Welche Bildbearbeitung muss ich machen?

Workflow

Kurzfassung

In diesem Bereich des Fotolehrgangs erfahren Sie:

  • was Sie mit der Bildbearbeitung machen können
  • in welcher Reihenfolge Sie die Bilder bearbeiten sollten
  • warum Sie JPEGs anders bearbeiten sollten als RAW-Dateien
Das Thema Bildbearbeitung ist sehr umfangreich, und es würde den Rahmen dieses Fotolehrgangs sprengen, wenn ich in voller Ausführlichkeit darauf eingehen wollte.
Trotzdem werden Sie hier die wichtigsten Punkte erklärt finden. Dieses Kapitel kann dabei recht kurz bleiben, da ich viele wichtige Punkte der Bildbearbeitung wie z.B. Tonwertkorrektur, Gradationskurve, Rauschen, Exif-Daten, Histogramm, HDR, DPI, Weißabgleich, unscharf maskieren, etc. im Glossar aufgeführt habe.
Anmerkung
Sollten Sie sich intensiver, als es hier in der Folge geschehen wird, mit der Bildbearbeitung auseinandersetzen wollen, empfehle ich Ihnen mein Buch "Digitalfotografie für Fortgeschrittene".
Es erscheint ebenfalls bei humboldt in der Reihe "Hobby und Freizeit" und kostet zusammen mit der beigelegten DVD-ROM (mit mehr als 5 Stunden Film zur Bildbearbeitung ) 16,95 Euro (ISBN 3-978-3-86910-173-0).

Oder besuchen Sie doch einen meiner Live-Workshops zur Bildbearbeitung oder einen speziellen Lightroom-Kurs, den ich dort anbiete. Termine und weitere Informationen können Sie unter www.fotoschule-ruhr.de finden.

Ausführlich:

Der "Workflow"
Die Bilder aus Ihrer Digitalkamera sollten Sie nach einem mehr oder weniger immer gleichen Schema abarbeiten. Als Grundlage für Ihre eigenen Planungen kann Ihnen dabei das folgende Modell dienen. Die einzelnen Schritte unterscheiden sich etwas, je nachdem, ob Sie auf RAW oder JPEG /TIFF fotografieren.

Übertragen und Auswählen
In jedem Fall müssen zuerst die Bilder in den Computer. Ich benutze dazu einen in den Computer eingebauten Cardreader, aber natürlich tut es auch ein externes Gerät. Dadurch wird die Steckverbindung für das USB-Kabel in der Kamera nicht so stark belastet, und (nicht unwichtig) es gibt kein Kabel, an dem die Kamera versehentlich vom Tisch gerissen werden kann.
Direkt anschließen sollten Sie die Kamera, wenn Sie SmartMedia oder xD-Picture Cards oder ein anderes Kartenformat ohne eigenen Controller nutzen würden. Da habe ich in letzter Zeit von Datenverlusten gehört, die vermutlich darauf zurückzuführen sind, dass der Cardreader nicht optimal mit dem Kartentyp zusammenarbeitete. Dieses Risiko sollte man vermeiden.

Bildbearbeitung


Von der Karte in den Rechner gelangen die Bilder ohne irgendwelche Spezialsoftware, wie sie oft mit den Kameras mitgeliefert wird. Stattdessen kommen die üblichen Dateiverwaltungswerkzeuge des Betriebsystems zum Einsatz (unter Windows also der "Explorer"). Dadurch ist immer klar ersichtlich, welche Daten in den beiden am Kopieren der Bilder beteiligten Ordnern stecken. Wenn Sie ein Programm wie "Lightroom" benutzen, dass Ihnen die Kontrolle über den Speicherplatz überlässt, können Sie die Bilder natürlich auch damit übertragen.
Die Bilddateien werden nicht umbenannt, sondern behalten die von der Kamera vergebene fortlaufende Nummerierung (evtl. ergänzt um Zehntausender-Stellen). Sie kommen in einen speziellen Ordner, der vor dem Kopieren leer sein sollte. In diesem Ordner wird aussortiert, die schlechten Bilder werden gelöscht. Das sind nicht wenige, man sollte da auch ruhig kräftig sortieren, vielleicht auch zweimal, mit etwas zeitlicher Distanz.
Ich benutze zum Sortieren, Verschlagworten und zur RAW-Konvertierung bzw. Helligkeits- und Farbanpassung bei JPEGs das Programm "Lightroom" (Link nach Amazon, ich erhalte etwas Provision) von Adobe, das mir auch als Bilddatenbank und RAW-Konverter sowie bei der Helligkeits- und Farbanpassung von JPEGs gute Dienste leistet. (Nein, ich erhalte kein Geld von Adobe (dem Herstellerder Software). Und auch keine Naturalien. ;-) Ich bin einfach nur ziemlich zufrieden damit. )

Drehen und Bezeichnen
Die Bilder werden in diesem Ordner auch gedreht (sofern das nicht bereits die Kamera erledigt hat). Vorsicht beim Drehen von JPEG, manche Software, unter anderem auch die Bordmittel von Windows XP, drehen nicht verlustfrei. Das bedeutet, dass die JPEG-Dateien ein weiteres Mal komprimiert werden, also neue Komprimierungsfehler zu den bereits vorhanden hinzukommen. Zusätzlich erfolgt diese Komprimierung, ohne dass Sie die Intensität einstellen können, womöglich sind die Bilder also hinterher auch noch größer geworden.
Zum Drehen von Bildern verwende ich für RAW -Dateien das Programm Lightroom oder den Dateibrowser von Photoshop CS3 und jünger (genannt "Bridge"). Für JPEGs kann man auch sehr gut die kostenlosen Programme IrfanView und XNView einsetzen.
Anschließend bekommen die Bilder Stichwörter (entsprechend dem internationalen Standard IPTC werden diese Stichwörter soweit möglich in der Bilddatei gespeichert).
Für den Amateur mag es auf den ersten Blick übertrieben wirken, die Bilder zu verschlagworten. Aber später werden Sie froh sein, zielsicher ein einzelnes Bild nur durch die Kombination unterschiedlicher Suchbegriffe zu finden. Womöglich sogar ein Bild, an das Sie sich gar nicht mehr erinnern konnten, das Sie also mit persönlicher Suche zum Beispiel nach Datum oder Ähnlichem gar nicht erst gesucht und so dann auch nicht gefunden hätten.
Lassen Sie sich von den evtl. bereits vorhandenen Bilderbergen nicht abschrecken, die können Sie nach und nach abarbeiten. Aber beginnen Sie schon bei den nächsten Bildern, die Sie aus der Kamera laden, diese Schlagwörter zu vergeben.
Ich verwalte meine Bilder nicht in unterschiedlichen Ordnern oder durch besondere Dateinamen, sondern benutze zum Sortieren bzw. Wiederfinden von Bildern Bilddatenbankprogramme, z. B. "imatch" (früher) oder, seit einigen Jahren ausschließlich: "Lightroom".
Das Ordnersystem stößt immer wieder an seine Grenzen, weil je nach Inhalt dasselbe Bild durchaus unterschiedlichen Stichwörtern (und damit unterschiedlichen Ordnern) zugeordnet werden müsste. Da ist es besser, man ordnet dem Bild die verschiedenen Stichwörter direkt zu. Die Schlagwörter (und die Angaben zum Fotografen, die auch zu den sogenannten Metadaten des Bildes gehören) werden in die dafür bestimmten IPTC-Felder der Bilddateien (TIFF und JPEG ) geschrieben.
Dies sollte ebenso wie das Drehen verlustfrei erfolgen. Sie können dazu auch die schon oben erwähnten kostenlosen Programme XNView und IrfanView benutzen.
Bei RAW-Dateien wird das etwas komplizierter, denn es gibt noch nicht so viele Programme, die das Verschlagworten von RAW beherrschen. Sie können zum Beispiel Photoshops "Bridge" dazu einsetzen, dann wird zu jedem Bild eine kleine Tochterdatei (als Textdatei im XML-Format mit der Endung *.xmp) geschrieben, die nicht nur die IPTC-Daten (Stichwörter) und EXIF-Angaben, sondern auch das "Entwicklungsrezept" für dieses Bild enthält. Auch mit Lightroom lassen sich die Stichwörter in XML speichern.
Es gibt auch andere RAW-Konverter, die teilweise die Stichwörter und Metadaten direkt in die RAW-Datei schreiben. Von einigen Kameraherstellern ist das Verfahren bereits von Haus aus so vorgesehen.

Der Vorteil beider Wege der direkten Verschlagwortung der RAW-Dateien besteht darin, dass dann alle "Kinder" dieser Dateien automatisch die Schlagwörter und die anderen Metadaten erben.
Das Vergeben der Schlagwörter geht recht schnell und einfach, wenn Sie Bilder gruppenweise bearbeiten. Also zum Beispiel erst alle Strandbilder aus dem Urlaub in der Übersicht markieren ( Anmerkung
zusammenhängende Gruppen markieren: zusätzlich zum Mausklick die Umschalttaste drücken, um durch Klick auf Anfangs und Enddatei Gruppen von Bildern auszuwählen.
Zusätzliche Einzelbilder: mit der [STRG] Taste und Mausklick verstreute Einzelbilder als Gruppe zu markieren
) mit dem Stichwort "Strand" versehen. Dann die Bilder mit Person A (evtl. zusätzlich) mit dem Namen der Person A verschlagworten. Das Gleiche mit Person B usw.
Später können Sie dann schnell alle Urlaubsbilder herausfinden, die Person A am Strand (evtl. nur mit oder nur ohne Person B) zeigen. So etwas lässt sich mit einer Verwaltung der Bilder nach Dateiname und Orderstruktur nur sehr schlecht lösen.

Welche Schlagwörter Sie einsetzen, hängt von Ihren Interessen ab. Ich würde auf jeden Fall dazu raten, bei Personen immer Vor- und Nachnamen anzugeben. Begriffe sollten Sie immer in der Einzahl nutzen, auch wenn mehrere Elemente auf dem jeweiligen Foto sind.
Verzetteln Sie sich nicht mit den Schlagwörtern. Wenn sie kein Pferdenarr sind, reicht "Pferd", evtl. noch Pony; ob "Araber" oder "Fjordpferd", müssen Sie nicht unterscheiden.
Vermeiden Sie Umlaute, einige Programme haben damit Schwierigkeiten.
Vergessen Sie die "weichen" Werte nicht, neben Stimmungen und Gefühlen können auch das Wetter oder bestimmte Farben als Schlagwörter sinnvoll sein. Generell haben Schlagwörter natürlich nur dann Sinn, wenn das Schlagwort für das Bild auch bedeutend ist; nicht jedes Bild von einem Sommertag sollte das Stichwort "sonnig" erhalten.

01

Das weitere Vorgehen hängt vom verwendeten Dateityp ab. Bei RAW-Dateien sollten Sie bereits jetzt zumindest grob das Entwicklungsrezept (inkl. Weißabgleich) festlegen. Das geht in den verschiedenen RAWKonvertern meist mit ähnlichen Werkzeugen wie bei der Tonwertkorrektur bzw. den Gradationskurven .
Einige RAW-Konverter sind darüber hinaus in der Lage, die speziellen Vorteile des weiten Kontrastbereiches und der feineren Auflösung (12 Bit oder mehr) auszunutzen. Dazu gehören vor allem Funktionen zum Retten der Lichter und Schatten ("D-Lightning", "Wiederherstellung", "Lichterkorrektur", "Fill Light").

Das "Entwicklungsmodul" von Lightroom


Das ist besonders wichtig, wenn Sie Bilder mit Absicht sehr knapp belichtet haben, um die Zeichnung in hellen Bildbereichen nicht im Weiß verschwinden zu lassen. Dadurch werden natürlich auch alle anderen Bildbereiche dunkler. Das ist jetzt der richtige Augenblick, um die Zeichnung der dunklen Partien zu verbessern.
Der JPEG-Illuminator

(Sollten Sie entsprechend belichtete und zu bearbeitende JPEG -Dateien haben, kann ich Ihnen als gute und trotzdem kostenlose Lösung den JPEG-Illuminator empfehlen, der für das begrenzte Potential der JPEGs ähnliche Werkzeuge wie die RAW-Konverter zur Verfügung stellt.)
Bei manchen RAW-Konvertern können Sie auch schon bei der Umwandlung Aufnahmefehler entfernen und das Bild schärfen. Mit dem Schärfen sollten Sie in dieser frühen Phase der Bildbearbeitung aber sehr vorsichtig sein, da zum Abschluss der Bearbeitung je nach Ausgabemedium erneut geschärft werden muss; das kann zu einer sichtbaren Aufaddierung der Schärfefehler führen. Für Bilder, die gut belichtet und mit dem richtigen Weißabgleich versehen sind, müssen Sie gar nichts machen. Für die anderen Bilder können Sie diese Vorgaben im RAW-Konverter einstellen und dann bei Bridge als Tochterdatei anlegen lassen. Beim kostenlosen (und guten) Programm RAW-Therapee kann man, wie auch bei Lightroom, in den Voreinstellungen festlegen, dass die Entwicklungsrezepte wie auch bei Bridge bei den RAW-Dateien gespeichert werden. (Raw-Therapee als *.pp2, Lightroom als *.xml). Beim RAW-Shooter (der leider nicht mehr gepflegt wird) und bei Lightzone wird das Rezept in einem Unterordner abgespeichert. Wenn Sie mehrere Bilder unter ähnlichen Bedingungen (gleiche Helligkeit der Beleuchtung, gleiche Art der Lichtquelle in Bezug auf den Weißabgleich ) haben, können Sie bei vielen RAW-Konvertern die richtigen Werte für ein einzelnes, quasi als Vorlage funktionierendes Bild ermitteln und einstellen und dieses Rezept anschließend auf alle anderen Bilder der gleichen Aufnahmesituation übertragen. Dann geht diese Arbeit auch bei größeren Bildermengen flott von der Hand.


Für Fotografen, die mit den Techniken aus der Dunkelkammer und dem Zonensystem vertraut sind, könnte die Bildbearbeitung (und RAW-Konverter) Light Zone eine interessante Alternative sein. Für Mac, PC und Linux

Mit den Rezepten können Sie, je nach RAW-Konverter, nicht nur Farbe und Helligkeit beeinflussen. Auch der Ausschnitt, die Unterdrückung des Rauschens, eine Schwarzweiß-Umwandlung oder die Reduktion chromatischer Aberrationen und auch das Maß der Schärfung können Sie an dieser Stelle bereits bestimmen. Dazu mehr weiter hinten.
Und selbst Staub auf dem Sensor, der ja oft auf vielen Bildern an der gleichen Stelle auftritt, lässt sich so übergreifend beheben (Lightroom ).
Sie sollten die Optimierung für RAW-Dateien bereits an dieser Stelle des Arbeitsablaufes vornehmen, da Sie die Daten nun (wenn genug zusammengekommen sind) zusammen mit den Tochterdateien oder Unterverzeichnissen mit den "Rezepten" auf eine DVD brennen oder besser, weil haltbarer, auf eine (oder zur Sicherheit lieber zwei) externe Festplatte auslagern können.
Wenn Sie später ein oder mehrere Bilder von diesen RAW-Negativen benötigen, können Sie diese (mit dem entsprechenden RAW-Konverter vollautomatisch als Batch ) zu TIFF oder JPEG konvertieren lassen, ohne dass Sie sich noch um die "Entwicklungswerte" kümmern müssen.
Falls Sie auf JPEG fotografiert haben, sollten Sie die Optimierung der Bilder dagegen erst dann vornehmen, wenn der konkrete Anwendungsfall vorliegt. Bei JPEG würde eine solche automatische Umwandlung ja immer die Qualität herabsetzen, da ein erneutes Speichern als JPEG wegen der Komprimierung zusätzliche Fehler in das Bild bringt.
Doch nicht nur die Komprimierung ist ein Problem.
Weil Sie bei Farb- oder Helligkeitsänderungen an JPEGs immer auch Information verlieren, würden Sie auch bei verlustlosem Speichern als TIFF nur noch einen Teil der ursprünglichen Daten zur Verfügung haben. Wenn Sie später eine Einstellung erneut ändern wollten, z. B. um Ihre Bilder an ein anderes Druckverfahren anzupassen, würden Ihnen evtl. Helligkeits- oder Farbnuancen im Bild fehlen, die in der Ursprungsdatei noch vorhanden waren.

Im Rahmen der Bildbearbeitungskurse der Fotoschule-Ruhr.de können Sie die verschiedenen Techniken zur Optimierung von RAWs und JPEGs kennenlernen. Hier finden Sie weitere Informationen zu den Kursen.

Anschließend
Nachdem das Entwicklungsrezept und die Stichwörter feststehen, ist nun der richtige Zeitpunkt, die Bilder aus dem Eingangsordner in den Sammelordner zu verschieben. Das weitere Vorgehen hängt dann von Ihren ganz persönlichen Vorlieben ab. Ich spiegele diesen Sammelordner nach jeder Veränderung (d. h., ich kopiere die geänderten Daten) direkt auf eine zweite Festplatte. Und, soweit möglich, lösche ich erst danach die Fotos von der Speicherkarte.
In dem Sammelordner bleiben die Bilder für eine gewisse Zeit, bis ich sie vermutlich nicht mehr benötige und der Sammelordner in der Verwaltung zu groß und unhandlich wird. Dann werden sie auf zwei externe Festplatten (eine für die Lagerung an einem anderen Ort) ausgelagert.
Das ist zwar umständlich, sollte Ihnen aber eine gewisse Sicherheit auch bei Stromausfällen, Diebstählen, Feuer oder Medienproblemen bringen.
Und wenn Sie nun noch einen Ordner mit dem Inhalt der DVD auf (einer) Ihrer Arbeitsfestplatte(n) haben, ist der Zugriff ganz bequem.