Das Zonensystem

Auswertung

Kurzfassung:

Erst feststellen, bei welcher Vergrößerungseinstellung der "nackte" Film noch gerade Schwarz ergibt, dann alle Negative mit dieser Einstellung vergrößern. Anschließend die Testreihe auslegen und untersuchen ob
• Zone I heller ist als Schwarz
• Zone II Zeichnung hat
• Zone V neutralgrau ist
• Zone VIII Zeichnung hat
• Zone IX dunkler ist als Papierweiß.
Damit die effektive Empfindlichkeit des Films festlegen. Probleme definieren, Lösungen überlegen.

Ausführlich:

Die Vorbereitung.


Nachdem Sie Ihren ersten Testfilm entwickelt haben, müssen Sie die Vergrößerungen zur Auswertung machen.
Dazu einige Vorüberlegungen:
Das ganze hat nur Sinn, wenn Sie den Test genauso vergrößern, wie Sie hinterher auch Ihre Bilder vergrößern. Alle Komponenten Ihrer Dunkelkammer können Einfluss auf das Ergebnis nehmen.

Auf den Kontrast der Positive haben, neben dem Kontrast der Negative, unterschiedliche Faktoren in der Dunkelkammer starken Einfluss.
Eine Duka mit Kondensorvergrößerer arbeitet kontrastreicher als eine mit Diffusorvergrößerer. Und wenn der Streulichtanteil des Vergrößerers durch eine daneben befindliche weiße Wand auf das Fotopapier kommt, werden die Positive ebenso flauer wie bei falscher Dukabeleuchtung oder -abdichtung.
Die unterschiedlichen Materialien (Papier und Chemie) beeinflussen den Kontrast ebenso.
Nicht vergessen darf man auch überalterte und ausgelaugte Entwickler sowie zu lange Verweildauer des Papiers im Fixierer.
Der wichtigste Faktor sind allerdings die unterschiedlichen Vergrößerertypen, da diese sich auch bei identischen Negativen und ansonsten gleichem Positivprozeß bemerkbar machen:

Kondensorvergrößerer arbeiten hart,

Diffusorvergrößerer arbeiten weich.

Sie sollten also möglichst auf das gleiche Papier vergrößern, den gleichen Vergrößerer nutzen, die gleiche Chemie etc.

Vor allem sollten alle Schritte wie Entwickeln, Stoppen, Fixieren, Wässern und Trocknen so sein, wie sie später bei Ihren Vergrößerungen auch sind. (Okay, das Trocknen dürfen Sie mit einem Fön verkürzen, aber bitte gründlich trocknen, das Bild verändert sich nämlich dabei.) Sie können natürlich den Test auch unter anderen Bedingungen machen, wenn Sie zum Beispiel noch keine eigene Duka haben.

Aber: Eine neue oder geänderte Duka ist zwar kein Grund für eine neue Testauswertung, doch Sie sollten sie wiederholen, wenn bei geänderten Bedingungen Ihre Ergebnisse (Bilder) nicht mehr so gut sind. Wenn Sie beim Fotografieren der Testreihe alles ordentlich notiert haben, können Sie die Testnegative problemlos später erneut auswerten.

Die Papierwahl

Sie sollten die Testreihe auf dem von Ihnen üblicherweise verwendeten Papier machen, da nur dann die Ergebnisse später stimmen können. Um die Kosten nicht in die Höhe zu treiben, habe ich immer Papier von 24 x 30 in 4 gleiche Teile zerschnitten und auf den kleinen Blättern die Tests gemacht.

Der erste Schritt

Bevor Sie sich an die Auswertung des Tests machen, müssen Sie feststellen, wie stark die Dichte des unbelichteten Films ist. Es soll ja keine Empfindlichkeit verschenkt werden. Wenn Sie von einer zu hohen Dichte ausgingen, würde genau das passieren. Sie müssen den Belichtungswert erwischen, der schon bei kleinsten Informationsmengen auf dem Film, also bei geringer Dichtezunahme, zu einer Veränderung (geringerer Schwärzung) im Positiv führt.

Andererseits wollen Sie verhindern, dass auf Ihren Vergrößerungen nichts richtig schwarz wird, weil die Dichte zu gering angenommen wurde.
Als erstes müssen sie also ein Stück Film, das kein Licht erhielt (z.B. Nr. 15 – 17) mit der kürzest möglichen Zeit belichten, die zu einer maximalen Schwärzung des Films führt.
Dazu müssen Sie wissen, wie schwarz das Fotopapier überhaupt werden kann. Öffnen Sie die Blende des Vergrößerungsobjektivs und lassen Sie für 1 Minute Licht an das Papier. Das sollte für eine völlige Schwärzung reichen. Nachdem Sie ein Blatt entnommen haben, sollten Sie die Papiervorratspackung immer schließen, es kann, gerade bei solchen "Vergrößerungen", (Streu-)Licht an das Fotopapier kommen.
Nun haben Sie einen Vergleichswert für das, was das Papier im Bereich der Schwärzung leisten kann. Wenn sie jetzt noch ein Blatt Fotopapier unbelichtet entwickeln, stoppen, fixieren, wässern und dann trocknen, sehen Sie auch, wie weiß das Papier höchstens sein kann. Dies sind die Eckwerte, zwischen denen Ihre Bilder entstehen (müssen).
Nun legen Sie den Film in den Vergrößerer. Nehmen Sie zuerst ein Bild mit guter Zeichnung, um den Ausschnitt zu bestimmen (es sollten sowohl eine Teil der Graukarte als auch ein Teil des strukturierten Objekts zu sehen sein) und zu fokussieren.
Es sollte etwa Folgendes zu sehen sein:

Testvergrößerung Ausschnitt
Zu
vergrößernder
Ausschnitt

Dann legen Sie, ohne eine Einstellung zu verändern, ein "leeres" Negativ (Nr. 15 – 17 z.B.) des Testfilms ein. Schließen sie die Blende auf einen mittleren Wert.

Auf den Vergrößerungsrahmen (ich empfehle einen mit Masken, dadurch haben Sie beim Auswerten automatisch am Rand der Testvergrößerung immer ein maximales Weiß auf dem Papier) legen Sie nun ein Blatt Fotopapier. Belichten Sie dieses Blatt nun 10 Sekunden.
Diese 10 Sekunden sind nötig, damit Sie auf eine praktikable Belichtungszeit kommen, in der sich evtl. Fehler der Zeitschaltuhren für die Steuerung des Vergrößerers nicht so stark bemerkbar machen. Auch Einstellfehler wirken sich dann proportional nicht übermäßig aus.
Decken Sie dann das Papier bis auf einen schmalen Streifen (ca. 2 cm) mit einer lichtundurchlässigen schwarzen Pappe ab. Belichten sie zwei Sekunden und vergrößern Sie nun den nicht abgedeckten Bereich um etwa 2 cm. Belichten Sie erneut zwei Sekunden. Vergrößern sie wieder den nicht abgedeckten Bereich und belichten Sie wieder mit 2 Sekunden. Fahren Sie fort, bis alle Bereiche des Fotopapiers mindestens einmal belichtet wurden. Nun entwickeln etc.

Die Zeit festlegen

Wenn Sie Glück hatten, sehen Sie nach dem Trocknen bei Betrachtung unter Tageslicht (mindestens so hell wie Ihre Bilder später auch angesehen werden) einen größeren Bereich des Bildes, der einheitlich schwarz ist. An einem bestimmten Punkt sehen Sie eine Kante zu einem etwas helleren Bereich. Nun zählen sie die "hellen" Bereiche.
Jeder Bereich bedeutet 2 Sekunden. Wenn Sie jetzt noch zwei Sekunden (plus die 10 Sekunden der ersten Gesamtbelichtung) addieren, haben Sie die Zeit, die nötig ist, um trotz eingelegten klaren Films Ihr Fotopapier vollständig zu schwärzen.

Wo ist schwarz?

10 (erste Gesamtbelichtung)
+2
+2
+2
+2
18 Sekunden.
Also wird das Papier bei 20 Sekunden geschwärzt.

Es ist wichtig, dass Sie an dieser Stelle sehr sorgfältig arbeiten:
Es wird die Grundlage der Testbelichtungen. Wenn Sie eine zu kurze Zeit nehmen, werden ihre Bilder nicht richtig schwarz; wenn die Zeit zu lange ist, würden evtl. auch Bereiche des Films, die schon etwas Zeichnung haben, schwarz werden.
Sie würden also durch schwache Belichtung erzeugte Informationen verschenken, was nichts anderes heißt, als dass Sie in Zukunft von einer zu niedrigen Filmempfindlichkeit ausgingen. Um ganz sicher zu gehen, habe ich immer versucht, eine Belichtungsreihe anzulegen, bei der mehrere Felder schwarz waren. Wenn also der Übergang von Tiefdunkelgrau zu Schwarz am Rand des Blattes lag, habe ich ein Neues belichtet, wobei ich durch eine weitere Vorbelichtung des gesamten Blattes um 2 oder 4 oder 6 … Sekunden dafür Sorge trug, das jetzt der Übergang in der Mitte der Belichtungsschritte stattfand.

Trotzdem kann es noch zu Problemen kommen, da ein Aufaddieren von 10 Belichtungen à 2 Sekunden nicht in jedem Fall zum gleichen Ergebnis führt wie eine Belichtung mit 20 Sekunden.

Um solche Probleme auszuschließen, sollten Sie noch einen weiteren Test mit einer deutlich längeren Startzeit beginnen. In diesem Fall hier würden sich 16 Sekunden als neue "Grundbelichtung" anbieten.

Wenn Sie einmal die richtige Zeit haben, müssen Sie nur noch die Negative von 1 bis 14 mit dieser Zeit (und sonst unveränderten Einstellungen) vergrößern. Damit Sie die Bilder hinterher den Negativen zuordnen können, sollten Sie mit weichem Bleistift auf der Rückseite die Negativnummer vermerken.

Ab jetzt geht's trocken im Hellen weiter

Nachdem Sie Ihre Testreihe vergrößert haben, und die Bilder alle trocken sind, legen Sie sie nebeneinander auf einem großen Tisch mit guter Beleuchtung aus.

Am besten kleben Sie die Bilder direkt in der richtigen (Negativ-) Reihenfolge an den Rückseiten mit Klebeband (T***film) so zusammen, dass Sie ein Leporello falten können, dann liegen die Bilder auch in Zukunft immer richtig.

Als erstes betrachten Sie Bild 7. Die darauf abgebildete Graukarte und der strukturierte graue Stoff sollten in der gleichen Helligkeit erscheinen. Wenn das nicht so ist, haben Sie entweder einen falschen Stoff ausgewählt oder ungleichmäßig beleuchtet.
Leider müssten Sie dann die Testaufnahmen zur endgültigen Auswertung wiederholen.

Legen Sie nun die Graukarte neben Bild 7 und kontrollieren Sie, ob die Graukarte auf dem Bild in ihrer Helligkeit dem Original entspricht. (Evtl. hat sie einen anderen Grauton und erscheint bläulicher oder brauner, weil das Papier nicht neutral arbeitet. Das ist aber nicht weiter schlimm, es geht hier nur um die Helligkeit.)
Auch der strukturierte Stoff sollte dann in seiner Helligkeit so aussehen wie die Originalgraukarte.

Als Nächstes betrachten wir Zone I, das wäre Bild 3.
Die Graukarte (und der Stoff ) dürfen noch nicht richtig schwarz sein, sondern sollten sich von dem Hintergrund (dem Molton, der schwarz sein müsste) abheben. Es ist allerdings oft nur ein Hauch eines Tonunterschiedes sichtbar.

Nun betrachten Sie Bild 4. Dort ist der strukturierte Stoff so wiedergegeben, als wäre er ein Objekt mit einer Helligkeit der Zone II. Diese soll ja noch Struktur aufweisen; wenn Sie welche sehen, ist das also in Ordnung.

Das klappt leider nicht immer, manchmal hat die Zone I zwar einen Tonunterschied zu schwarz und trotzdem weist Zone II keine Struktur auf.
Das ist abhängig von der Film/Entwicklerkombination und läßt sich nicht gut beeinflussen.

Der Stoff hat auf Bild 10 eine Helligkeit, die der Zone VIII entspricht. Das heißt, er sollte noch Zeichnung haben, also müsste die Struktur erkennbar sein.

In Bild 11 sollte die Graukarte in ihrer Helligkeit der Zone IX entsprechen, also noch nicht reinweiß sein. Das können Sie ganz gut erkennen, wenn Sie einen Vergrößerungsrahmen mit Maskenbändern verwandt und den Ausschnitt so vergrößert haben wie in der Abbildung oben. (Sonst müssen sie das Bild, das sie ohne Belichtung entwickelt haben, als Referenz heranziehen.) Die Kante zwischen Graukarte und weißem Rand muss erkennbar sein (jedoch ist sie meist nicht so ausgeprägt wie in der Abbildung unten).

Vergleich Graukarte zu Weiß

Wenn nun alles so war wie erwartet, Glückwunsch! Sie sollten eigentlich mit recht wenig Aufwand gute Vergrößerungen von Ihren Negativen machen können.
Das ist aber die Ausnahme. Meist stimmen einige der Zonen nicht. Und dann?
Nun, wie Sie in einem solchen Fall verfahren können, steht auf der nächsten Seite.

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