Wie kann man Fotos gestalten?

Nachbearbeitung und Präsentation

Kurzfassung

Das Bild ist nicht mit dem Belichten oder Vergrößern fertig, auch die Ausarbeitung und Präsentation des Bildes gehört zum Thema Gestaltung.

Ausführlich:

Wenn Sie den Auslöser gedrückt haben, sind Sie zwar dem Bild ein gutes Stück näher gekommen, aber Sie können für einen erfolgreichen Abschluss der Gestaltung noch einiges tun.
Ein Bild kann noch so schön und gut gestaltet sein — wenn es, womöglich mit Knicken oder Flecken, aus einem Schuhkarton heraus gezeigt wird, wird der "Wert" dieses Bildes nicht sichtbar.
Ein gutes Bild verdient eine gute Präsentation. Das beginnt schon bei der Nachbearbeitung.

Dunkelkammer, Drucker und danach

Dazu gehört, dass die Aufnahme sauber ausbelichtet, ausgedruckt oder in der Dunkelkammer ausgearbeitet wird.
Lassen Sie etwas Luft um das Bild, vergrößern Sie es also nicht auf das volle Fotopapierformat. (Wenn Sie das Bild später auf jeden Fall hinter ein Passepartout bringen oder auf einen größeren Träger aufziehen, ist das allerdings egal).
Bei analogen Schwarzweißfotos ist eine dünne schwarze Linie um das Bild, wie sie entsteht, wenn Sie ein Stück des klaren Filmrandes um das Negativ mit vergrößern, fast immer ein Plus für das Bild. Diese schwarze Linie zeigt dem Betrachter auch, dass das gesamte Negativ vergrößert wurde. Sie demonstrieren damit, dass Sie das Bild bereits bei der Aufnahme auf das Negativformat der Kamera hin gestaltet haben und dass in der Dunkelkammer nichts weggelassen wurde. (Da kann man natürlich auch "fudeln".)

Nach dem Vergrößern und vor dem Ausbelichten (digitaler Daten) müssen evtl. Fehler wie Staubflusen oder Kratzer sauber retuschiert werden. Selbstverarbeitete Bilder, insbesondere Vergrößerungen auf Barytpapier, sollten, damit sie sich nicht wellen, auf einen Träger aus archivfester, säurefreier Pappe aufgezogen werden.

Ein Passepartout erhöht den Eindruck des "Wertes" eines Bildes.
Der Betrachter hat unwillkürlich das Gefühl, etwas Besonderes zu sehen, weil es eben besonders präsentiert wird.
Auf diese Art kann man zwar aus einem "Schrott"-Foto kein Ausstellungsbild machen, aber durch schlechte Präsentation kann auch ein sonst ausstellungsreifes Bild viel an Schönheit oder Wert verlieren.

Das Layout

Dass die Wahl eines Albums oder eines Rahmens oder die Farbe eines Passepartouts großen Einfluss auf die Wirkung eines Bildes hat, werden die meisten leicht erkennen können.
Doch auch die Art des Layouts, des Arrangements verschiedener Bilder in einem Zusammenhang, wirkt sich stark auf die Wahrnehmung der einzelnen Bilder aus.
Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um mehrere Bilder handelt, die an einer Wand aufgehängt werden, oder ob mehrere Bilder auf eine (Doppel-)Seite in ein Album geklebt werden. Auch bei der Monitorpräsentation (gerade auch für Thumbnail-Auswahlen im Internet) gelten diese Regeln.


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Die Bilder, die gemeinsam präsentiert werden, ergeben quasi wieder ein neues großes Bild.
Das, was für die Gestaltung eines Einzelbildes gilt, gilt auch für die Gestaltung einer Bildergruppe. Die Bildelemente wie Linien und Flächen funktionieren bei der Gruppe eben nicht mehr nur innerhalb eines Bildes, sondern wirken auch zwischen mehreren Bildern.
Die Blickrichtungen von Personen in einzelnen Bildern z. B. können, je nachdem, wie die Bilder arrangiert werden, die Bedeutung der ganzen Bildgruppe verändern. So können wir, abhängig davon, wie wir Bilder von Personen hängen, als "Kuppler" auftreten und Paare bilden (oder auch trennen).
Das funktioniert nicht nur zwischen Bildern von Personen, sondern natürlich auch mit anderen Themen. Probieren Sie es einfach aus, wenn Sie mehrere Bilder gemeinsam arrangieren können. Egal ob im Fotoalbum oder an der Wand oder im Internet.

Das geht auch bei Tieren: Die beiden in der oberen Reihe haben scheinbar nichts miteinander zu tun, die beiden unteren dagegen haben Kontakt zueinander.

Natürlich sind die Linien und Flächen in den Bildern nicht ausschließlich für das "richtige" Layouten wichtig. Auch dramaturgische Elemente spielen eine Rolle.
Wenn die Bilder einen Prozess wiedergeben, so wie zum Beispiel unterschiedliche Aufnahmen einer Person in unterschiedlichen Lebensaltern den Prozess des Alterns wiedergeben, sollte die richtige Präsentation der Bilder das "Lesen" dieses Prozesses unterstützen.

Sie können auch Beziehungen zwischen Bildern schaffen, die in der Wirklichkeit gar nicht vorhanden sind. Wenn Sie unterschiedliche Aufnahmen unterschiedlicher Personen aus unterschiedlichen Lebensaltern geschickt arrangieren, so wird der Betrachter das Bildensemble vielleicht für den Lebenslauf einer einzigen Person halten.
Und selbstverständlich kann auch der Inhalt der einzelnen Bilder einer Gruppe die Wahrnehmung der Bildergruppe beeinflussen.

Eine Vase

Ein einfaches Beispiel: Stellen Sie sich zwei Bilder vor: eins zeigt eine Vase und das andere einen Hammer. Beide Bilder alleine betrachtet sind recht harmlos.

Ein Hammer


Wenn man sie aber kombiniert, dann geschieht etwas mit ihnen.
Ein Inhalt taucht auf, der vorher in keinem der beiden Bilder sichtbar war.
Wenn man beide Bilder auf derselben Internetseite nebeneinander veröffentlicht oder wenn man sie nebeneinander an die Wand hängt, kommt auf einmal Dynamik in die Bilder. Man kann es dann regelrecht klirren hören.

Klirr!

Dieser Inhalt ist natürlich nicht in den Bildern, er war auch im Moment des womöglich zeitlich voneinander völlig unabhängigen Fotografierens nicht existent (außer vielleicht als Konzept im Kopf des Fotografen), und er ist auch nicht in der Bildergruppe vorhanden. Dieser Inhalt entsteht erst während der Wahrnehmung im Kopf des Betrachters. Um das Thema Wahrnehmung geht es auch im Folgenden.

Der Fotolehrgang Gestaltung - LIVE!

Zum Thema "Gestaltung" biete ich einen Live-Fotokurs an.

Darin werden natürlich auch die hier auf diesen Seiten erwähnten Überlegungen zur Gestaltung eine Rolle spielen. Aber für die meisten Teilnehmer sind wohl die Bildbesprechungen im Rahmen des Kurses (und danach!) am wichtigsten.
Mehr Informationen und Anmeldung zu den Fotokursen mit Tom! Striewisch hinter diesem Link.

Der Kurs ist übrigens auch ideal zum verschenken, schenken lassen oder auch sich selber schenken.