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Tipps / Kauf der ersten Kamera (oder auch: Welche Kamera soll ich mir kaufen?)

Kauf der ersten Kamera
(oder auch: Welche Kamera soll ich mir kaufen?)

Vorüberlegung digital:
Megapixel über alles?

Neben vielen Punkten, die auch bei der Auswahl einer anlogen Kamera eine Rolle spielen und die im folgenden Abschnitt besprochen werden, gilt es bei digitalen Kameras, egal ob Spiegelreflex- System-, Bridge- oder Suchermodell, einige Besonderheiten zu beachten:

1) Zuerst die Megapixel
Viele Megapixel – das ist gut, wenn andere Punkte darunter nicht leiden. Bei den kleinen Kompaktkameras werden oft winzige Sensoren verbaut. Je mehr Megapixel auf einen solchen Sensor gequetscht werden, desto kleiner werden die einzelnen lichtempfindlichen Bereiche, und desto weniger Licht trifft auf den einzelnen Punkt.
Stellen Sie sich das Licht wie Regen vor und die Sensorpunkte wie Eimer. Je mehr Eimer auf einem Quadratmeter stehen sollen, desto kleiner müssen sie sein, und desto weniger Regen kann jeder einzelne Eimer in einer bestimmten Zeit auffangen.
Mit Licht verhält es sich genauso.
Kleine Sensorflächen mit vielen Megapixeln bedingen kleine Sensorpunkte, die dann jeweils weniger Licht erhalten. Dadurch ist das Signal dieser Sensorpunkte schwächer, es muss verstärkt werden. Leider wird dadurch auch das Grundrauschen der Sensoren verstärkt. Natürlich versucht die Fotoindustrie, das in den Griff zu bekommen und zu verbessern. (Nicht immer aber mit schönen Ergebnissen, es gab schon digitale Kompaktkameras, bei denen durch „Rausrechnen“ des Rauschens aus der fotografierten grünen Wiese eine grün gestrichene Betonfläche wurde, weil die Kamera das vermeintliche „Rauschen“ beheben wollte.)
Es gibt natürlich auch funktionierende Verbesserungen, was die Reduktion des Rauschens angeht; heutige 12-Megapixel-Kameras rauschen weniger als fünf Jahre alte 6-Megapixel-Kameras. Aber innerhalb eines Entwicklungsstandes rauschen die Kameras mit weniger Megapixeln auf gleicher Sensorfläche in der Regel weniger.
Auf einigen Websites wie z. B. www.dpreview.com finden Sie vergleichende Bilder u. a. zum Rauschverhalten.
Für "normale" Fotos, von denen keine starken Ausschnitte genutzt werden sollen, sind 6MP in der Regel völlig ausreichend. (Mehr kann das menschliche Auge aus einer Entfernung, aus der man das gesamte Bild sehen kann, nicht erkennen. Siehe auch hier.
Mehr zu haben ist nicht unbedingt schlecht, aber die verwendeten Objektive müssen bei höheren Megapixelzahlen die gestiegene Auflösung auch mit Schärfe und Kontrast "bedienen" können, typische Einsteiger-Zooms kommen dann doch recht schnell an ihre Lesitungsgrenze.
Und das oben erwähnte Rauschverhalten sollte möglichst nicht zu stark unter den zusätzlichen Megapixelen leiden.

2) Farbtiefe
Ein Punkt, auf den beim Kamerakauf nur wenige Leute achten, ist die Auflösungsfähigkeit der Kamera in Bezug auf die Bildhelligkeit (Farbtiefe). Wie viele Stufen zwischen Weiß und Schwarz kann sie unterscheiden?
8 Bit: 256 Stufen
10 Bit: 1024 Abstufungen
12 Bit: 4096 Abstufungen
14 Bit: 16384 Abstufungen
Mehr?
Je mehr, desto besser, denn desto stärker können Sie in der Nachbearbeitung bestimmte Helligkeitsbereiche steuern. ( Siehe auch hier.

01 3)Kontrastumfang
Ebenfalls meist nicht berücksichtigt wird der Kontrastumfang, den die Kamera aufzeichnen kann. Hier geht es darum, wie stark sich helle und dunkle Stellen im Motiv unterscheiden können, ohne dass sie nur noch als Weiß oder Schwarz wiedergegeben werden.
Der mögliche Kontrastumfang und die Auflösungsfähigkeit bei unterschiedlichen Helligkeiten hängen oft zusammen. Je größer die Auflösungsfähigkeit die Kamera, desto besser ist auch ihr Kontrastverhalten.
Auch die möglichen Dateiformate sind wichtig. Wenn eine Kamera nur JPEG oder – 8 Bit – Tiff aufzeichnen kann, sind der Nachbearbeitung natürlich wesentlich engere Grenzen gesetzt, als wenn die volle „Auflösung“ der Helligkeit, also alle 10 oder 12 oder 14 Bit, in Form von RAW-Dateien gespeichert werden können. Vorsicht bei Prospektangaben: Manche Kompaktkameras, die RAW können, sind in der Praxis damit kaum zu gebrauchen, da die Speicherzeiten in den Bereich von zig Sekunden gehen.

4) Und dann die Handhabung
Einige Digitalkameras sind nur sehr schlecht zu bedienen, wichtige Punkte wie das manuelle Fokussieren (bei Kompaktkameras) oder der Weißabgleich oder die Empfindlichkeit lassen sich nicht so ohne weiteres direkt einstellen, sondern Sie müssen sich durch die verschiedenen Ebenen der Menüs hangeln. Probieren Sie unbedingt vor dem Kauf aus, ob Sie diese (oder andere für Sie wichtige) Einstellungen auch ohne Studium der Bedienungsanleitung schnell erreichen können.
Zur Handhabung gehört auch die Baugröße der Speicherkarten. Ich bevorzuge Kameras mit Karten des Compact-Flash-Typs. Wegen ihrer Größe kann man sie nicht so schnell verlieren, und man kann sie auch ohne Schutzhülle in der Tasche schnell wiederfinden und sie auch mit Handschuhen wechseln. Da die bezahlbaren Karten aber immer größer werden, muss man immer seltener unterwegs Karten wechseln.
Und so verlieren diese Handhabungsgründe an Bedeutung.

5) Qualität der Sucher
Kann man das Bild auf dem Display auch am hellen Tage noch erkennen? Kann man (evtl. auch mit Brille) das Motiv im optischen Sucher gut erkennen? Wie groß ist das Sucherbild (speziell bei Spiegelreflexkameras)? Bei digitalen Spiegelreflexkameras: Beherrscht die Kamera Liveview?

Vorüberlegung analog: nur ein Filmhalter?
Die meisten Käufer einer neuen analogen Kamera achten viel zu sehr auf die Auswahl des Kameragehäuses (engl. „body“).
Der Body beherbergt in der Regel tatsächlich viel mehr Funktionen als ein Objektiv. Und diese Funktionen und ihre Unterschiede benutzt die Werbung gerne, um die (echten oder vermeintlichen) Vorteile bestimmter Marken herauszustellen. Der tatsächliche Beitrag des klassischen Film-Kameragehäuses zum Bild wird deshalb oft überschätzt.
Eigentlich hat die Kamera ja nicht viel zu tun. Die Grundfunktionen erfüllen auch preiswerte Modelle meist durchaus zur Zufriedenheit. Denn in erster Linie muss der Fotoapparat nur lichtdicht sein und präzise den Verschluss öffnen können. Nicht ohne Grund kann man das Gehäuse also durchaus nur als „Filmhalter“ ansehen.
Bei digitalen Kameras verhält es sich natürlich ganz anders, denn hier ist der Aufnahmesensor fester Bestandteil der Kamera. Die Leistung dieses Sensors lässt sich nachträglich nicht mehr verbessern, wenn man von Updates der Firmware absieht.

Was zählt
Aber auch eine analoge Kamera ist für viele mehr als nur ein Filmhalter. Sie befriedigt auch das Imponiergehabe (mit Kamerabodys kann man bei Fotolaien viel besser angeben als mit Objektiven). Und die Vielzahl technischer Funktionen in einer Kamera sowie deren „saubere“ technische Ausführung macht sie zu einem interessanten technischen Spielzeug, das man gerne in die Hand nimmt.
Doch das sind alles keine „fotografischen“ Gründe für die Wahl eines Kameragehäuses. All diese Punkte sieht man dem Foto später in der Regel nicht an. Gerade die technische Qualität des Bildes wird zumindest im analogen Bereich viel stärker durch die Objektive beeinflusst. Die unterschiedliche Leistungsfähigkeit einzelner Objektive ist den Bildern in der Regel sehr deutlich anzusehen spätestens bei „richtigen“ Vergrößerungen und bei der Diaprojektion.
In der Regel ist ein teureres Objektiv auch ein besseres Objektiv, und es gilt eben leider auch umgekehrt: Ein gutes Objektiv ist meist ein teures. Dieser Preis für ein gutes Objektiv, der sich später oft in Form besserer Bilder auswirkt, sprengt manchmal leider das Budget. Doch es wäre falsch, auf ein gutes Objektiv zu verzichten, wenn man sich eine gute Kamera kauft.
Wenn Sie jetzt zum ersten Mal eine Kamera kaufen wollen, sollten Sie sich also genau überlegen, wie viel des zur Verfügung stehenden Geldes Sie nicht in das Objektiv, sondern in die Kamera investieren wollen.

Wichtige Voraussetzung
Wenn Sie sich nun eine neue Kamera zulegen wollen, ist eins (neben dem nötigen Geld) besonders wichtig:
Zeit

Sie sollten sich wirklich viel Zeit nehmen und mit so vielen Händlern und fotografierenden Freunden wie möglich sprechen. Holen Sie sich Infomaterial, schreiben Sie nötigenfalls die Hersteller an.
Anmerkung
Wenn Sie in einem Geschäft eine gute Beratung erhalten, dann sollten Sie die Kamera auch dort und nicht irgendwo anders kaufen. Denn diese Beratung brauchen Sie evtl. später auch noch. Falls der Preisunterschied zu groß ist, sprechen Sie mit dem Händler, oft ist nämlich „noch etwas Luft drin“. Vielleicht gibt es eine kleine Speicherkarte, ein paar Filme oder etwas Ähnliches umsonst. Sie dürfen natürlich auch dann versuchen zu handeln, wenn der Preis eigentlich „gut“ ist.

Vorsicht mit Informationen und Beurteilungen aus dem Internet. Diese Quellen können sehr hilfreich sein, aber leider sind sie nicht immer hundertprozentig zuverlässig.
Am besten ist es, wenn Sie sich vor dem Kauf das entsprechende Gerät ausleihen können, um festzustellen, ob es tatsächlich das kann, was Sie erwarten oder wünschen oder brauchen.

Eine Kamera leihen
Wenn Sie noch nie (oder nur selten) fotografiert haben, ist es schwierig zu entscheiden, was Ihre zukünftige Kamera alles können muss.
Vielleicht haben Sie ja die Möglichkeit, sich bei Freunden oder Verwandten (am besten für einen längeren Zeitraum) einen Fotoapparat auszuleihen. Einige Händler bieten einen Leihservice gegen Gebühr, die dann beim späteren Kauf angerechnet wird.
Nachdem Sie dann die ersten Erfahrungen gemacht haben, werden Sie schon etwas genauer wissen, was Sie brauchen.

Eine gebrauchte Kamera zum Ausprobieren
Sonst versuchen Sie doch Ihr Glück mit einer gebrauchten Kamera. Die können Sie nämlich mit wenig Verlust nach einiger Zeit weiterverkaufen und sich dann viel besser entscheiden.
Wenn Sie diese „Gebrauchte“ im Geschäft kaufen, müssen Sie zwar in der Regel etwas mehr bezahlen, aber dafür haben Sie dann Anspruch auf Garantie (Gewährleistung), falls ein Defekt auftritt. Vielleicht hilft Ihnen ja auch ein Freund bei der Besorgung von privat.
Unbedingt sollten Sie vorher die Preise vergleichen. Dabei sind sowohl Anzeigenblätter als auch Fachzeitschriften, die Schaufenster der Händler und die Internetauktionshäuser eine gute Informationsquelle.
Wenn Sie eine Kamera gebraucht kaufen, achten Sie darauf, dass sie auch benutzt wurde. Viele Fotoapparate und Objektive liegen nämlich nur in der Schublade herum. Und das tut einer Kamera nicht gut! Die Blendenlamellen (oder besser das Schmiermittel dazwischen) zum Beispiel können verharzen, so dass sich die Springblende nicht mehr richtig schließt. (Sie erhalten dann zumeist unerklärlicherweise überbelichtete Aufnahmen.)
Das sollte Sie aber nicht von einem Kauf von privat abhalten. Vielleicht ist der Verkäufer ja bereit, Ihnen die Kamera erst einmal für einige Zeit zu überlassen, damit Sie Testaufnahmen machen können.

Die Kamera testen
Sie sollten den Fotoapparat gründlich prüfen und dabei folgende Punkte beachten:
  • Ist der Spiegel oder das Okular verschmutzt? (Das ist zwar nicht schlimm, aber darüber können Sie evtl. den Preis „drücken“.)
  • Ist das Display matt oder gar verkratzt?
  • Kratzer am Gehäuse sind nicht tragisch; wenn Sie aber die Kamera später einmal weiterverkaufen wollen, kann das den Wiederverkaufswert senken.
  • Zeigen die Verbindungsstellen von Kamera und Objektiv starke Gebrauchsspuren?
  • Lässt sich das Objektiv problemlos demontieren?
  • Lässt sich alles ohne Knarren oder Knarzen bewegen (auch Zoom/ Scharfeinstellung des Objektivs)?
  • Bei einer digitalen Kamera sollten Sie auf Hotpixel, Stuckpixel und Dreck oder gar Schlieren oder Kratzer auf dem Sensor achten.
  • Gerade bei einer digitalen Kamera ist es wichtig, dass möglichst alles Zubehör aus dem Lieferumfang inklusive Software und Anleitung mit verkauft wird.
  • Ist die Filmandruckplatte (auf der Innenseite der Rückwand) frei von Kratzern und sauber? Das gilt für den gesamten Filmtransportbereich.


01 Das Objektiv testen
Sie sollten auch das Objektiv gründlich prüfen. Folgende Punkte sind dabei wichtig:
  • Schließt die Blende beim Auslösen (und öffnet sie sich hinterher auch wieder)? Die Bewegungen sollten sofort und schnell erfolgen.
  • Befindet sich Dreck oder Staub am Objektiv, ist dies zwar nicht immer schlimm, es sollte aber nicht sein und ist in jedem Fall eine Möglichkeit, den Preis zu kürzen. Nehmen Sie eine Taschenlampe mit, um das zu überprüfen. Dann erkennen Sie auch, ob die Gläser der Objektive „vernebelt“ oder von Pilz befallen sind. Vor allem sollten Sie auch den Rand der Linsen (auch der inneren) begutachten.
  • Fingerabdrücke und Kratzer auf den inneren Linsen deuten ebenso wie beschädigte Schrauben darauf hin, dass das Objektiv bereits einmal nicht ganz sachgemäß zerlegt und zusammengesetzt wurde. Es ist dann vielleicht nicht mehr hundertprozentig justiert.
  • Es dürfen auf dem Objektiv keine Kratzer zu sehen sein, sie können die optische Leistung verschlechtern. Auf der Vorderseite sind Kratzer nicht so schlimm, auf der Rückseite können sie die Leistung des Objektivs drastisch verschlechtern. Auf der Vorderseite kann sich durch Kratzer insbesondere die Streulichtanfälligkeit erhöhen.
  • Läuft die Mechanik des Objektivs sauber? Sie sollte gleichmäßig über den gesamten Einstellbereich laufen, ohne Kratzgeräusche und ohne Hakeln bzw. Bereiche, in denen sie zu leichtgängig ist. Der Blendenring sollte sauber und definiert einrasten.
  • Bei Schiebezooms: Wandert das Zoom, wenn Sie es mit der Frontlinse nach unten halten? Dann könnte die Mechanik ausgeleiert sein. Manche Zooms tun das allerdings schon „ab Werk“.
  • Schließt und öffnet die Blende schnell und gleichmäßig?
  • Sind die Blendenlamellen sauber? Es sollte kein Öl oder Fett darauf zu sehen sein.
  • Ist das Bajonett in Ordnung? Starke Schleifspuren und Schäden am Rand der „Flügel“ lassen auf einen harten Einsatz und/oder zu wenig Pflege schließen.
  • Ist das Filtergewinde in Ordnung? Ein Filter sollte sich ohne Widerstand einschrauben und wieder losdrehen lassen.

Wenn Sie Testaufnahmen (für analoge Kameras nehmen Sie am besten Diafilm) machen wollen, sollten Sie zunächst eine Reihe Aufnahmen mit unterschiedlichen Blenden-Zeit-Kombinationen machen. Das heißt: Ermitteln Sie die richtige Belichtung für eine „durchschnittliche“ Szene (Tageslicht, im Freien, kein Gegenlicht). Die Helligkeit sollte über einen längeren Zeitraum gleich bleiben, also bitte nicht in der Dämmerung oder mit schnell ziehenden vereinzelten Wolken testen.
Dann machen Sie mit allen nach dieser Messung möglichen Zeit- Blenden-Kombinationen eine Belichtung. Falls möglich, nehmen Sie auch die langen Zeiten (es geht hier nur um die Belichtung, die Aufnahmen können ruhig verwackelt sein).

Testbeispiel Belichtung
Angenommen, der Belichtungsmesser sagt Ihnen: 1/60 Sekunde & Blende 11, dann sollten Sie mit folgenden Einstellungen fotografieren:
1/1000 2.8
1/500 4
1/250 5.6
1/125 8
1/60 11
1/30 16
1/15 22
Falls möglich, probieren Sie das Gleiche auch mit einer Innenaufnahme, um die längeren Zeiten zu testen.

Auswertung des Belichtungstests
Wenn Sie den Test auswerten, müssten alle Belichtungen in der Helligkeit gleich sein. Wenn alle (gleichmäßig) etwas fehlbelichtet sind, ist das nicht so schlimm. Entweder haben Sie falsch gemessen, oder der Belichtungsmesser ist nicht „richtig“ eingestellt/justiert. Das lässt sich über die Benutzung von Korrekturwerten beheben. Sollte jedoch eine Aufnahme in der Reihe aus dem Rahmen fallen, so deutet dies auf einen Blenden- oder Zeitfehler hin.

Testbeispiel Schärfe (für Spiegelreflexkameras)
Nehmen Sie eine Zeitungsseite mit viel Text. Spannen Sie diese mit Klebeband auf eine stabile Unterlage, z. B.: einen Tisch. Richten Sie die Kamera (parallel zu den Zeilen) schräg (etwa 30°– 45°) auf die Zeitung.
Stellen Sie auf eine der Zeilen scharf und markieren Sie diese mit einem Bleistiftpfeil. Machen Sie nun Ihre Aufnahme einmal mit ganz geöffneter Blende (und entsprechender Zeit). Dies ist die erste Testaufnahme.
Für die zweite Testreihe müssen Sie die Zeitung an eine Wand (oder die Tür) spannen. Stellen Sie ihre Kamera gerade davor, so dass die Zeitung das gesamte Sucherbild ausfüllt. Wichtig ist, dass die Kamera „wirklich“ gerade auf die Zeitung ausgerichtet ist.
Das können Sie mit einem Spiegel, den Sie auf die Zeitung halten (lassen), überprüfen. Durch den Sucher müssten Sie in der Bildmitte den Spiegel und in diesem das Spiegelbild des Objektivs sehen können, wenn Sie die Kamera gerade ausgerichtet haben.
Machen Sie drei Aufnahmen, nachdem Sie sorgfältig scharf gestellt haben, das erste Bild mit ganz geöffneter Blende, das zweite mit Blende 8 und das dritte mit ganz geschlossener Blende.
Die Zeit müssen Sie natürlich jeweils korrigieren. Sie können diese Testreihe aus verschiedenen Abständen ausführen, aber die Zeitung sollte das ganze Sucherbild ausfüllen.

Auswertung Schärfetest
Ist auf der ersten Aufnahme die markierte Zeile scharf? Falls eine andere scharf ist, ist sehr wahrscheinlich entweder die Mattscheibe dejustiert, da Sie auf der Mattscheibe ein scharfes Bild erhielten und auf dem Sensor oder Film, der genauso weit vom Objektiv weg sein sollte, das Abbild unscharf ist. Oder der Autofokus ist defekt.
Möglicherweise liegt allerdings auch ein Defekt an der Filmplanlage vor bzw. der Aufnahmesensor ist „verrutscht“ (das ist aber unwahrscheinlich).
Nun sehen Sie sich bitte die zweite Testreihe an. Sie sollten nicht nur in der Mitte, sondern auch am Bildrand in den Ecken die Zeilen lesen können (Schärfe). Wenn die Schärfe in den Ecken der ersten Aufnahme nicht ausreicht, gehen Sie zur zweiten. Hier muss alles bis in die Ecken scharf sein, sonst ist das Objektiv schlecht. Zur Sicherheit oder zum Vergleich können Sie sich die dritte Testaufnahme ansehen. Hier sollte nun wirklich alles gleichmäßig scharf sein; vielleicht sinkt sogar die Schärfe wegen der Beugungsunschärfe.
Wenn eine Unschärfe nur an einer (oder zwei) Seiten auftritt, dann ist womöglich der Objektivanschluss nicht mehr parallel zur Filmebene, was auf einen Fallschaden hinweisen kann. Eine Reparatur ist meist sehr kostspielig.

Welche Kamera brauche ich?
Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Wenn Sie die Fotografie ernsthafter betreiben wollen, werden Sie gerade im Digitalbereich um eine Spiegelreflexkamera oft nicht herumkommen. Dass Sie sich gleich zu Anfang eine Mittelformatkamera oder sogar eine Großbildkamera zulegen wollen, ist eher unwahrscheinlich. Ich werde in der folgenden Aufzählung überwiegend auf die „Kleinbild“-Spiegelreflex und Systemkameras eingehen.

Meiner Meinung nach wichtige Kriterien sind:
  • manuelle Einstellmöglichkeit für Zeit und Blende oder eine manuelle Belichtungskorrektur als zumindest teilweiser Ersatz für manuelle Einstellung, im Notfall zumindest AEL. Gerade bei den als Kompromiss von Größe, Bildqualität und Gestaltungsmöglichkeiten interessanten Systemkameras ist das bei einigen Herstellern ein trauriges Kapitel.
  • Stativgewinde und Filtergewinde (beides fehlt bei kleineren Kameras leider öfter)
  • Automatik mit Zeit- und/oder Blendenvorwahl
  • wenn Autofokus, dann mit einzeln steuerbaren Messfeldern und einer Möglichkeit, den Autofokus vom Auslöser zu trennen (oft über die sogenannten Individualfunktionen gelöst)
  • bei Analogkameras: Abblendtaste
  • Batteriesorte (sie ist wohl nur noch für analoge Kameras wichtig. In meinen Kursen hatte ich oft Teilnehmer, die auf Lithiumbatterien, sogenannte Lithiumblöcke, angewiesen waren; diese sind sehr teuer – bis über 15 Euro; oft halten sie nur einige Filme lang, so dass man auf den Filmpreis direkt 2,50 Euro für die Batterie aufrechnen konnte.)
  • Am günstigsten ist es (für den Geldbeutel und wohl auch für die Umwelt), wenn eine Kamera und auch das Zubehör mit aufladbaren Akkus betrieben werden können, wie es im Digitalbereich eigentlich durchgängig üblich ist.
  • verschiedene Messmethoden (eventuell inklusive Spotmessung)
  • Anschluss für Drahtauslöser oder andere Fernauslösemöglichkeit
  • TTL-Blitzlichtmessung (sie sollte aber individuell korrigierbar sein)
  • Garantiebedingungen
  • Zubehör
  • Herstellersupport
    Zusätzlich bei Digitalkameras:
  • guter optischer Sucher, der bei DSLRs möglichst das ganze Bild zeigt
  • großer Sensor
  • Auto Bracketing
  • Speicherkartenfomat Compact Flash (sehr weit verbreitet und auch unter widrigen Umständen, z. B. mit Handschuhen, zu wechseln), alternativ SD-Card; oder, wenn sie etwas preiswerter geworden sind, die heute (2012) noch neuen, schnelleren XQD-Cards
  • wenn möglich mehrere Speicherkartenslots
  • Histogramm (evtl. zusätzlich ein „Live-Histogramm“)
  • Clippinganzeige
  • Liveview
  • Steuerung der Kamera über einen angeschlossenen Computer (evt. unter Nutzung von Liveview)
  • Bildstabilisator (im Kameragehäuse oder Objektiv)
  • schnelle Serienbildfunktion (auch gegen Verwackeln)
  • schnelles Speichern
  • direkter Zugriff auf wichtige Funktionen wie Zeit, Blende, ISO und Weißabgleich
  • RAW
  • Standard-USB-Anschluss an der Kamera; am besten wohl in Zukunft in USB 3.0, heute aber noch nicht allgemein erhältlich
  • vernünftiger RAW Konverter, nicht nur nach kurzer Zeit funktionslose Demoversionen

Meiner Meinung nach unnötige Features:
  • Programmautomatiken oder Motiv- oder Szenenautomatiken
  • eingebautes Blitzgerät
  • Hyper-Super-Megazoom (lässt sich oft durch Ausschnittvergrößerung ersetzen, siehe auch hier

Aber Vorsicht: Dies sind "meine" Kriterien. Ihre können davon natürlich abweichen.

Der Kauf der zweiten Kamera kann deutlich einfacher werden. Führen Sie über einen längeren Zeitraum eine Liste der Ausstattungsdetails, die Ihnen an Ihrer derzeitigen Kamera fehlen oder die Sie in der Handhabung stören. Dann brauchen Sie bei der Auswahl der zweiten Kamera nur noch zu überlegen, ob diese als Ersatz für Ihr derzeitiges Modell alle Punkte erfüllen muss oder ob sie, als Zusatzkamera, speziell die fehlenden Möglichkeiten bieten soll.

01

Bei der Entscheidung für das zweite Objektiv ist es etwas komplizierter. Regelmäßig werde ich gefragt: "Ich habe bereits das Objektiv XYSS 17–55, 3.5–6.6, welches soll ich mir den jetzt als nächstes kaufen?" (siehe auch Welches Objektiv für Menschen?
Die Antwort darauf ist einfach: "Gar keines". Solange Sie nicht wissen, was Ihnen fehlt, brauchen Sie auch nichts Neues.
Die Fotoindustrie versteht es eben sehr gut, den Eindruck zu erwecken, als müsse man als Fotograf für alle Eventualitäten gewappnet sein und dafür auch einen große Zahl möglicher Brennweiten aufweisen (und mitschleppen), entweder als einzelne Objektive (das freut dann zusätzlich die Taschenhersteller) oder als sogenanntes Allround oder „Immerdrauf“-Objektiv (auch gerne Superzoom genannt).

In der Praxis sieht aber oft doch anders aus.
Viele Fotografen haben eine Lieblingsbrennweite, weil diese die Proportionen von Vorderund Hintergrund im Bild so wiedergibt, wie der Fotograf es bevorzugt (siehe dazu das Kapitel:"Welches Objektiv wofür?" im Bereich Objektiv.).)
Bei mir ist es z. B. die Brennweite von 35 mm (kleinbildäquivalent). Damit kann ich einen Großteil "meiner" Bilder machen. Bei Aufträgen brauche ich natürlich oft unterschiedliche Brennweiten. Aber wenn ich als "Berufsamateur" nur für mich fotografieren gehe, reicht mir meist die 35er Optik. Weitere Brennweiten nehme ich dann in der Regel nicht mit. Ich muss zwar manchmal auf das eine oder andere Bild, z.B das einer Gämse auf dem nächsten Berggipfel, verzichten (alles in allem gefühlte 15 Prozent) , aber dafür bin ich mit leichtem Gepäck unbeschwert(!) unterwegs und kann mich auf das konzentrieren, was ich wirklich möchte.
Wenn Sie unbedingt ein Objektiv kaufen wollen, ohne bereits genau zu wissen, was Ihnen fehlt (vielleicht sollen Sie es ja auch geschenkt bekommen), kann ich Ihnen ein paar Tipps geben, die ich auch den Teilnehmern meiner Kurse immer gebe:
  • Lichtstärke ist oft wichtiger als ein großes Brennweitenspektrum. Viele meiner Kursteilnehmer haben sich für ihre DSLR mit APS-C Sensor auf meinen Rat hin ein Objektiv mit Brennweite 50 mm und einer Lichtstärke von 1.8 gekauft (die gibt es bei manchen Kameraherstellern sehr preisgünstig) und waren von den Möglichkeiten, bei wenig Licht und mit recht geringer Schärfentiefe zu fotografieren, sehr angetan.
  • Kurze Brennweiten sind im Alltag oft sinnvoller. Wenn Sie nicht zu den Tierfotografen oder Sportenthusiasten gehören, die zwangsweise aus großer Distanz fotografieren müssen, werden Sie in vielen Fällen mit kürzeren Brennweiten besser bedient sein. Der „Habenwollen“-Faktor ist bei längeren Brennweiten zwar größer, und die Fernglaswirkung befriedigt auch niedrigste Bedürfnisse, aber in der Fotopraxis ist ein deutliches Weitwinkel oft sinnvoller, auch wenn die Zahlen und die relativ kleinen Gehäuse vielleicht nicht ganz so viel hermachen.