Notizen zur Fotografie ...

Einfach und billig?

Hat Ihnen der Verkäufer auch erzählt, das es einfach sei zu fotografieren?
Reingefallen!

Es ist kompliziert.
Ein beliebtes Vorurteil der Fotografie gegenüber ist, dass alles von selbst geht. Und das wird von der Fotoindustrie noch fleißig unterstützt.
Schon vor hundert Jahren schrieb Kodak: „You press the button, we do the rest.“ Das ist jedoch bis heute, trotz der ständigen Entwicklung immer hochgezüchteterer Automatikkameras, nicht wahrer geworden.

Geht doch alles automatisch! Oder?
Früher musste ein Anfänger nur lernen, wie man Blende, Zeit und Entfernung einstellt, und die Einstellungen waren an fast jeder Kamera gleich. Heutzutage dagegen muss man die Entscheidung treffen welches der vielen Automatikprogramme für das Motiv besser geeignet ist, und ob es nicht vielleicht sinnvoll ist, den Autofokus auf One Shot zu stellen.
Dann soll man womöglich einen besonderen Chip in die Kamera schieben, oder man darf mit einem Barcodeleser in der Anleitung nach Bildern suchen, die dem gewünschten Ergebnis ähnlich sehen. Zum Glück haben die meisten Fotoapparate eine „Oma-Taste“, mit der man die Kamera in Vollautomatik umstellen kann.
Leider kann kaum noch jemand sagen, was die Kamera tatsächlich bei Verwendung der verschiedenen Automatiken macht. Und in den meisten Fällen sind diese bei „besonderen“ Situationen, wie zum Beispiel Motiv außerhalb der Bildmitte oder Gegenlicht oder Bühnenfotografie oder Schneemotiven oder... überfordert.

Knöpfe Schalter Räder
Die Knöpfe zum Einstellen und die Menüs der Displays sehen bei jeder Kamera anders aus. Simple Vorgänge, wie das Beurteilen der Tiefenschärfe sind mehr oder weniger komplizierten Automatiken, die sich oft hinter umständlichen Tastenkombinationen verstecken, gewichen. Und der Abblendhebel ist dafür verschwunden.
Für denjenigen, der sich ernsthaft mit der Fotografie auseinandersetzen will, ist es heute schwieriger als früher, die grundlegenden Techniken zu erlernen.
Der Fotograf hat einige Möglichkeiten, auf das Bild Einfluss zu nehmen, und wenn Sie zum Beispiel ein gestochen scharfes Actionbild haben wollen, dann können Sie natürlich die Sportautomatik benutzen. Wenn Sie allerdings wissen, dass für ein Sportfoto eine kurze Belichtungszeit wichtig ist, können Sie mit fast allen Kameras solche Actionbilder machen.
Und für Aufnahmen mit viel Tiefenschärfe können Sie selbstverständlich eine Landschaftsautomatik wählen, aber es geht genauso gut, wenn Sie eine kleine Blendenöffnung wählen. Und das können Sie dann auch mit Opas alter Voigtländer.

Warum sagt mir das keiner?
Seit dem Beginn der Fotografie war sie ein Wirtschaftsfaktor. Man wollte Geld damit verdienen. Ein wichtiger Punkt war dabei der Kamera- und Filmmarkt. Und man kann am leichtesten Kameras und Filme verkaufen, wenn die Fotografie als einfach und von jedermann beherrschbar dargestellt wird. Durch die immer weitergehende Automatisierung des Fotografierens ist sie das auch, wenn man unter Fotografieren das richtige Belichten und die richtige Schärfe versteht.
Diese Anforderungen reichen sicherlich für Dokumentationsbilder, wie sie der Kfz-Sachverständige von einem Unfallwagen machen muß. Und auch die Ausstattung der Wohnung für die Hausratversicherung kann man so festhalten.
Doch schon wenn Sie Ihr Auto mit einem Foto zur Anzeige verkaufen wollen, gehen die Probleme los. Ein Sportwagen, frontal von vorne mit einem 200mm Teleobjektiv aufgenommen, macht halt nicht viel her. Und wenn Ihr Kleinwagen auf einmal 4,5m lang aussieht, weil Sie ihn schräg von der Seite mit 24mm aufgenommen haben, ist das sicherlich auch nicht im „Sinne des Erfinders“.
Wenn allerdings von vornherein klar wäre, daxx es wirklich schwierig sein kann, ein gutes Bild zu machen, und dass dazu viel Wissen und Erfahrung nötig sind, würden wohl kaum so viele Kameras verkauft. Und auch die Springflut von Bildermüll aus den Großlaboren würde etwas abnehmen. Die Industrie würde also weniger verdienen.

01

Billig?
Es ist banal, Qualität kostet Geld (und mehr Qualität kostet...)
Wenn Sie eine gute Fachberatung wollen, dann müssen Sie dafür (meistens) auch gut bezahlen. Wenn Sie sich erst die Beratung im Fachgeschäft holen, und dann „auf der grünen Wiese“ Ihre Kamera zum Schleuderpreis kaufen, ist das nicht nur unfair (was in diesem Zusammenhang sicherlich ein schwammiger Begriff ist), sondern Sie schädigen sich am Ende selbst. Wenn Sie das nächste Mal eine Beratung brauchen (und die bekommen Sie in der Regel im Fachmarkt nicht) hat nämlich das Fachgeschäft pleite gemacht oder Sie werden von einem Aushilfsverkäufer bedient, der noch nicht einmal den Unterschied zwischen Zeit und Blende weiß.
Ich habe es immer wie folgt gehalten: ich habe mich umgesehen, aus welcher Quelle ich die zur Auswahl stehenden Geräte am günstigsten erhalten könnte, bin dann in „mein“ Fachgeschäft gegangen und habe mich beraten lassen.
Anschließend habe ich zum Billigangebot einfach einen Betrag X (der sicherlich je nach persönlicher finanzieller Situation unterschiedlich aussehen kann) addiert, die mir der Service und die Beratung wert waren (überlegen Sie einmal, was der Klempner für eine halbe Stunde berechnet). Und auch den geringeren Aufwand für mich (keine weiten Fahrten etc.) habe ich dabei berücksichtigt,
Wenn der Preis des Fachhandels über dieser Summe lag, habe ich versucht, den Händler auf diesen Preis hinunter zu handeln. Oder ich habe versucht, den Gegenwert in Filmen oder Batterien oder ähnlichen (nötigen) Dingen zu erhalten.
Gelegentlich war allerdings der Fachhandel schon von vornherein günstiger als meine errechnete Summe.
Wenn Sie einen Fachhandel mit echter Fachberatung wünschen, sollten Sie ebenso vorgehen. Dann ist die Fotografie evtl. ein wenig teuerer, aber durch die Beratung können Sie viel Geld sparen, weil Sie sich direkt die richtige Kamera (das richtige Objektiv etc.) kaufen.
Es ist allerdings heutzutage leider schwierig, überhaupt noch einen guten Fachhändler, der für eine echte Beratung ausreichend motiviert und informiert ist, zu finden.
Manchmal warnen kleine Hinweise vor schlechten Händlern, z.B.: wenn im Schaufenster im Sonnenlicht Filme gelagert werden. Da wäre ich dann doch vorsichtig! Sie können dem Händler auch einen Besuch mit einer alten Kamera abstatten, um sich einige Funktionen erklären zu lassen. Wenn Sie nicht gerade zur Hauptgeschäftszeit kommen, wird sich ein guter Händler etwas Zeit nehmen.

Und es wird noch teurer..
Das kostspielige an der Fotografie sind nicht nur die Geräte. Die laufenden Kosten spielen ebenfalls eine erhebliche Rolle. Wenn Sie mit einem Film übers Jahr kommen, dann ist das evtl. anders, aber in dem Moment, wo die Fotografie Sie gepackt hat, wird es teuer.
Beispiel Vergrößerungen:
Bei einem Bildformat von 10/15 von Vergrößerung zu sprechen, ist eigentlich verwegen, aber sei es drum. Für 0,10 Euro dürfen Sie hier keine Meisterleistungen erwarten (eigentlich dürfen Sie nur mehr oder weniger bunten Müll erwarten). Eine gute Vergrößerung kostet schnell mehr in Euro, als ihre halbe Diagonale in cm lang ist. (Bei 10/15 wären das ca. 9cm, also 9,00Euro. Nun braucht man natürlich nicht von jedem Bild eine solche Vergrößerung, aber wenn Sie wirklich mal ein Bild „zum Aufhängen“ und Vorzeigen haben wollen, sollten Sie sich an ein Fachlabor für den Profi (sehen Sie ins Branchenbuch oder fragen Sie einen Fotografen, der selber keine Vergrößerungen verkauft, also z.B.: einen Werbe- oder einen Architekturfotografen) wenden. Machen Sie dann doch einfach mal einen Test.
Und wenn Sie für ein gelungenes Foto in 20/30cm 23,00 Euro zahlen müssen, dann haben Sie als Gegenwert eine „Handvergrößerung“, die auch feine Farbnuancen wiedergibt und tatsächlich so scharf ist, wie es das Negativ (das Sie natürlich ohne Kratzer und Schmutz zurückerhalten) zulässt. So ein Bild kann man dann wirklich zeigen. Es lohnt sich, diesen Weg für die wirklich guten Bilder zu gehen. Wenn Sie davon drei auf einem Film mit 36 Aufnahmen haben, können Sie sehr zufrieden sein!
Der Umstieg auf ein eigenes Labor, egal ob Farbe oder Schwarzweiß, bringt in diesem Zusammenhang übrigens nicht allzu viel Einsparungen. Auch dadurch fallen relativ hohe Kosten an (und sei es nur, weil Sie mehr vergrößern). Aber wenn Sie die Zeit haben, ist es ein tolles Hobby im Hobby. Und die Vergrößerungen können wirklich so werden, wie Sie sie haben wollen.

01

Entwarnung, fotografieren ist gar nicht so schwer
Nachdem Sie einige Seiten in diesem Kurs durchgearbeitet haben, werden Sie merken, daß fotografieren gar nicht *so* kompliziert ist. Es gibt ein paar Begriffe und Zusammenhänge, die Sie zu Anfang lernen und begreifen müssen, und das war's dann auch schon. Alles weitere lernen Sie nach und nach.

Und es ist auch nicht so teuer...
Wenn Sie einmal berücksichtigen, wie viel Spaß und Befriedigung die Beschäftigung mit der Fotografie machen kann, sind die Kosten gar nicht mehr so hoch. Das ist natürlich von der persönlichen Situation abhängig (ich hab in meiner Zeit als Student ganz schön bluten müssen), doch wenn ich mir ansehe, wie viel Geld für unnütze Sachen (sicherlich auch wieder eine Sache der persönlichen Einschätzung) ausgegeben wird, ist die Fotografie recht günstig.
Und wenn man erst einmal weiß, was man will, kann man auch noch viel Geld sparen. Als Neuling sollten Sie sich zum Beispiel erstmal keine Kamera kaufen. Leihen Sie sich eine (möglichst ein älteres Model, dass sich noch von Hand einstellen lässt) im Bekanntenkreis. Und die erste Kamera (im Kapitel Tips gibt es später Hinweise zur Auswahl), die Sie sich dann später evtl. kaufen, kann ruhig eine Gebrauchte sein. Nach den ersten Schritten werden Sie dann genauer wissen, was Sie wollen und brauchen, dann ist immer noch genug Zeit, ein aktuelles Modell zu erwerben.

Zur Notizauswahl