Das Zonensystem

Wie weiter?

Kurzfassung:

1) Schatten über die Filmempfindlichkeit steuern.
2) Mitteltöne über die Entwicklungszeit anpassen.
3) Lichter über die Entwicklerkonzentration variieren.

Ausführlich:

Wie kann man die Ergebnisse beeinflussen?

Wir müssen uns klarmachen, was von den Erwartungen abweichende Ergebnisse bedeuten.
Zuerst kümmern wir uns um die Filmempfindlichkeit. Wenn die Zonen I + II zu dunkel sind, ist die Filmempfindlichkeit zu hoch angesetzt (für Ihre Kombination von Film, Belichtungsmesser und Negativ-/Positivprozess). Sind sie zu hell, ist die Empfindlichkeit zu niedrig angesetzt. Das kommt allerdings nur selten vor.

Wenn die Schattenzeichnung (also Zone I und Zone II) stimmt, müssen wir uns dem Gesamtkontrast zuwenden. Dazu betrachten wir die Wiedergabe der Zone-V-Belichtung.
Sollte die Zone V zu hell sein, ist der "Abstand" zur Zone I zu groß, die Kurve also zu steil. Der Film ist zu kontrastreich. Ist die Wiedergabe zu dunkel, ist dann natürlich der Kontrast zu gering. Um nun den Kontrast zu steuern, verändern wir die Entwicklungszeit des Films (in welchem Maße, folgt weiter unten).
Diese Veränderung der Entwicklungszeit wirkt sich ja überwiegend nur auf die mittleren und höheren Zonen aus, die Schattenzeichnung bleibt also weitgehend unbeeinflusst.

Wenn der Gesamtkontrast stimmt, betrachten wir als Letztes die Wiedergabe der Lichter.
Diese wird repräsentiert durch die Zone-VIII und Zone-IX-Belichtungen. Wenn Zone VIII ohne Zeichnung und/oder Zone IX reinweiß ist, stimmt der Lichterkontrast nicht, der Film ist in den Lichtern zu hart. Wir könnten ihn zwar über eine Veränderung der Entwicklungszeit steuern, aber leider würde das auch den Gesamtkontrast verändern. Auch eine geänderte Filmempfindlichkeit würde die anderen Zonen in Mitleidenschaft ziehen.

Um nun nur den Lichterkontrast zu ändern, können wir uns aber glücklicherweise die Tatsache zunutze machen, dass die Lichter stärker auf eine geänderte Entwicklerverdünnung (bei geänderter Entwicklungszeit) reagieren.

Wir können also den Lichterkontrast mehr oder weniger unabhängig vom Rest des Films durch geänderte Entwicklerkonzentration steuern (wie wird weiter unten beschrieben). Bitte führen Sie die Änderungen zu Anfang einzeln und in der angegebenen Reihenfolge aus. Wenn Sie dann den ersten Film erfolgreich auf Ihre Bedürfnisse abgestimmt haben, können Sie versuchen, durch "Hochrechnen" einige Schritte abzukürzen.

1.Die tatsächliche Filmempfindlichkeit

Betrachten wir als Erstes die Filmempfindlichkeit näher. Wenn die Wiedergabe der Zonen I zu dunkel ist (Zone I also schwarz ist), sind Sie von einer zu hohen Filmempfindlichkeit ausgegangen. Die Art der Entwicklung hat in diesem Bereich fast keine Auswirkungen auf das Bildergebnis. (Warum? Lesen sie noch einmal die Seite "Filmentwicklung" aus diesem Kapitel. Beachten sie vor allem das animierte Diagramm.)

Die Wiedergabe der Helligkeiten der unteren Zonen wird in erster Linie von der tatsächlichen Belichtung beeinflusst. Leider können wir deshalb das Verhältnis zwischen Zone I (fast schwarz) und Zone II (erwartete Zeichnung) nicht ändern. Sollte bei Ihrem Film der (glücklicherweise seltene, aber doch mögliche) Fall eintreten, dass Zone I zwar nicht schwarz ist, Zone II aber trotzdem keine Zeichnung hat, können Sie dagegen nicht viel unternehmen.
Es ist genauso ein Merkmal der Filmemulsion (in Zusammenhang mit Ihrem Entwickler, ein anderer Entwickler wäre eine Möglichkeit, das Problem zu beheben) wie eine richtige Zone II in Kombination mit einer trotzdem schwarzen Zone I. Sollten nun bei Ihnen diese Zonen zu dunkel sein, betrachten sie Bild 4 und Bild 5. Sie entsprechen ja einer Zone-I-Belichtung für eine halbierte bzw. geviertelte Filmempfindlichkeit.
Um die tatsächliche Filmempfindlichkeit einschätzen zu können, können Sie auch die Zwischenbelichtungen 20 und 21 zu Rate ziehen. Sie entsprechen zwar keinen üblichen Empfindlichkeitsangaben (wir haben ja Abweichungen von halben Blenden vorgenommen, Filme werden jedoch in Drittelblenden angegeben), aber Sie müssten die Tendenz gut einschätzen können.
Die sechstel Blende, um die Sie damit neben den üblichen Angaben (und Einstellmöglichkeiten an den Kameras) der Filmempfindlichkeit liegen, werden Sie einem normalen Bild nur schwer ansehen können. Sollte nun "Ihre" Filmempfindlichkeit anders sein als zu Beginn dieses Tests angenommen, müssen Sie für die folgenden Überlegungen in die entsprechende Spalte der Tabelle wechseln.

Animation

2.Der Gesamtkontrast

Nachdem Sie die effektive Filmempfindlichkeit festgelegt haben, betrachten Sie das zu dieser Empfindlichkeit gehörige Bild für die Zone V. (Wenn also Ihre effektive Filmempfindlichkeit anstelle der angenommenen 100 ASA nur 25 ASA ist, müssen Sie die Zone V in Spalte A suchen, es ist dann Bild 9.)
Entspricht es der Graukarte? (Es geht ausschließlich um die Helligkeit, der Grauton kann in seiner Farbigkeit je nach Papier und Papierentwickler mehr zu Blau oder Braun tendieren.)

Wenn der Grauton zu dunkel ist, könnten Sie Ihn über eine geänderte Filmempfindlichkeit beeinflussen, aber die haben wir ja erst mühsam festgelegt. Wenn wir sie nun ändern, stimmen die Zonen I und II nicht mehr. Deshalb müssen Sie einen anderen Weg gehen. Verändern Sie die Entwicklungszeit.

Ist die Wiedergabe der Zone V zu dunkel, müssen Sie die Zeit verlängern, wenn sie zu hell ist, verkürzen. Die unterschiedlichen Filmtypen reagieren dabei unterschiedlich auf veränderte Entwicklungszeiten.
Als Anhaltspunkt sagt Ihnen die folgende Tabelle, um wie viel Sie ungefähr die Zeit verlängern oder verkürzen müssen, um eine Zone-V-Belichtung in der Wiedergabe um eine Zone zu "schieben" (damit sie wie Zone IV oder Zone VI wiedergegeben wird).

ASA Angabe des Herstellers

Veränderung der Entwicklungszeit ZoneV wird zu
32 - 50 + 15% bis 20% ZoneVI
32 - 50 - 15% bis 20% ZoneIV
100 + 20% bis 30% ZoneVI
100 - 20% bis 30% ZoneIV
400 + 30% bis 40% ZoneVI
400 -30% bis 40% ZoneIV

Ein Beispiel:
Sie verwenden einen 100-ASA Film und entwickeln 8 Min. Die Zone I hat einen Tonunterschied zu Schwarz, die Filmempfindlichkeit scheint also zu stimmen. Die Zone V wurde allerdings wie Zone IV wiedergegeben.

Um nun die Zone V auch als V wiederzugeben, müssen sie die Entwicklungszeit verlängern. Es handelt sich um einen 100-ASA Film, es sollte also eine Verlängerung der Zeit um etwa 20 — 30 % reichen. 25 % von 8 Minuten sind 2 Minuten, also müssen Sie die Entwicklungszeit auf 10 Minuten verlängern.

Belichten Sie einen weiteren Testfilm, entwickeln Sie Ihn mit der neuen Zeit und verfahren Sie dann wieder so wie im vorhergehenden Kapitel beschrieben, um die Testreihe zu vergrößern.
Jetzt sollte der Gesamtkontrast stimmen. Evtl. reichte aber die Änderung nicht (Zone V noch zu dunkel), oder sie war zu stark (Zone V zu hell), dann dürfen Sie das alles noch einmal machen.
Womöglich hat sich auch die Filmempfindlichkeit etwas (normalerweise maximal 1/3 Zone) erhöht, dann müssen Sie zum Ablesen der Zonen zu den Zwischenbelichtungen 18 bis 31 wechseln Wenn der Gesamtkontrast stimmt, müssen wir uns um die Lichter kümmern.

Die Steuerung der Lichterwiedergabe

Die Darstellung der Lichter können Sie in den Zonen VIII und IX beobachten. Wenn die Zone IX noch etwas Zeichnung hat, ist die Lichterwiedergabe recht weich; das ist aber eigentlich ganz angenehm, da es sich leichter korrigieren lässt, nur ist es leider auch eine Ausnahme.
Eher schon wird die Lichterwiedergabe zu hell sein, der Lichtkontrast also zu groß.

Wenn Sie nun zur Korrektur die Filmempfindlichkeit veränderten, um die Zonen VIII und IX zu steuern, würden auch die unteren und mittleren Zonen beeinflusst, die Sie ja gerade erst zurechtgebogen haben.
Und eine Veränderung der Entwicklungszeit würde sich unerwünschterweise auf den Gesamtkontrast auswirken.

Um jetzt trotzdem die Lichter steuern zu können, machen wir uns den Umstand zunutze, dass ihre Wiedergabe viel stärker als die der anderen Zonen auf eine Veränderung der Entwicklerkonzentration reagiert.
Wenn wir also die Konzentration verändern und die Zeit anpassen, können wir in etwa die Zonen I bis V halten. Erst in den Zonen VI und darüber verändert sich etwas, wobei die Veränderung in höheren Zonen am stärksten ist.

Doch wie soll die Konzentration geändert und die Zeit angepasst werden? Benutzen Sie als Startwerte für Ihre eigenen Experimente dazu die folgenden drei Tabellen für unterschiedliche Filmtypen.
Diese Tabellen sind abgestimmt auf die Verwendung von Entwicklern wie D76, ID11 o.ä.; aber auch mit HC110 oder Ultrafin waren die Ergebnisse annähernd so wie beschrieben.

Filme unter 100 ASA
Konzent.
des
Entw.
Zeitver-
änderung
Wiedergabe
der ZoneV
Wiedergabe
der Zone IX
Zeit
(Bei-
spiel)
— keine V IX 6
1:1 +20% V VIII 1/2 7,2
1:2 +40% V VIII 8,4
1:3 +60% V VII 1/2 9,6
1:4 +80% V VII 10,8

 

Filme mit etwa 100 — 200 ASA
Konzent.
des
Entw.
Zeitver-
änderung
Wiedergabe
der ZoneV
Wiedergabe
der Zone IX
Zeit
(Bei-
spiel)
— keine V IX 6
1:1 +25% V VIII 1/2 7,5
1:2 +50% V VIII 9
1:3 +75% V VII 1/2 10,5
1:4 +100% V VII 12

 

Filme mit 400 ASA oder mehr
Konzent.
des
Entw.
Zeitver-
änderung
Wiedergabe
der ZoneV
Wiedergabe
der Zone IX
Zeit
(Bei-
spiel)
— keine V IX 6
1:1 +30% V VIII 1/2 8,2
1:2 +60% V VIII 10,4
1:3 +90% V VII 1/2 12,6
1:4 +120% V VII 14,8

(Die Angaben zur Verdünnung und ihrer Auswirkung beziehen sich auf die nach Vorschrift des Herstellers angesetzte Arbeitslösung. Wenn diese also noch einmal 1:1 mit Wasser verdünnt würde, müssten Sie die Zeit um etwa 25 % verlängern. Nehmen Sie diese Tabellen bitte nicht zu wörtlich, unterschiedliche Filme reagieren auch unterschiedlich, aber die Tendenz lässt sich daraus recht gut ablesen.)

Irgendwann kommen Sie bei diesen Verdünnungen evtl. in Bereiche, bei denen die verfügbare Menge der Entwicklersubstanz in Ihrer Dose gar nicht ausreicht, um den Film zu vollständig zu entwickeln. Die Lichter bleiben also früher in ihrer Entwicklung stehen, als zu erwarten wäre. Das ist mir allerdings (glücklicherweise) noch nicht passiert.
In so einem Fall sind Sie an den Grenzen des Materials angelangt, es lässt sich keine Veränderung mehr erzielen mit dieser Film-/Entwicklerkombination. Evtl. reagiert der Film aber mit einem anderen Entwickler gutmütiger. Probieren Sie es aus, Sie kennen ja jetzt die Systematik für das Austesten.

Es ist eigentlich ganz einfach

Sie müssen also Ihren Testfilm in einer bestimmten Reihenfolge analysieren und wenn der Film nicht den Erwartungen entspricht, die zu treffenden Änderungen durchführen.

Zuerst kontrollieren Sie die Wiedergabe der Schatten und steuern diese über die von Ihnen für diesen Film festgesetzte Empfindlichkeit.
Dann wird der Gesamtkontrast betrachtet. Dafür wird die Wiedergabe der Zone V mit einer Graukarte verglichen. Ist der Kontrast zu hoch (niedrig), die Wiedergabe also zu hell (dunkel), wird die Entwicklungszeit reduziert (verlängert).

Zum Abschluss müssen Sie die Lichter begutachten. Sind diese zu hell, ist der Lichterkontrast zu stark. Um ihn zu beeinflussen, ohne die Mittel- und Schattenzonen zu beeinträchtigen, verändern Sie die Konzentration des Entwicklers und passen die Entwicklungszeit an.
Wenn Sie Ihren ersten Film getestet und richtig eingestellt haben, können Sie anfangen, mit den Zonen zu spielen.

N+ / N-

Wenn Sie Ihre Standard-Filmentwicklung "stehen" haben, können Sie weitermachen. Bestimmte Aufnahmesituationen verlangen evtl. einen anderen Filmkontrast.

Vielleicht soll der Film härter oder weicher werden, oder sie wollen die Wiedergabe der Helligkeit der einzelne Zone insgesamt schieben.
Bisher haben Sie als Ergebnis Ihrer ersten Testreihe einen Normalfilm (N) mit einer Normalentwicklung (N). Wenn Sie nun die Filmempfindlichkeit heraufsetzen, machen Sie eine N–1-Belichtung (Zone V würde als Zone IV wiedergegeben).

Wenn Sie hingegen die Zone V durch eine verlängerte Entwicklung (bei der durch die ersten Tests festgelegten Filmempfindlichkeit) zur Zone VI machen (vergleichen Sie zur Überprüfung die "neue" Zone V mit der alten Zone VI), haben Sie eine N+1-Entwicklung vorgenommen.
Wenn Sie das miteinander kombinieren, haben Sie Zone V zwar etwa wieder an der alten Stelle, aber sowohl die Schatten als auch die Lichter rutschen nach "außen" und werden teilweise zu dunkel bzw. zu hell im Vergleich zum N/N-Film. Der Negative sind jetzt kontrastreicher.

Umgekehrt ist es auch möglich eine N+1-Belichtung mit einer N–1-Entwicklung zu kombinieren, die Lichter und Schatten rutschen nach innen zur Zone V. Die Negative sind dann weicher. Die Anzahl der zwischen den beiden Extremen Schwarz und Weiß abgebildeten Zonen ist dann jeweils unterschiedlich. Bei einer N–1-Belichtung kombiniert mit N+1- Entwicklung ist die Anzahl geringer. In unserem Diagramm wäre die Kurve deutlich steiler. Umgekehrt wäre es bei einer N+1-Belichtung in Kombination mit einer N–1-Entwicklung.
Folgende Tabelle kann das vielleicht noch etwas deutlicher machen:

Belichtungs-
veränderung
Entsprechende
Filmempfind-
lichkeit
Entwicklungs-
veränderung
(zwischen Schwarz und Weiß)
resultierende
Zonen
erwartete
Zonen
N+2 25 N-2 11 13
N+1 50 N-1 10 11
N 100 N 9 9
N-1 200 N+1 7-8 7
N 400 N+2 5-6 5

(Durch die unterschiedliche Auswirkung der geänderten Belichtung auf die mittleren und die hohen Zonen ist die resultierende Zonenanzahl meist nicht so, wie es die Theorie erwarten lassen würde, aber die Tendenz sollte auch hier klar werden.)
So, wie unten abgebildet, wären die Änderungen im Idealfall verteilt. Leider aber ist die Praxis, wie gerade eben erwähnt, nicht so ideal.

Zonenraster zwischen Weiß und Schwarz

Trotzdem bietet das Zonensystem genug Möglichkeiten, mit den Kurven zu spielen. Sie können, im Rahmen der Möglichkeiten des Materials, den Film an Ihre Bedürfnisse anpassen und müssen sich nicht mit dem zufrieden geben, was in irgendwelchen Entwicklungslabors der Fotoindustrie zu angeblich guten Resultaten führt.

Außerdem können Sie, wenn Sie sich etwas mit dem Gedankengebäude des Zonensystems beschäftigt haben, viele Vorteile für Ihre fotografische Praxis daraus ziehen. Dazu mehr auf der nächsten Seite.

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