Notizen zur Fotografie ...

RAW Dateien sind wie Wein, sie reifen mit der Zeit.

Ein oft unterschätzter Vorteil bei RAW-Dateien ist, dass sie nur den bei der Aufnahme durch Objektivleistung, Kameratechnik und Belichtungseinstellungen bedingten technischen Grundzustand eines Digitalfotos festhalten. Diese technischen Aufnahmeparameter und die rein physikalische Leistungsfähigkeit der Kamera lassen sich nachträglich natürlich nicht mehr beeinflussen, auch nicht bei RAW.
Aber der ganze sich an die Belichtung anschließende Prozess der Interpretation dieses Grundbildes zu einem "richtigen" Foto (also vom "Demosaiking" und dem damit verbundenen "Erfinden" der Bildfarben über die Festlegung von Helligkeit und Kontrast bis hin zum angepassten Schärfen des Bildes) kann nachträglich verändert und optimiert werden. - Wenn man diese Grunddaten nicht verwirft.
Wer RAW Dateien speichert und aufbewahrt, hat so die Möglichkeit, später den Umwandlungsprozess mit anderen Parametern (erneut oder zum ersten mal) zu starten. Und wenn die technische Weiterentwicklung dieser Möglichkeiten diesen Umwandlungsprozess erweitern, kann man diese auch später noch für bereits längst fotografierte Bilder nutzen.
Wer RAW nutzt, kann also von der weiteren zukünftigen technischen Entwicklung der Wege zum fertigen Bild profitieren. Es sind dann evtl. Ergebnisse möglich, die bei der Aufnahme des Bildes noch nicht zu realisieren waren.

Konkret
Vor einigen Tagen (Februar 2012) habe ich etwas mit der aktuellen Betaversion von Lightroom 4 experimentiert. Und dabei ist mir ein gutes Beispiel für dieses "Reifen" oder "Mitwachsen" der RAW Dateien unter die Maus gekommen. (Mittlerweile gibt es Lightroom 4 auch in der Endversion zu kaufen).

Es geht dabei um das Thema Moiré.
Solche Moirés entstehen durch das Überlagern gleichmässiger Muster. Sie werden das evtl. aus dem TV kennen, wenn das Muster des Kamerasensors oder des Monitors und das Muster des kleinkarierten Sakkos des n Nachrichtensprechers in flirrende Wechselwirkung treten.

Moiré

Wenn der Fehler in der Fotografie durch das Zusammenspiel von Monitor und Abbild des Objektes entsteht, ist es nicht so tragisch, durch eine kleine Größenänderung des Bildes kann man ein solches Moiré oft vollständig unterdrücken oder seine Wirkung zumindest reduzieren.
Wenn das Moiré dagegen durch das Zusammenspiel des Musters des Aufnahmesensors und dem des Objektes entstanden ist, wird es schwierig, nachträglich etwas daran etwas zu ändern. Das Moiré ist dann quasi mitfotografierter Bestandteil des Bildes.
Ich kenne ein Verfahren, dass ich unter anderem in meinem Buch "100 clevere Tipps: Digitalfotografie"

(216 Seiten, viele Illustrationen, 14,95 Euro ISBN: 3869101776 )
veröffentlicht habe.
Die Ergebnisse sind nicht schlecht, aber auch noch lange nicht perfekt.
In der neusten Version von Lightroom wird, sowie es nach der derzeitigen Beta aussieht, nun ein sehr wirkungsvoller "Moiré Pinsel" eingebaut sein, mit dem man selektiv in einer Bilddatei das Moiré entfernen kann.

Der Moiré-Pinsel

Mit diesem Werkzeug kann man recht gut Moirés entfernen. Auf ein JPEG oder TIFF angewandt, ist das Ergebnis vollautomatisch so gut wie meine Handarbeit. Schon nicht schlecht.

Ergebnis nach Korrektur einer JPEG Datei.

Doch Lightroom ist ja nur in zweiter Linie zum Korrigieren von JPEGs gedacht, in erster Linie ist es ein RAW-Konverter. Und mit RAW-Daten spielt der Moiré Pinsel seine Fähigkeiten erst richtig aus. Die Korrektur wird so erst richtig gut (und deutlich besser, als ich das hinbekomme.)

Ergebnis nach Korrektur einer RAW Datei.

Wer bei der Aufnahme nur auf JPEG setzt oder nach der Konvertierung der RAWs diese gelöscht hat, kann diese Fortschritte der Bildoptimierung bei der RAW-Konvertierung für seine alten Bilder nicht mehr nutzen (zumindest nicht in optimaler Qualität).
Wer aber die RAWs als Orginale (als seine "Negative") begreift und enstprechend sorgsam damit umgeht, gewinnt durch die technische Weiterentwicklung der Software eine höhere Bildqualität auch für bereits schon lange fotografierte Bilder.

Hier noch einmal die entsprechenden Bildausschnitte zu direkten Vergleich, nach Klick aufs Bild in der 100% Ansicht.

Von links nach rechts: unkorrigiert - händische Reparatur - Moiré Pinsel an JPEG - Moiré Pinsel an RAW.


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