Fragen zur Fotografie ...

Frage / Antwort


"Welche Kamera ist gut für Tierbilder"

Schuster fragt:
Hallo,
Ich brauch eine Kamera für Tierbilder, das heißt sie muss gute Bewegungsbilder machen und recht scharf.
Dazu sollte sie auch Videos machen sollen. Sie sollte auch nicht mehr als 600 Euro kosten.
Würde mich über eine Antwort freun ;)
MFG




Antwort:

Fragen nach Kameratypen, Herstellern etc. werde ich hier, wie ich schon auf der Startseite zum Bereich "Fragen" geschrieben habe, nicht beantworten (können).
Aber ein paar generelle Hinweise will ich gerne geben.

Vorab: man kann mit etwas Glück und Können mit vielen verschiedenen Kameraarten und Objektiven gute Tierbilder machen. Hier geht es aber jetzt um eine Empfehlung speziell für den Zweck Tierbilder (und nicht nur um "auch für Tierbilder"), da sind die Anforderungen klarer und die möglichen Empfehlungen schon etwas spezieller auf den Zweck hin abgestimmt.

Bei so einer kleinen Balleteinlage der tobenden Hunde ist auch eine vermeintlich kurze 800stel Sekunde noch zu lang um wirklich alle Details einzufrieren.



Da Sie die Art der Tierfotografie nicht genauer beschrieben habe, gehe ich von den allgemeinen Standardproblemen bei dieser Motivgruppe aus (beim heimischen Goldhamster in seinem Käfig können natürlich ganz andere Probleme auftreten und andere Anforderungen nötig sein).
Eines der Haupthindernisse in der Tierfotografie ist der Abstand. Man kann oft nicht nah an das Motiv heran, sei es aus purer Angst (dem unbekannten Löwen gegenüber) oder wegen der Fluchtdistanz der Tiere oder um sie in ihrem Verhalten nicht zu stören bzw. zu beeinflussen. Deshalb ist oft eine lange Brennweite nötig, um trotz der Entfernung das Tier doch noch groß genug ins Bild zu bekommen.
Der sich dadurch ergebende Einfluss auf die Wiedergabe der räumlichen Verhältnisse (der Hintergrund wirkt im Verhältnis zum Vordergrund größer) kann durchaus erwünscht sein, aber selbst wenn er unerwünscht ist, lässt er sich in diesen Fällen (fast) nicht umgehen. (Siehe dazu auch: Welches Objektiv wofür?

Die lange Brennweite bringt leider schneller Verwacklungsprobleme mit sich, man benötigt also entweder viele Licht und/oder einen guten Image Stabilizer und/oder ein Stativ und/oder ein lichtstarkes Objektiv.
Bei dieser speziellen Frage geht es um Bewegungsbilder, da ist ein Stativ meist nicht hilfreich und ob das Licht beeinflussbar ist, ist auch nicht klar. Auch der Stablilizer hilft da nicht so richtig viel, weil er zwar die Gefahr der durch Bewegung der Kamera bzw. des Objektives auftretenden Verwacklung der Bilder reduzieren könnte, die Bewegungsunschärfen durch die Eigenbewegung des Objektes aber nicht verhindern kann.
Bleibt also nur die Wahl einer kurzen Belichtungszeit.
Um diese zu erreichen, kann man die Empfindlichkeit (ISO-Wert) der Kamera hochsetzen, was man aber in der Regel mit einem stärkeren Rauschen im Bild bezahlt. Speziell bei Kameras mit kleinerem Sensor (Kompaktkameras und viele Bridgekameras) tritt dieses Problem meist stärker auf.

Bleibt als letztes Mittel die Wahl eines Objektives, das besonders viel Licht zum Sensor durchlassen kann, also eine hohe Lichtstärke aufweist, bei dem man also die Blende sehr weit öffnen kann (niedriger Blendenwert - siehe Die Blende). Dafür sind größere Objektivdurchmesser, also auch größere Gläser nötig, was das ganze drastisch teurer macht. (drastisch Drastisch!)

Einige Kopmpakt- bzw. Bridgekameras bringen im Verhältnis (kleinbildäquivalent) recht lange Brennweiten mit durchaus nicht schlechten Lichtstärken mit sich. Da bleibt aber zum einen das Problem des Rauschens bestehen und vor allem ist der Autofokus an diesen Modellen oft recht langsam, da er über den Aufnahmesensor der Kamera arbeitet und nicht, wie bei Spiegelreflexmodellen und einigen Systemkameras, von besonderen Autofokussensoren gesteuert wird.

Bleibt also eine Spiegeleflexkamera mit langer Brennweite und hoher Lichtstärke.
Wird dann aber auch gleich (auch wenn man das gebraucht kauft) recht teuer, da die Einsteiger-DSLRs oft nur einen eher betulichen Autofokus haben. Das ist bei Bewegtbildern mit langer Brennweite und großer Blendenöffnung (und damit zusammenhängend geringer Schärfentiefe) leider nur suboptimal.
Bleibt schlussendlich eine eher schon (semi-)professionelle Kamera (teuer!) mit einem lichtstarken Teleobjektiv (teuer!). Und wenn man die Kamera gebraucht kauft, also ein älteres Modell erwirbt, kann sie oft kein Video.
Leider ist Tierfotografie ein Bereich (das Problem taucht auch bei Sportfotografie, speziell in der Halle, auf), der ein etwas spezielleres Equipment nötig macht. Und ich befürchte, 600 Euro werden da ziemlich knapp, speziell durch die Videoanforderung. Zumindest wird einiges an Kompromissen nötig sein.

Manche Schwierigkeit bei den Aufnahmen kann man sicherlich durch persönlichen Einsatz, Fachwissen und vorausschauender Planung umgehen. Wenn man die Tiere persönlich kennt und näher herankommt, entschärfen sich einige Punkte der oben aufgeführten Überlegungen. Auch ist es hilfreich, wenn man das typische Verhalten der Tierart kennt und sie so (evtl. durch Hindernisse oder Anfüttern oder ähnliches) steuern kann und man dadurch den Bereich, in dem das Foto entstehen soll, vorher bestimmen kann.
Wenn man dann noch etwas Glück hat,kann man auch mit einer kleinen Kompaktkamera oder mit einer kleinen DSLR mit "Universalobjektiv" (siehe diese Notiz) tolle Tierbilder machen.
Und für Sonderanforderungen und spezielle Ideen sind natürlich auch besondere Kameras interessant. Wenn man einem streunenden Kater eine kleine robuste vollautomatische Kamera umhängt oder eine Kamera im Nistkasten (natürlich vor der Brutsaison) installiert, kann man auch zu einzigartigen Tierbildern kommen.

01


Eigene Frage stellen

Was die anderen dazu meinen:

Kommentieren

(*) = Pflichtfelder

Name(*):

E-Mail(*) (wird nicht veröffentlicht):

Website (bitte inkl. http://):


Kommentar


Spamschutz(*)
Die Summe aus achtzehn und sechs: (in Ziffern)

   



zurück zu den Fragen