Informationen über Objektive

Allgemeine Informationen

Kurzfassung

Das Objektiv ist eine Art "Erweiterung" der Belichtungsöffnung der Lochkamera.
An ihm kann man üblicherweise sowohl die Aufnahmeentfernung als auch (zumindest war das früher so) die Blende einstellen. Objektive lassen sich nach ihrer größten einstellbaren Blendenöffnung (der Lichtstärke) und nach ihrer Brennweite unterscheiden.

Anhand des möglichen Bildwinkels, der von der Objektivbrennweite im Zusammenspiel mit der Sensor- oder Negativgröße der Kamera abhängig ist, teilt man sie in Weitwinkel-, Normal- und Teleobjektive ein.


Ausführlicher

Was bedeuten die verschiedenen Kennzeichnungen auf dem Objektiv?

Die zentralen Angaben an einem Objektiv sind die Brennweite und die Blende.
An diesem Objektiv links finden sich verschiedene Angaben.
Speziell die beiden Zahlenpaare 28-135 und 3.5-5.6 sind dabei wichtig, denn sie charakterisieren die besonderen Eigenschaften des Objektivs.
28-135 zeigt an, das es sich um ein Zoomobjektiv handelt, dass zwischen 28mm bis 135mm (entspricht einem Bereich vom mittleren Weitwinkel bis zur Telebrennweite am Vollformatsensor) stufenlos in der Brennweite geändert werden kann (mehr zur Brennweite und ihrer Bedeutung weiter unten).
Bei einem Objektiv mit nur einer Brennweite (einer Festbrennweite) würde hier kein Bereich sondern nur ein einzelner Zahlenwert stehen)
Das zweite Zahlenpaar gibt die größtmögliche Blendenöffnung an, die sogenannte Lichtstärke. (Auch dazu mehr weiter unten auf der Seite)
Wenn dort nur ein Zahlenwert steht, hat das Objektiv bei jeder Brennweiteneinstellung die gleiche Lichtstärke.
In diesem Fall hier ändert sich die größtmögliche Blendenöffnung dagegen beim Zoomen, mit der kürzesten Brennweite steht Blende 3.5 zur Verfügung, mit der längsten dagegen nur Blende 5.6. Je länger die Brennweite bei diesem Objektiv eingestellt wird, desto geringer wird die Lichtstärke.

Bei diesem Canon-Objektiv bedeutet die Kennzeichnung "EF", dass es sich um ein Objektiv für einen Vollformatsensor handelt. Es darf aber auch mit einer Kamera mit dem kleineren "Cropsensor" verwendet werden.
Objektive mit der Kennzeichnung "EF-S" dürfen (und können) dagegen nur an den kleineren Sensoren angebracht werden.

Die "IS" Aufschrift besagt, dass dieses Objektiv einen "Image Stabilizer" besitzt, mit dem auch (etwas)längere Belichtungszeiten ohne Verwackeln verwendet werden können. Bei anderen Herstellern lauten die entsprechenden Kürzel zum Beispiel "VR" oder "OIS" oder "OS"
Vorsicht, bei anderen Herstellern werden andere Kürzel verwendet. Auch dann, wenn die jeweiligen Objektive für Canon gedacht sind.

Warum muss man fokussieren (scharfstellen)?

An der Stelle, wo bei der Lochkamera ein Loch ist, hat eine "richtige" Kamera ein Objektiv. Dieses Objektiv kann das Licht sammeln und somit für eine stärkere Belichtung des Sensors oder des Films sorgen, was deutlich kürzere Belichtungszeiten ermöglicht.
Diesen Vorteil müssen wir jedoch mit einem Nachteil bezahlen. Während nämlich bei der Lochkamera (mehr oder weniger) alles scharf abgebildet wird, müssen wir, wenn wir mit einem Objektiv fotografieren, auf die gewünschte Entfernung scharf stellen.

In den Objektiven sind zumeist mehrere Linsen (zum Teil in Gruppen) eingesetzt, die die Schärfe- und Darstellungsleistung des Objektivs verbessern sollen.
Dabei werden unterschiedliche Linsentypen verwandt, eine der wichtigsten ist die Sammellinse. Sie sammelt das Licht, das von einem Punkt des Motivs ausgeht, und vereint es im Brennpunkt.
Ganz ähnlich, wie man das Licht der Sonne bündeln kann, um ein Blatt Papier in Brand zu setzen. Daher kommt auch der Begriff "Brennpunkt".
In der Fotografie sammelt die Linse das Licht nicht auf einem einfachen Papier sondern auf dem Aufnahmematerial, also dem Sensor oder Film.

Die Sammellinse sammelt das Licht, das von einem "unendlich" weit entfernten Punkt (z.B. der Sonne) ausgeht, auf dem Brennpunkt.
Ist der Motivpunkt näher zur Kamera, also nicht unendlich weit entfernt, spricht man nicht mehr vom Brennpunkt, sondern vom Bildpunkt.

Wie groß der Abstand zwischen Linse und Bildpunkt (also quasi der Bereich in der Kamera) für ein scharfes Bild sein muss, hängt von der Entfernung des Ausgangspunkts (Motivpunkts) von der Linse ab. Wenn dieser Abstand für eine Entfernung passend ist, haben nähere oder weiter entfernte Motivdetails ihren schärfsten Bildpunkt an einer anderen Entfernung zwischen Linse und Sensor.
Für die scharfe Abbildung eines Motivdetails ist es wichtig, dass sein Bildpunkt auf dem Sensor liegt. Der Bildpunkt in der Abbildung unten liegt auf dem Sensor/Film. So werden alle Punkte des Motivs auch als Punkte auf dem Bild wiedergegeben.
Richtig fokussiert

Wenn das Motiv zu nah ist, liegt sein Bildpunkt hinter der Sensorebene, es entsteht dann auf dem Film/Sensor kein Punkt, sondern ein Kreis, der sogenannte Unschärfekreis. Und auch wenn das Motiv zu weit weg ist, der Bildpunkt also vor dem Sensor liegt, entstehen Unschärfekreise.
Das Motiv ist zu nah.

Zu weit

Fokussieren

Um ein scharfes Bild zu erzeugen, bei dem ein Punkt im Motiv auch als Punkt abgebildet wird, muss man auf die richtige Entfernung dieses Punktes scharf stellen.
Dazu wird der Abstand zwischen Aufnahmeebene und Objektiv entweder verkürzt (fernes Objekt) oder verlängert (nahes Motiv). Wie man die Entfernungseinstellung bei den unterschiedlichen Kameratypen kontrolliert und einstellt und was es dabei zu beachten gibt, erkläre ich weiter hinten in diesem Kapitel.

Es gibt für das Fokussieren Grenzen, man kann nicht jede beliebige Entfernung einstellen. Die meisten Objektive haben eine Beschränkung im Nahbereich, das heißt, es gibt eine Entfernung, bei der Motive nicht mehr fokussiert werden können, weil sie zu nah sind (die Aufnahmeebene also weiter als möglich vom Objektiv entfernt sein müsste).
Wenn ein Motiv zu nah ist kann man versuchen Zwischenringe einzusetzen um damit den Abstand zwischen Linse (bzw. Objektiv) und Sensor zu vergrößern.
Aber die meisten Objektive haben dann in diesem Nahbereich nur eine ungenügende Leistung, für beste Leistung sollte man eher spezielle Makroobjektive einsetzen, die ausdrücklich für diesen Aufgabenbereich optimiert sind.

Bei vielen Objektiven geschieht die Entfernungseinstellung durch das Drehen eines Einstellrings. Dadurch wird der Abstand des Objektivs vom Sensor/Film und somit auch die Schärfe verändert.
Rückt das Objektiv näher an die Aufnahmeebene, werden entfernte Motive scharf, entfernt es sich von der Aufnahmeebene, werden nahe Objekte scharf. Dies geschieht auch bei Autofokusobjektiven, bei denen die Drehung – und damit die Veränderung des Abstandes Objektiv-Aufnahmeebene jedoch mit einem Motor vorgenommen und von der Kamera gesteuert wird.

Wechselnde Objektive mit unterschiedlichen Brennweiten für wechselnde Aufnahmebildwinkel

Für viele Kameras, speziell für die Spiegelreflex- und Systemkameras, gibt es verschiedene Objektive zum Wechseln. Je nach Situation und gewünschtem Bild kann man ein anderes mit anderer Lichtstärke und Brennweite oder Zoombereich verwenden.

Natürlich muss das Objektiv zur Kamera passen.
Dabei geht es unter anderem um die Mechanik der Verbindung zwischen Kamera und Objektiv, bei der die meisten Hersteller unterschiedliche Befestigungen (heutzutage als Bajonettanschluss ausgeführt) verwenden. Die Objektive von Kamerhersteller N passen deshalb meistens nicht an die Kameras von Hersteller C.
Manche Kombinationen kann man mit Tricks und speziellen Adaptern trotzdem verwenden, aber dabei können Funktionen wie der Autofokus verloren gehen.

Durch die unterschiedlichen Sensorgrößen der Digitalkameras kann es noch zu weiteren Schwierigkeiten kommen.
Objektive sind rund und erzeugen in der Kamera kreisrunde Bilder. Diese so genannten Bildkreise müssen für den jeweiligen Film oder Sensor ausreichend groß sein, sonst werden die Ecken eines Bildes abgeschattet, es kommt zu einer meist unerwünschten Vignettierung (Abschattung der Bildränder/-ecken).
Objektive mit großen Bildkreisen sind schwieriger zu konstruieren, deshalb gibt es viele Objektive, die nur für kleine Sensoren gedacht sind und so preiswerter angeboten werden.
Der kleinere Bildkreis dieser Objektive würde einen größeren Sensor wohlmöglich nicht vollständig ausleuchten. Solche Objektive haben deshalb einen etwas modifizierten Anschluss, so dass man sie an Kameras mit größeren Sensoren auch dann nicht anbringen kann, wenn diese vom gleichen Hersteller stammen.
Umgekehrt dagegen ist das kein Problem, das Objektiv mit großem Bildkreis kann den kleineren Sensor problemlos ausleuchten, diese Objektive lassen sich deshalb auch an Kameras mit kleineren Sensoren ("Cropkameras") anbringen. Zumindest, wenn sie den gleichen Anschluss haben.
"Große" Objektive (mit Kennzeichnungen wie FX oder EF) passen auch an "kleine" Kameras, kleine Objektive (DX oder EF-S) passen nicht an "große Kameras.

Wechselobjektive sind zwar ein großer Vorteil, wenn man sie braucht, doch viele Fotografen kommen für einen großen Teil ihrer Bilder mit einem einzigen Objektiv aus. Nicht immer ist es gut, zu viel Auswahl zu haben, wer viele Objektive hat, macht nicht unbedingt auch die besseren Bilder.

Aber warum sollte man das Objektiv überhaupt wechseln, was unterscheidet die einzelnen Objektive voneinander? Es sind (neben der Qualität) in erster Linie zwei Punkte, die den Unterschied machen: die Brennweite und die Lichtstärke.

Lichtstärke

Je nach Durchmesser der Objektivöffnung und Länge des Objektivs (Brennweite ) gelangt unterschiedlich viel Licht auf den Sensor. Eine große öffnung lässt (bei gleicher Brennweite) mehr Licht auf den Sensor, das Objektiv ist "lichtstark".
Eine höhere Lichtstärke ermöglicht es, bei gleicher Empfindlichkeit (ISO) mit weniger Aufnahmelicht zu fotografieren, da durch die größere Öffnung immer noch genug Licht zum Sensor oder Film kommt.
Um eine hohe Lichtstärke zu erreichen, braucht man bei gleicher Brennweite eine größere Öffnung, also größere Linsen. Größere Linsen sind schwieriger in der Herstellung und Verarbeitung. Deshalb sind Objektive mit einer hohen Lichtstärke meist teurer.

Die Lichtstärke wird in Zahlenwerten angegeben. Sie entspricht der größtmöglichen Blendenöffnung des Objektivs und wird mit den gleichen Zahlenwerten wie bei den Blenden angegebenen. Je größer die mögliche Blendenöffnung und damit die Lichtstärke, desto kleiner die Zahl. Eine kleine Zahl bedeutet also hohe Lichtstärke. (Warum das so ist, werde ich im Kapitel "Belichtung " im Abschnitt zum Thema Blende erklären.)
Ein Objektiv mit Lichtstärke 1,8 ist lichtstärker als eines mit Lichtstärke 4.

Um dem Kunden auch das letzte Quäntchen zusätzlicher Öffnung zu signalisieren, verwenden die Hersteller bei der Angabe der Lichtstärke gerne auch mal "krumme" Blendenzahlen wie 2,6 oder 2,9. Wundern Sie sich also nicht, wenn bei diesen Angaben Zahlen auftauchen, die in der normalen Blendenreihe (Ausführliches zu diesem Thema folgt im Kapitel "Belichtung ") nicht vorkommen.

Brennweite

Weiter oben haben wir gesehen, dass das Objektiv, je nach Aufnahmeentfernung, unterschiedlich weit vom Aufnahmemedium entfernt sein muss, damit das Bild scharf wird. Je weiter ein Motiv entfernt ist, desto kürzer muss dieser Abstand sein.

Der Begriff der Brennweite hängt direkt damit zusammen und geht zurück in die Frühzeit der Optik.
Damals unterschied man Linsen unter anderem durch den Abstand, der nötig war, damit die Linse ein punktförmiges Abbild der Sonne auf ein (brennbares) Objekt warf. Der Abstand zwischen Linse und diesem Brennpunkt war dann die Brennweite.
Heute nutzt man zur Bestimmung der Brennweite nicht mehr die Sonne, aber die Begriffe sind die gleichen geblieben.

Die Brennweite wird in der Fotografie in Millimetern angeben, sie kann sich bei den einzelnen Linsen, oder besser: Objektiven sehr stark unterscheiden.
Je nach Form der Linsen im Objektiv kann der Brennpunkt (und bei gleich bleibender Aufnahmeentfernung auch der Bildpunkt eines Motivdetails) näher oder weiter vom Objektiv entfernt sein.
Der zum richtigen Scharfstellen nötige Abstand des Objektivs von der Aufzeichnungsebene ist dann kürzer oder länger.
Diese unterschiedlichen Abstände (Brennweiten) haben einen Einfluss auf die Wiedergabegröße eines Motivs.

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Bei einem Objektiv mit normaler Brennweite ergibt sich eine "natürlich" wirkende Wiedergabe der Größenverhältnisse (mehr dazu weiter hinten).
Bei einem Objektiv mit kurzer Brennweite liegt ein Bildpunkt, trotz gleichen Aufnahmeabstands zum Motiv, weiter vorne als bei einem Objektiv mit normaler Brennweite. Die Aufnahmeebene muss deshalb zum Fokussieren näher an das Objektiv.
Das Motiv wird dadurch kleiner abgebildet (so wie bei einer kurzen Lochkamera), es passt also mehr aufs Bild.

Benutzt man dagegen ein Objektiv mit langer Brennweite , verursacht der bei gleicher Aufnahmeentfernung weiter hinter liegende Bildpunkt eine vergrößerte Abbildung des Motivs.
Die jeweilige Brennweite der Objektive hat entscheidenden Einfluss auf die Bildgestaltung /-wirkung.
Auf den folgenden Seiten werde ich darauf noch detailliert eingehen. Man unterscheidet die Objektive nach ihrer Brennweite in Weitwinkel-, Normal-, und Teleobjektive.
Zu welcher Gruppe ein Objektiv gehört, hängt aber nicht nur von seiner Brennweite ab. Erst durch den Zusammenhang mit der Größe des Sensors oder Films, für die es verwendet wird, ergibt sich die passende Bezeichnung.

Warum beeinflusst die Sensorgröße ob ein Objektiv ein Weitwinkel oder Tele ist?

Nun, es geht dabei in erster Linie um das Verhältnis der Größe der Abbildung zur Gesamtgröße des Sensors oder Films. Sehen wir uns zuerst eine normale Situation an.

Normale Brennweite, normale Bildgröße

Bei dieser Sensorgröße füllt die Abbildung der Person das ganze Bild. Wenn wir jetzt Brennweite beibehalten und die Größe des Aufnahmemediums ändern, verändert sich auch das Bild.
Wenn man ein kleineres Aufzeichnungsmedium nimmt, wird das Motiv im Verhältnis zum Aufzeichnungsmedium größer wiedergegeben.
Dadurch entspricht der fotografierte Ausschnitt nun dem, der bei dem größeren Sensor mit einer längeren Brennweite fotografiert worden wäre.
Im zweiten Beispiel füllt der Oberkörper der fotografierten Person nun das halbe Bild.
Gleiche Brennweite, aber Sensor/Film kleiner

Durch den Einsatz einer längeren Brennweite (deren Brennpunkt ja bei gleicher Aufnahmeentfernung weiter hinten liegt) und eines größeren Aufzeichnungsmedium kann man das gleiche Ergebnis erzielen. Der Oberkörper der fotografierten Person füllt wieder das halbe (größere) Bild.

Längere Brennweite, normaler Sensor/Film.
Die Größenverhältnisse innerhalb der Bildgrenzen sind die gleichen wie bei der vorherigen Illustration.

Wir haben also die gleiche Bildwirkung, einmal bei Einsatz einer längeren Brennweite und das andere Mal, indem wir nicht die Brennweite verlängern, sondern die Sensorgröße verkleinern.
Für die meisten Fotografen ist dieser Zusammenhang der gestalterischen Wirkung der Brennweite in Kombination mit der Negativgröße nicht so wichtig, denn in der Praxis kann man nur recht selten die Größe des Aufzeichnungsmediums ändern.

Und was ist jetzt ein Normalobjektiv?

Ein Normalobjektiv gibt die Größenverhältnisse in etwa so wieder, wie wir sie beim Betrachten mit bloßem Auge empfinden.
Das ist dann der Fall, wenn die Objektivbrennweite ungefähr der Diagonale des verwendeten Sensors oder Negativs entspricht.

Ein Kleinbildnegativ hat eine Größe von 24 x 36 mm, die Diagonale beträgt also ungefähr 50 mm (43 mm). Ein Normalobjektiv für Kleinbildfilm hat also eine Brennweite von 50 mm.
Alle "kürzeren" Objektive (35 mm, 28 mm, 24 mm, 20 mm, ...) sind Weitwinkel, alle längeren (85 mm, 105 mm, 135 mm, 180 mm, 210 mm, 300 mm,...) sind Teleobjektive.

Cropfaktor

Der kleinere Sensor vieler Digitalkameras nutzt nur einen Ausschnitt des Bildes (besser: Bildkreises) das ein Objektiv für klassische Kleinbild- oder für sogenannte (digitale) Vollformatkameras erzeugt.
Der genutzte Ausschnitt ist in Bezug auf den Blickwinkel genau so, als hätte man ein Kleinbildnegativ oder einen Vollformatsensor in der gleichen Situation mit einer längeren Brennweite benutzt (siehe Abbildungen weiter oben).

Um die Objektive trotz unterschiedlicher Aufnahmeformate vergleichen zu können, rechnet man die Brennweiten um. Zuerst bestimmt man dem Faktor, um den ein Kleinbildnegativ (24 x 36 mm) größer ist als das tatsächlich genutzte Aufnahmeformat.
Bei vielen digitalen Spiegelreflexkameras ist dieser Faktor 1,5, bei Canon 1,6 (oder 1,3), bei Sigma 1,8, bei MicroFourThirds 2,0. Bei den Bridgekameras und erst recht bei den kleinen Kompakten und den Kameras in den Smartphones können deutlich höhere Werte bis hin zu 7 und mehr auftauchen.

Wenn man nun die eingesetzte Brennweite mit diesem Faktor, dem Cropfaktor, multipliziert, erhält man die entsprechende Brennweite, die zum gleichen Größeneindruck des Motivs auf dem Vollformatsensor oder Kleinbildfilm führen würde. Man errechnet auf diese Art die kleinbildäquivalente Brennweite.

Bei einem größeren Aufzeichnungsmedium ist auch das Normalobjektiv größer/länger.
Beim Mittelformat 6 x 6 zum Beispiel beträgt die Normalbrennweite 80 mm (55 x 55 mm große Negative). Ein 50er ist hier also schon ein Weitwinkelobjektiv. Das bei Mittelformat "normale" 80er ist bei Kleinbild ein leichtes Tele.
Und vor dem im Verhältnis winzigen Sensor einer kleinen digitalen Sucherkamera beträgt die Normalbrennweite nur (je nach Sensorgröße) etwa 11 mm oder auch weniger.
Das ganze ist aber nicht nur zahlenabhängig. Was ein Normalobjektiv ist, wird auch von persönlichen Vorlieben bestimmt. So ist für viele Fotografen im Kleinbildbereich das 35er (und nicht das 50er) das Normalobjektiv.

Auf den nächsten Seiten geht es um die unterschiedliche gestalterische Wirkung der Brennweiten.
Bei meinen Einsteiger-Fotokursen zu den Grundlagen der Fotografie spielt natürlich das passende Objektiv und das fokussieren eine große Rolle.

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