Das Zonensystem

Der erste Test

Kurzfassung:

11 (oder mehr) Aufnahmen des genau ausgemessenen Testobjekts anfertigen. Aufnahmen genau protokollieren.

Ausführlich:

Was ist wichtig beim Test?

Der gesamte Test sollte exakt protokolliert werden, damit die Ergebnis nachvollziehbar sind. Dazu gehören alle bei der Aufnahme und Weiterverarbeitung relevanten Angaben wie z.B.:
• Filmtyp
• Belichtungsmesser und Einstellung
• Messergebnis
• Kamera
• Objektiv
• gemachte Belichtungen
sowie die Weiterverarbeitung:
• Entwickler
• Konzentration des Entwicklers
• Bewegungsrhythmus
• Entwicklungszeit
(Weiter hinten in diesem Themenbereich folgt ein Link auf eine Seite mit einem Formular, das Sie ausdrucken können. In ihm sind bereits Felder für die hier aufgeführten Punkte vorgesehen.)

Belichtung messen.

Zum Messen der Belichtung sollten Sie den in Ihrer Kamera eingebauten Belichtungsmesser nehmen. Sie werden ihn voraussichtlich am häufigsten einsetzen. Wenn Ihre Kamera die Möglichkeit zur Spotmessung hat, sollten Sie vom Stativ herunter die Graukarte anmessen.

Sollte Ihre Kamera keine Spotmessung haben, müssen Sie die Kamera bei gleichem Abstand so einrichten, dass die Graukarte das Sucherbild ganz füllt. Evtl. nehmen Sie zum Messen die zweite Graukarte aus der Packung, um die Fläche zu vergrößern.

Den gemessenen Wert (achten Sie beim Messen darauf, keinen Schatten auf das Motiv zu werfen) müssen Sie nun notieren. Wenn Sie mit diesem Wert belichten, würden Sie eine Belichtung nach Zone V erhalten.

Um die Belichtungen für die anderen Zonen zu erhalten, müssen Sie die dafür nötigen Werte errechnen.
Wenn Ihre Ausgangsmessung zum Beispiel1/60 — f5.6 war, können Sie eine Belichtung als Zone III simulieren, indem Sie bei gleicher Zeit die Blende um zwei Werte (also auf 11) schließen. Die Graukarte würde mit diesem Wert so fotografiert, als wäre sie nur so hell wie Zone III. Zone IX simulieren Sie, indem Sie die Blende um 4 Werte öffnen, also f5.6 anstelle f1.4 nehmen.

Falls eine Veränderung der Blende an Ihrem Objektiv nicht möglich ist, können Sie natürlich alternativ die Zeit verändern. Wenn Ihr Objektiv also Blende 1.4 nicht schafft, öffnen Sie nur auf 2 und verlängern Sie dann noch die Zeit auf 1/30, um Zone IX zu simulieren.

Sie sollten die größtmögliche Blendenöffnung, die Ihr Objektiv anbietet, meiden, da diese von den Herstellern der Objektive gelegentlich etwas geschönt werden, und dann die Ergebnisse des Tests "daneben liegen" könnten.

Wenn Sie nun auf diese Art 10 zusätzliche Werte errechnen, haben Sie den Belichtungsplan für die 11 unterschiedlichen Zonen von 0 bis X.
Nun brauchen wir noch einen Wert, der im Positiv ein echtes Schwarz hervorruft. Das wäre ein klares Negativ. Also machen Sie noch eine Leerbelichtung mit Deckel vor dem Objektiv. (Eine Belichtung auf Zone 0 würde nicht in jedem Fall reichen, denn es kann ja immer noch Licht auf den Film kommen, so dass in einem ungünstigen Fall (der allerdings wohl eher selten ist) kein reines Schwarz erzeugt wird.
Mit diesen nun 12 Belichtungen wäre der erste Test durchzuführen.

Arbeitserleichternde Zusatzarbeit.

Aber Sie können noch mehr tun und sich damit die Arbeit erleichtern. Auf Ihrem Testfilm haben Sie ja nicht nur Platz für 12 Belichtungen. Sie können noch mehr Testreihen darauf unterbringen.
Warum sollten Sie das tun?
Nun:
Die Filmempfindlichkeit, die Ihrer Messung zugrunde liegt, ist die vom Hersteller angegebene. Im Laufe des Tests kann aber der (häufige) Fall eintreten, dass Ihre angenommene Filmempfindlichkeit nicht stimmt, sondern Sie eine andere verwenden müssen. Die Ursachen dafür liegen sowohl in "falschen" Herstellerangaben als auch in nicht hundertprozentig "richtig" justierten Belichtungsmessern.

Wenn man sich die Datenblätter der Filmhersteller ansieht (erhältlich beim guten Fachhändler oder direkt bei den Firmen), dann stößt man auf einige Ungereimtheiten.
Die Filmempfindlichkeit wird für bestimmte Filmentwicklungen angeben. Diese Entwicklungen führen aber zu einem Negativkontrast, der für einen Diffusorvergrößerer geeignet, aber für einen Kondensorvergrößerer zu groß ist.
Die Hersteller geben nun auch für Kondensorvergrößerer Entwicklungshinweise. Wenn man genau hinsieht, bemerkt man bei diesen Hinweisen eine Fußnote, die darum bittet, bei Anwendung dieser Rezepte den Film um eine Blende reichlicher zu belichten.
Das heißt im Klartext, dass die Filme für die meisten Anwender (in den meisten Schwarzweißlabors stehen Kondensorvergrößerer) nur die halbe Filmempfindlichkeit haben.
Die Tatsache, dass dieser Hinweis so gut versteckt ist, ist wohl mit dafür verantwortlich, dass viele Selbstverarbeiter mit unterbelichteten und zu kontrastreichen Negativen zu kämpfen haben.

Sie müssten nun, falls die angenommene Empfindlichkeit nicht stimmt, die ganze Testreihe noch einmal aufbauen und alles neu fotografieren (mit geänderten Werten).

Wenn wir uns aber einmal die Zusammenhänge zwischen den Belichtungen ansehen, können wir einen interessanten, einige Zusatzarbeit einsparenden Zusammenhang feststellen. Wenn Ihr Ursprungswert für z.B. einen 100-ASA-Film 1/60 — f5.6 war und Sie beim Auswerten des Tests feststellen, dass diese Annahme zu niedrig und 200 ASA realistischer wären, wäre bei gleichem Aufbau der dann für Zone V gemessene Wert 1/60 — f8. Das entspräche genau dem Wert für eine Zone-IV-Belichtung bei 100 ASA
Die Werte für unterschiedliche Filmempfindlichkeiten sind also einfach nur versetzt. Sehen wir uns das einmal in der folgenden Tabelle an:

Zeit Blende 100ASA
Zone
200ASA
Zone
400ASA
Zone
800ASA
Zone
1/1000 0
1/500 0 I
1/250 0 I II
1/125 22 0 I II III
1/60 22 I II III IV
1/60 16 II III IV V
1/60 11 III IV V VI
1/60 8 IV V VI VII
1/60 5.6 V VI VII VIII
1/60 4 VI VII VIII IX
1/60 2.8 VII VIII IX X
1/60 2 VIII IX X
1/30 2 IX X
1/15 2 X
(gemessen für 100ASA: 1/60-f5.6)

Mit 14 Belichtungen könnten Sie also die Testreihe direkt für mehrere Filmempfindlichkeiten nutzbar machen. Wenn Sie noch eine Reihe von 15 weiteren Belichtungen machen und dabei die Blende jeweils um einen halben Wert öffnen, haben Sie auch einen Anhalt für evtl. zwischen vollen Werten liegende Filmempfindlichkeiten.

Leider lässt sich das mit Drittelstufen aufgrund der zu geringen Anzahl der möglichen Belichtungen auf dem Testfilm nicht mehr auf einem Film realisieren.

Sie sollten davon ausgehen, das in der Regel die tatsächlich nutzbare Empfindlichkeit niedriger liegt als vom Hersteller angegeben (ein Schelm, wer Böses dabei denkt). Deshalb ist es sinnvoll, die Eintragungen so zu legen, dass zwei der zusätzlichen Reihen in der Tabelle für niedrigere Empfindlichkeiten zur Verfügung stehen.

Die Tabelle oben wäre also optimal für einen 400-ASA-Film, weil Sie auch die Werte für 100, 200 und 800 ASA erhielten. Ich habe ein Formular vorbereitet, das Sie für Ihre Tests nutzen können.

Informationen zum Umgang mit diesem Formular und das Formular selber finden Sie auf den nächsten Seiten.

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