Das Zonensystem

Die Motivhelligkeiten

Kurzfassung:

Unterschiedliche Helligkeiten werden als Zonen (mit unterschiedlichen Werten) bezeichnet.
Die Angaben der Zonen erfolgen in römischen Ziffern. Ein niedriger Wert bedeutet ein dunkles Objekt. Ein hoher Wert bedeutet ein helles Objekt. Die Graukarte als normiertes Objekt erhält dabei den Wert Zone V. Wenn der Unterschied zwischen zwei Beleuchtungsstärken einer Blende entspricht, ist ihr Zonenwert um 1 unterschiedlich.

Ausführlich:

Vorbemerkung:
Ich werde im folgenden oft von 'eine Blende heller' oder dunkler reden. Damit ist folgendes gemeint:

  • Ein Objekt ist um eine Blende heller, wenn eine Belichtungsmessung auf dieses Objekt eine Differenz von einem ganzen (also drei Drittelstufen oder zwei halbe) Blenden- oder Zeitwert im Verhältnis zum Vergleichsobjekt (z.B. zur Graukarte) aufweist.
    Wenn also das Referenzobjekt eine Einstellung von 1/125 bei Blende 8 (1/125 — f8) benötigt, ist ein anderes Objekt im Verhältnis um eine Blende dunkler, wenn dieses 1/125 — f5.6 oder 1/60 — f8 verlangt.
    Um mich kurz zu fassen, gehe ich im folgenden davon aus, dass beim Messen die Zeiteinstellung (und natürlich die Einstellung der Filmempfindlichkeit) gleich bleibt und nur die Blende angepasst wird. Also heißt eine Blende dunkler, dass der Belichtungsmesser f5.6 anstelle von f8 oder f16 anstelle von f22 anzeigt (bei gleicher Zeiteinstellung, wie gesagt).
    Umgekehrt bedeutet zwei Blenden heller, dass die Anzeige von f11 beim Referenzobjekt zu f22 beim gemessenen Objekt wird. Ich hoffe, es ist klar …
  • Auf die (Film-)Empfindlichkeit werde ich nicht eingehen.
    Anders als in der digitalen Welt, wo man sie von Belichtung zu Belichtung anpassen kann, ist sie analog ein eher konstanter Faktor, der erst durch einen Filmwechsel geändert werden kann.
  • Der Ursprung und die Basis des Zonensystems ist die Schwarzweiß- Fotografie, deshalb setze ich voraus, dass das Ziel eine (möglichst tonwertneutrale) Schwarzweiß-Vergrößerung ist. Allerdings kann man die Erkenntnisse auch auf Farbe und/oder Dias und natürlich auch auf die digitale Fotografie übertragen.

Motivhelligkeit

Das Zonensystem ist unter anderem eine sprachliche und gedankliche Vereinfachung, um bestimmte Helligkeiten und ihr Verhältnis zueinander zu beschreiben.
Wenn wir ein Motiv fotografieren, so setzen sich die Helligkeiten der Objekte aus der Beleuchtungsstärke und dem jeweiligen Reflektionsvermögen zusammen.

Fürs Erste gehen wir der Einfachheit halber davon aus, dass die Beleuchtungsstärke im ganzen Bild gleichmäßig ist. Die Helligkeit der Objekte wird dann nur von dem Ausmaß ihrer Fähigkeit, Licht zu reflektieren, bestimmt. Helle Objekte reflektieren viel Licht, dunkle dagegen wenig (sie absorbieren das meiste Licht).

Der Belichtungsmesser reagiert auf das jeweils reflektierte Licht mit unterschiedlicher Anzeige.
Wenn wir nun das Bild mit einem Spotbelichtungsmesser abtasten (oder mit einem anderen Belichtungsmesser nah an die Objekte herangehen), können wir für jedes Objekt die individuelle Helligkeit (Reflektion) ermitteln. Mit dem Zonensystem ordnet man nun diesen unterschiedlichen Helligkeiten unterschiedliche Werte zu.
Diese Werte werden in römischen Ziffern angegeben.
Die Basis dieser Angaben ist die Graukarte.

Das Messergebnis der Graukarte (oder eines anderen Objektes, das dasselbe Reflektionsverhalten besitzt) erhält den Wert Zone V (Zone5).
Wenn nun ein Objekt im Bild um zwei Zonen dunkler ist, erhält es den Wert Zone III (Zone3). Ein Objekt, das einen Wert heller ist als die Graukarte, erhält den Wert Zone VI (Zone6).

Hellere Objekt bekommen also Werte über Zone V, Objekte, die dunkler sind, erhalten dagegen Werte darunter.
Wenn der Unterschied genau eine Blende ausmacht, bedeutet das gleichzeitig ein Sprung um genau eine Zone in die jeweilige Richtung


Ein Beispiel:
Messung auf Graukarte: 1/125-f8,
Andere gemessene Helligkeitswerte in anderen Bereichen des Motivs:

Zeit Blende Zone
1/500 22 X Hell
1/250 22 IX
1/125 22 VIII
1/125 16 VII
1/125 11 VI
1/125 8 V
1/125 5.6 IV
1/125 4 III
1/125 2.8 II
1/125 2 I
1/125 1.4 0 Dunkel

Durch diese Zuordnung der Helligkeiten und ihrer Messergebnisse zu Zonen kann man etwas einfacher unterschiedliche Objekthelligkeiten vergleichen.
Objekte, die zur Zone III gehören, sind um 2 Blenden dunkler als eine Graukarte; Objekte, die zur Zone IX gehören, sind hingegen um 4 Blenden heller (als die Graukarte und damit um 6 Blenden heller als Objekte der Zone II).
Wenn man sich ein wenig daran gewöhnt hat, ist es wesentlich einfacher, unterschiedliche Helligkeiten auf diese Art zu vergleichen. Wie sich diese Zonen als Helligkeiten auf dem Bild wiederfinden lassen, sehen Sie im Zonentendo.
Der "Zonentendo".

Das ist alles?

Nein! Bei weitem nicht, doch es ist die Basis.
Durch das Einteilen der Helligkeiten in Zonen haben wir nun die Möglichkeit, unterschiedliche Objekte und ihre Helligkeit zu beschreiben und einzustufen.
Wenn ein Objekt auf Zone III "fällt", ist es um 2 Zonen dunkler als die Graukarte. Es ist dabei egal, ob es sich um einen Pullover oder eine Hauswand handelt, beide wären gleich hell.

Wir können uns nun anschauen, wie diese Helligkeiten im Positiv umgesetzt werden.
Wenn wir für diese Überlegungen davon ausgehen, dass wir zur Ermittlung der Belichtungswerte die Graukarte als Basis ansetzen, wird die Lichtmenge, die von der Graukarte zum Sensor der Digitalkamera oder zum Film kommt, immer gleich bleiben — egal wie hell oder dunkel es ist.
Unterschiedliche Motivhelligkeiten als Ergebnis unterschiedlicher Beleuchtungsstärke werden ja vom Belichtungsmesser erkannt und in unterschiedliche Belichtungswerte umgesetzt, so dass die Lichtmenge, die auf den Film trifft, immer gleich ist. Also ist der Film in dem Bereich des Abbildes der Graukarte auch immer gleich belichtet.

Wenn man nun einen standardisierten Prozess vom unbelichtetem Film zum fertigen Positiv in der Dunkelkammer einsetzt (also ohne nachbelichten, abwedeln etc., kann man davon ausgehen, dass gleiche Belichtungen auch im Positiv gleich wiedergegeben werden. Da die gleiche Motivhelligkeit auch zur gleichen Belichtung führt, werden gleiche Motivhelligkeiten immer gleich wiedergegeben werden. (Alle Objekte, die auf Zone III fallen, sind immer gleich hell und im gleichen Maße dunkler als Objekte, die auf Zone VII fallen.)

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Jedes Objekt, das in seinem Reflektionsverhalten (seiner Helligkeit) der Zone V entspricht, wird so hell wiedergegeben wie eine Graukarte. Auch die anderen Zonen werden proportional gleich wiedergegeben.

Die Objekte bzw. Motivdetails der Helligkeit Zone III (also 2 Stufen dunkler als die Graukarte) werden im Verhältnis im Positiv auch immer gleich wiedergegeben. Sie erscheinen immer gleich viel dunkler als die Graukarte. Genauso ergeht es einem Objekt der Helligkeit Zone VIII: Es erscheint immer im gleichen Verhältnis heller.
Dabei ist es unerheblich, ob es sich um dieselben Objekte handelt oder um andere, die eben nur genauso viel Licht reflektieren.

Es ist damit aber überhaupt noch nicht gesagt, wie die unterschiedlichen Helligkeiten und ihr Verhältnis zueinander im Bild wiedergegeben werden.
Sehen wir uns dazu das Zusammenspiel von Motivhelligkeit/Belichtung und Entwicklung/Vergrößerung im Folgenden einmal genauer an.

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