlage) immer mit normalen Glühlampen gemacht. Wichtiger war mir eine konstante und reproduzierbare Ausleuchtung des Testmotivs, um den Kontrast richtig steuern zu können.

Wenn dann der Kontrast "steht", kann man ja mit einigen wenigen Aufnahmen die effektive Empfindlichkeit bei unterschiedlichen Lichtquellen / Farbtemperaturen eintesten. Man muss ja nur noch beobachten, bei welcher Einstellung Zone I jeweils erkennbar ist.
Das Kontrastverhalten des Films wird dadurch erfreulicherweise nicht beeinflusst.

Stellen Sie die Kamera auf dem Stativ vor Ihr Motiv. Der Abstand sollte so gewählt sein, dass die Graukarte (zum präzisen Messen der nötigen Belichtung) den Sucher möglichst genau füllt. (Diese Einstellung ist zum Messen nötig, falls Sie keinen Spotmesser in Ihrer Kamera haben.)

Es ist wichtig, dass Sie in der gewählten Entfernung trotzdem noch scharfstellen können. Denn später bei der Auswertung spielen die Strukturen im Stoff eine Rolle. Diese sollten deshalb richtig fokussiert werden.

Eine Veränderung der Scharfeinstellung zwischen Messung und Aufnahme sollte tunlichst unterblieben, da der unterschiedliche Verlängerungsfaktor uns sonst einen Strich durch die Rechnung macht.

Wenn Sie nicht nah genug fokussieren können, damit die Graukarte den Sucher füllt, so sollten Sie eine zweite Graukarte zur Vergrößerung des gemessen Bereiches verwenden.
Oder Sie nehmen die Kamera vom Stativ und Messen die Graukarte ohne die Entfernungseinstellung anzupassen. Denn die Belichtungsmessung funktioniert ja auch bei unscharfen Motiven. Allerdings sollten Sie dann doppelt achtgegen, dass Sie beim Messen keinen Schatten auf das Testmotiv werfen.

Sie sollten für den Test besser keine Zoomobjektive benutzen. Diese haben oft eine variable Lichtstärke, d.h. daß auch die einzelnen Blendenstufen in den unterschiedlichen Brennweiten nicht stimmen. Wenn überhaupt, sollten Sie ein solches Objektiv in seiner kürzesten Brennweiteneinstellung (entspricht normalerweise der größten Öffnungsmöglichkeit) verwenden, dann könnten die Angaben stimmen.

Für die Aufnahmen sollten Sie die Kamera nach dem Messen so verschieben, daß Sie (bei gleicher Entfernungseinstellung)sowohl einen Teil der Graukarte als auch des strukturierten Objektes sehen können.
Sonst sollte, bis auf den schwarzen Molton natürlich, nichts im Bild sein.

Der Ausschnitt aus dem Testmotiv

Illustration

Es sollte auf keinen Fall eine Lichtquelle aufs Objektiv scheinen können (Streulichtblende benutzen). Das Streulicht könnte den Kontratsumfang drastisch verfälschen.

Wenn Sie die Belichtung durch das Objektiv Ihrer Kamera messen, müssen Sie bei dem Test keinen Verlängerungsfaktor berücksichtigen.
Anders sieht es jedoch aus, wenn Sie mit einem externen Belichtungsm. arbeiten.
Bei dem Test fotografieren Sie evtl. im Nahbereich, und deshalb müssen Sie den Verlängerungsfaktor bei Ihren Messungen natürlich einkalkulieren.

Fokussieren Sie sorgsam, sonst können Sie hinterher womöglich keine Struktur erkennen. (Autofokus abstellen, damit die Kamera nicht aus "Versehen" etwas anderes einstellen kann.)
Illustartion Die Filmebene (Rückwand der Kamera) muss parallel zur Ebene Ihres Objektes (also normalerweise senkrecht) sein, damit die Schaerfe durch Ihr Motiv läuft.
Die Lampen sollten Sie hinter der Kamera platzieren, so dass sie in einem Winkel von etwa 45° auf das Testobjekt scheinen. Achten Sie dabei auf Schatten durch die Kamera oder Ihren Körper.
Nun müssen Sie die Belichtung messen und den Test protokollieren. Lesen Sie dazu die nächste Seite.

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