Wie belichtet man richtig?

Objekt­messung / Mess­methoden III

Die Nachführmessung

Wenn Sie auf die Belichtungsautomatiken verzichten wollen (und dazu gibt es gute Gründe), müssen Sie die Belichtung anhand des Messergebnisses von Hand einstellen.

Dazu wird in den meisten Fällen die Nachführmessung zum Einsatz kommen.
Die in den Kameras eingebauten Belichtungsmesser zeigen nämlich bei manueller Belichtungseinstellung das Messergebnis oft nicht direkt an. Vielmehr wird es in Form der Abweichung von den zurzeit gerade eingestellten Werten für Zeit und Blende angezeigt.
Der Fotograf kann dann in der Folge diese Werte so lange ändern, bis ihm der Belichtungsmesser "grünes Licht" gibt.

Diese Form der Messung/Einstellung ist bei Kameras mit eingebautem Belichtungsmesser am weitesten verbreitet. Die Belichtungswerte werden dabei der Anzeige nachgeführt, deshalb spricht man von Nachführmessung.

Der Fotograf wählt dazu zuerst nach seinen gestalterischen Überlegungen entweder seine Wunschbelichtungszeit oder die Wunschblende vor. (Zu den damit verbundenen unterschiedlichen Auswirkungen können Sie weiter hinten im Kapitel "Was soll ich einstellen" und im Themenbereich "Gestaltung" Hinweise finden.)
Dann wird der dazu passende zweite Wert, also bei Vorwahl der Blende die Zeit und bei Vorwahl der Zeit die Blende, mit Hilfe der Belichtungsanzeige der Kamera nachgeführt.

Kelle und Zeiger

Ältere Kameras haben dazu im Sucher eingeblendete Zeiger (manchmal in Verbindung mit einer Kelle), die entweder auf Deckung stehen oder auf einen bestimmten Punkt (Nullstellung) zeigen müssen. Von diesen Sollwerten abweichende Stellungen des Zeigers weisen dann auf eine entsprechende Abweichung der Einstellung vom Messergebnis (wir kommen der Sache schon näher) hin.

Die Stellung der Kelle zeigt an, dass die Blende auf den Wert 5.6 gestellt wurde.
Die Stellung der Nadel zeigt, dass das bei diesem Motiv und der eingestellten Belichtungszeit (die hier im Sucher nicht angezeigt wird) zu einer Überbelichtung um etwa 2 Stufen führen würde (Stufen bedeutet Blendenwerte, Zeitstufen oder ISO-Werte; ich werde im Folgenden meist der Einfachheit halber von Blendenstufen sprechen bzw. schreiben).

Sollte es sich um ein unproblematisches Bildmotiv handeln, das keine Korrektur des Messergebnisses erfordert, würde eine solche Einstellung mit Abweichung zu einer Über- oder Unterbelichtung führen.
Falls es sich aber z. B. um den im vorherigen Kapitel bereits erwähnten weißen Hasen im Schnee handelt, wäre eine Abweichung um etwa 2 Blendenwerte (bzw. Lichtwerte) nach oben - in Plusrichtung - richtig, damit Hase und Schnee weiß und nicht grau wiedergegeben wird.
Für den Schornsteinfeger vor demm Kohlehaufen wäre die Einstellung natürlich grundfalsch.

Kelle und Zeiger werden Sie an aktuellen Kameras wohl nicht mehr finden, hier ist das Messergebnis an unterschiedlich aufgebauten elektronischen Anzeigen abzulesen.

Ampel und Zahlen

Modernere Kameras haben Plus/Minus-Anzeigen, oft per LCD oder LED dargestellt. Im einfachsten Fall gibt es dazu nur eine "Lichtampel", deren (mittlere) Anzeige dann grün aufleuchtet, wenn die Belichtungseinstellung dem Messergebnis entspricht. Da man hier die Stärke der Abweichung vom Soll-Wert nicht direkt sehen kann, ist es schwieriger, die Anzeige einzuschätzen und in eine direkte Korrektur umzusetzen.

Die Zahlenwerte im Kameradisplay unten rechts zeigen, dass zurzeit Blende 2.8 eingestellt ist. In Verbindung mit der links angezeigten eingestellten Belichtungszeit von 1/500 Sekunde würde dieses Motiv (Nach Meinung des Belichtungsmessers) um 2 Blenden überbelichtet. Das zeigt die "+2" im oberen linken Bereich des Suchers an.

Bei vielen kompakten digitalen Sucherkameras (und Bridgekameras) wird die Abweichung vom Sollwert auf dem Display durch Zahlenwerte angezeigt, die von "-2" bis "+2" reichen. Noch stärkere Abweichungen signalisieren diese Kameras meist über blinkende oder rot gefärbte Zahlenwerte.

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Die Lichtwaage

Im günstigsten Fall verfügt die Kamera über eine Lichtwaage, die die Abweichung vom richtigen Wert nicht nur in Zahlenwerten, sondern auch in Form einer Skala darstellt.
Meist werden solche Skalen bei den Spiegelreflexkameras (analogen und digitalen Modellen) und spiegellosen Systemkameras im Sucher eingeblendet, bei einigen digitalen Sucherkameras und Systemkameras sind sie im Display sichtbar.
Diese Skalen sind für viele Menschen anschaulicher als Ampel oder Zahlenwerte.

Die Zahlenwerte links zeigen uns, dass die Kamera auf eine Belichtungszeit von 1/500 Sekunde und einen Blendenwert von 5.6 eingestellt ist. Der Belichtungsmesser der Kamera hält diese Einstellung für richtig, deshalb zeigt die Markierung unterhalb der Skala auf den Nullwert.

Wenn Sie nun die Belichtung auf eine dieser Arten gemessen und eingestellt haben, haben Sie nichts anderes gemacht, als was die Kamera evtl. auch automatisch machen kann.

Selbst wenn diese Einstellung schon die richtige ist (also in der Automatik keine Korrektur nötig wäre), ist es sinnvoll, sich die Mühe zu machen, die Kamera manuell zu steuern.
Es kann nämlich bei weiteren Fotos mit geändertem Motivausschnitt zu "Fehlmessungen" kommen. Die Automatik würde dann die falschen Werte übernehmen. Die manuelle Belichtung bleibt dagegen so wie ursprünglich eingestellt. Der Fotograf muss in "M" also nicht eingreifen.

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