Wie belichtet man richtig?

Digitale Grundeinstellungen

Bevor wir zu dem Ablauf der Belichtungseinstellung kommen, möchte ich Sie hier über einige spezielle Einstellungen der digitalen Kameras informieren. Viele Vorgänge sind ja in technischer Hinsicht bei analoger und digitaler Fotografie gleich. Doch es gibt ein paar Besonderheiten, die Sie beim Umgang mit digitalen Kameras beachten sollten. Dazu zählen die Voreinstellungen der Apparate in Bezug auf Kontrast, Sättigung und Schärfe.
Die Kamerahersteller geben den Kameras diese Grundeinstellungen mit auf dem Weg, um es Ihnen zu ermöglichen, einfach und schnell nach herkömmlichen Maßstäben „schöne“ Bilder zu machen. Diese Vorgaben sind für viele Fotografen und viele Situationen sinnvoll.
Trotzdem sollten Sie überlegen, ob Sie wirklich zur Zielgruppe gehören. Wenn Sie Ihre Bilder unbearbeitet ausdrucken oder ausbelichten lassen wollen, sind diese Grundeinstellungen für Ihre Bilder wohl überwiegend passend.Wenn Sie aber selber Hand anlegen und die Nachbearbeitung der Bilder steuern wollen, dann können diese Grundeinstellungen Hindernisse auf dem Weg zum guten Bild sein. Folgende Punkte sollten Sie deshalb beachten

Schärfen reduzieren
Digitale Daten sind aufgrund der Aufnahmetechnik nie hundertprozentig scharf. Die zur Ermittlung der Farbe und Helligkeit eines Punktes verwendete Interpolation führt zu einer im Verhältnis zur Pixelmenge des Bildes zu geringen „Detailmenge“, also zu einer zu geringen Auflösung (Bayerpattern, siehe Kamera - Technische Details).
Diese etwas „schwammige“ Wirkung fällt gerade bei digitalen Kompaktkameras nicht so stark auf, da bei diesen Modellen in der Regel, zumindest in den Standardeinstellungen, die Bilder sofort bei der Aufzeichnung recht kräftig geschärft werden.
Digitale id= "bayerpattern" dagegen haben diese interne Schärfung oft nicht als Standard vorgegeben. Das führt dann zu enttäuschten Gesichtern bei Umsteigern, die die ersten Ergebnisse ihrer teuren neuen Kamera sehen. Doch das ist kein Fehler der Kamera, vielmehr gilt hier: „It’s not a bug, it’s a feature.“ (Übersetzt bedeutet das in etwa „Das ist kein Fehler, sondern eine Funktion.“) Um das „Warum“ zu verstehen, müssen wir uns mit der Technik der digitalen Scharfzeichnung beschäftigen.

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Die unscharfe Wirkung der Bilder kann man auf verschiedene Weise verschwinden lassen. Alle diese Verfahren können aber keine zusätzlichen Details ins Bild bringen. Sie bringen also keine echte Schärfe , stattdessen erhöhen diese Techniken den Kantenkontrast.
Wenn zwei Flächen unterschiedlicher Helligkeit aufeinanderstoßen, gibt es eine Kante. Wenn die Auflösung im Sinne von Detailgenauigkeit nicht hoch genug ist, ist diese eigentlich nur zwischen zwei Pixelreihen liegende Kante über mehrere Pixel „verschmiert“. Wenn man nun im unscharfen Bereich die dunkle Partie abdunkelt und den hellen Bereich aufhellt, betont man diese Kante. So erzeugt man den Eindruck von Schärfe, ohne Details hinzuzufügen.
Der richtige Wert einer solchen Scharfzeichnung ist abhängig von der weiteren Nutzung der Bilder. Bei einer Wiedergabe am Monitor fällt die Schärfung viel schneller auf als beim Ausdruck oder der Ausbelichtung. Aus diesem Grund kann ein feststehendes Schärfemaß für alles nicht richtig sein.
Statt also der Kamera die Schärfung schon bei der Bildaufzeichnung zu überlassen, macht man das besser als letzten Schritt der Bildbearbeitung. Dann wird nichts mehr am Bild verändert, es können keine Details mehr durch Interpolationen, wie sie zum Beispiel beim Drehen von Bildern oder Bilddetails passieren, verloren gehen, was eine (zusätzliche) Schärfung nötig machen würde.
Das ist der richtige Moment, um auf das für die gewünschte Wiedergabeart hin passende Maß zu schärfen. Wie das geht, können Sie im Kapitel zur Bildbearbeitung lesen.

Kontrast und Farbsättigung reduzieren
Um den Erwartungshaltungen vieler Gelegenheitsfotografen entgegenzukommen, werden die Fotos durch die Standardeinstellungen speziell der Kompaktkameras oft sowohl in Bezug auf die Farbsättigung als auch in Bezug auf den Helligkeitskontrast verstärkt.
Wenn die Bilder dann aus dem Labor oder vom Tintenstrahler kommen, sehen sie so richtig schön bunt und knackig aus.Wenn die Bilder aber weiter bearbeitet werden sollen, zum Beispiel, um den Weißabgleich zu optimieren oder die Tonwerte (Helligkeiten ) noch anzupassen, zeigt sich der Nachteil dieser Verstärkung.
Durch die Kontrast- und Sättigungsverstärkung fehlen bereits Zwischenstufen in den Helligkeiten der einzelnen Farben, die für die nachträgliche Veränderung evtl. wichtig gewesen wären. Dadurch sind die Möglichkeiten der (unauffälligen) Nachbearbeitung eingeschränkt.

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Wenn Sie also vorhaben, Ihre Bilder selber zu bearbeiten, sollten Sie die Grundeinstellungen der Kamera, speziell bei Kompaktkameras, abmildern. Bei digitalen Spiegelreflexkameras tritt das Problem nicht so stark in Erscheinung, da bei diesen Produkten die Kamerahersteller wohl von einer anderen Zielgruppe ausgehen und deshalb die Grundeinstellungen schwach vorgeben.
Sie sollten am besten auch die Vorgabe für JPEG -Komprimierung schwächer einstellen, da die sonst stärker auftretenden JPEG-Artefakte die Nachbearbeitung behindern können.

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