Das Zonensystem

Die Belichtung

Kurzfassung:

Der Kontrastumfang eines Motivs ist häufig deutlich größer als die Möglichkeiten des Fotopapiers, diese Kontraste wiederzugeben. Deshalb ist es wichtig, die "richtige" Belichtung und den richtigen Negativ-/Positivprozess für das Motiv und den Film zu finden.
Da man in der Kleinbildfotografie meist nicht die Möglichkeit hat, einzelne Negative zu entwickeln, gilt es, einen guten Kompromiss für verschiedene Aufnahmesituationen zu finden. Dabei helfen normierte Testreihen.

Ausführlich:

Die Wiedergabe


Eine "richtige" Belichtung bedeutet landläufig, dass die unterschiedlichen Helligkeiten im Motiv ihrer Helligkeit entsprechend richtig wiedergegeben werden. Wenn wir uns zum Beispiel die Graukarte ansehen, so sollte sie im Positiv in etwa der gleichen Helligkeit erscheinen. Dunklere Motivteile werden dann dunkler, hellere Motivteile heller. Leider ist es so, dass der Kontrastumfang vieler Motive weit über die Fähigkeit des Films und des Fotopapiers, Kontraste wiederzugeben, hinausgeht. Ein normales Motiv (eine Landschaft zum Beispiel) hat einen Kontrastumfang von bis zu 1:10.000 oder mehr. Zwischen den hellsten Bereichen im Bild (weißen Wolken zum Beispiel) und den dunkelsten Bereichen (dem schwarzen Kohlehaufen im Bild) liegt dann ein Unterschied von 13 oder mehr Blendenschritten.

Die 13 Blendenschritte ergeben sich wie folgt:
Der Belichtungsmesser zeigt 1/8-f2.8 (wenn man das dunkelste Motivdetail anmißt); eine Messung auf das hellste zeigt 1/1000-f22.

Da sich durch jede Veränderung der Blende(Zeit) die Lichtmenge, die auf den Film treffen würde, verdoppelt, kann man folgenden Schluß ziehen:
Ein Objekt, das um eine Blende (oder eine Zeitstufe) heller ist, ist doppelt so hell wie das Vergleichsobjekt. Ist es um zwei Blenden heller ist es doppelt-doppelt (also viermal) so hell.
Daraus ergibt sich dann folgende Tabelle:
gemessene
Belichtung:
Die dieser Belichtung
entsprechende
Helligkeit:
Zeit Blende
1/8 2.8 1-fach
1/15 2.8 2-fach
1/30 2.8 4-fach
1/60 2.8 8-fach
1/125 2.8 16-fach
1/250 2.8 32-fach
1/500 2.8 64-fach
1/1000 2.8 128-fach
1/1000 4 256
1/1000 5.6 512
1/1000 8 1025
1/1000 11 2048
1/1000 16 4096
1/1000 22 8192

Hier kann man also ganz gut sehen, dass ein Kontrastunterschied von 13 Blendenschritten in etwa einem Kontrast von 1:10.000 entspricht.

Eine Messung auf die weißen Wolken führt also evtl. zu einer Angabe von 1/1000 und Blende 22, eine Messung auf den Kohlehaufen im Schatten aber zu einer Angabe von 1/8 und Blende 2. Der Film kann aber, im Gegensatz zu unseren Augen, nur einen Ausschnitt aus diesem Kontrast wiedergegeben.

Und das Fotopapier wiederum kann diesen Kontrast im Film (Negativkontrast) auch nur eingeschränkt wiedergeben.
Objekte, die außerhalb dieses Bereiches liegen, werden entweder weiß oder schwarz. Auch wenn man in der Betrachtung des Motivs mit bloßem Auge Unterschiede in den hellen (dunklen) Bereichen erkennen konnte, werden diese in der Wiedergabe unterschiedslos weiß (schwarz).

Die hellsten Stellen können ja nur so hell werden wie das Weiß des Papiers, die dunkelsten Stellen sind in ihrer Schwärzung von den Fähigkeiten der jeweiligen Emulsion abhängig.

Aus diesem Grund ist es auch gar nicht wünschenswert, dass im Bild der gesamte Kontrast des Motivs wiedergegeben wird, da das Ergebnis recht flau aussehen müsste.
Der hohe Motivkontrast würde ja übersetzt in den geringen Papierkontrast zwischen Papierweiß und -schwarz. Dazu müssten die unterschiedlichen (Kontrast-)Zonen "zusammengeschoben" werden.

Mit dem Zonensystem kann man nun überprüfen, wie ein bestimmter Film (mit der entsprechenden Dunkelkammertechnik) die unterschiedlichen Helligkeiten (Zonen) des Motivs und den Kontrast zwischen ihnen wiedergibt.

Testing..


Dazu ist es notwendig, unter wiederholbaren Bedingungen Testaufnahmen zu machen.
Um nun nicht ein Motiv suchen oder aufbauen zu müssen, das den Film mit einem hohen Kontrastumfang "fordert", nutzen wir die Tatsache, dass es für den Film egal ist, ob wir eine helles Motiv richtig oder ein dunkles Motiv überbelichten (oder ein noch helleres unterbelichten). Je nach dem Ausmaß der Manipulationen erreicht den Film die gleiche Lichtmenge.
Wir können also einen bestimmten Kontrastumfang simulieren, indem wir einfach die Graukarte belichten. Die Auswirkungen der unterschiedlichen Helligkeiten erhalten wir, indem wir auch Aufnahmen machen, bei denen die Graukarte über- oder unterbelichtet wird.
Diese (künstlich erzeugten) Zonen (und der Kontrast zwischen ihnen) werden nun abhängig von der Ausarbeitung im Labor unterschiedlich wiedergegeben. Der Laborarbeit kommt also besondere Bedeutung zu.
Auf der nächsten Seite werden wir sehen, welchen Einfluss die Filmentwicklung hat und wie es zu diesen Einflüssen kommt.

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