Notizen zur Fotografie ...

Rückschau auf die Photokina 2012

Drei Tage Photokina, bei mir waren das drei Tage mit Gesprächen und Bildern und Kameratechnik.
Viel angesehen, über manches gefreut, über anderes geärgert und geschimpft. Zwischendurch ein kleines Interview gegeben (bei FotoTV), Vorträgen gelauscht, Freunde getroffen, interessante "Erfinder" kennengelernt. Und an einem Abend noch ein Treffen beim Mexikaner mit den alten Bekannten aus d.r.f (Newsgroup).

Die Themen
Das große Thema war diesmal nicht so einheitlich. Bei der letzten Photokina war noch "3D" der Megabegriff der über allem schwebte. Alles war damals irgendwie 3D, ob Kameras, Monitore oder Spezial-"Papiere". Es gab wohl keinen Stand ohne dieses "3D".
Das war jetzt völlig anders.
3D selber scheint 2012 in Bezug auf Foto (und Video?) mehr oder weniger tot zu sein (wenigstens halbtot, manchmal zuckt ja noch was). Zumindest machte es auf der Photokine den Eindruck. Ich hatte sogar das Gefühle, dass einige Firmen Angst hatten, sich an der Leiche zu identifizieren, so auffällig war die Abwesenheit von 3D.
Neben der Nichtpräsenz von 3D gab es natürlich noch einige andere Unterschiede zu Photokina 2010.
So war diesmal eben nicht der eine (neue) Megatrend auszumachen, stattdessen gab es viele kleinere bis mittelgroße.


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Betrübsystem?
Ein großes Thema waren die vermeintlich ersten Kameras mit Betriebssystem. Natürlich haben ja schon jetzt alle Knipsdinger von groß bis klein eine Art Betriebssystem, aber zukünftig geht es um die Möglichkeit, die Kamera als Computer zu nutzen. Damit kann man dann fotografienahe Aufgaben lösen.
Dabei geht es dann um Bildbearbeitung (soweit diese bei den kleinen Displays und den schlechten Eingabemöglichkeiten sinnvoll ist, Bildverwaltung (Stichwortvergabe) und auch um Veröffentlichung, in erster Linie durch Einbindung der Zugänge zu den sozialen Netzwerken
Auf den Kameras wird dazu meist Android genutzt, es könnten dann später sogar Apps nachgeladen werden. Und wer weiß, evtl können diese Kameras eines Tages sogar telefonieren. ;-)
Durch das Betriebssystem und einen mobilen Internetzugang gibt es in der Zukunft vielleicht sogar ganz neue Geschäftsmodelle.
Die Hersteller könnten die Kameras dann quasi verdongeln, so wie es bei den vetragsgebundenen Handys der Fall ist. Die Bilder würden dann verschlüsselt abgespeichert, nur die Software vom Kamerahersteller könnte sie am Computer anzeigen und nur das kooperierende Labor könnte sie ausdrucken. Und wer seine Bilder anders nutzen will, muss sie erst (kostenpflichtig) freischalten.

Damit wären Geschäftsmodelle ähnlich zu den Tintenstrahldruckern möglich.
Die Hersteller (oder der Zwischenhandel) könnten dank Bildkennung die Kameras auch mit einer Motivbindung anbieten. Eine Kamera mit einer reinen Portraitoption wäre dann etwas günstiger zu kaufen. Und wenn man später feststellt, das man auch die eine oder andere Landschaft fotografieren möchte, kann man diese per In-Kamera-Kauf nachrüsten.
Oder man bekommt die Kamera in Zukunft ähnlich wie Handys zu einem verführerisch günstigen Preis, muss aber später teuer nachkaufen, wenn die Anzahl der Bilder aufgebraucht ist. Evtl. gibt es die Kamera sogar mit einer Foto-Flatrate. Aber nach Überschreiten der zulässigen Portraitanzahl lassen sich dann nur noch Landschaftsmotive fotografieren.
Mit etwas mehr Entwicklung im Bereich Bilderkennung sollte das realisierbar sein.
Wir dürfen gespannt sein, was der Fotoindustrie da noch einfällt

Ein Trendlein
Ein anderer, eher kleinerer Trend auf der Photokina waren kostspielige DeLuxeKameras. Darunter fällt für mich vor allem eine auffällig bewusst auf "anders" getrimmte Kamera von Hasselblad, die Lunar, die mit wechselbaren Applikationen versehen individualisierbar ist. Eigentlich handelt es sich, so vermuten zumindest viele,"nur" um eine Sony Nex7. Aber der Kaiser hat neue Kleider bekommen aus edlen Hölzern, Metallen und High-Tech-Werkstoffen.
Ob das auf das fotografische Innere und damit auf das, was hinten rauskommt, durchstrahlt, weiß ich nicht. Das Portemonnaie wird jedenfalls schnell unangenehm leer, wenn man nicht zur Gruppe derer gehört, die die 5000 oder mehr Euro Anschaffungswiderstand als "Klimpergeld" bei sich tragen. (Ob der Name "Lunar" ein Hinweis auf den "Mondpreis" ist?)

Wo wir durch die bei Hasselblads vermutlich verbaute Nex7 schon bei SONY sind, bleiben wir da einfach noch etwas. Sony hat so eine richtig schöne "Oberstudienratkamera" (das meine ich jetzt gar nicht abschätzig ;-) ) herausgebracht haben, die RX-1. Zumindest früher wäre sie wohl so genannt worden, den heutigen Fotomodetrends entsprechend ist es wohl eine "Street"-Kamera. Ist ja zur Zeit eh alles irgendwie "Street", da kann der Begriff gar nicht falsch sein.

Die Oberstudienratkamera


Sie ist mit 3000 oder mehr Euro für eine Vollformatgehäuse mit festem 35er 2.0 sicher ausreichend teuer, um dem persönlichen Renommee auf Gruppenreisen zu Bildungszwecken zuträglich zu sein. Und sie ist unauffällig genug, um nicht sofort in jedem Basar als wertvolles potentielles Diebesgut identifiziert zu werden - ihr fehlt halt der rote Fleck. Wie ihre fotografischen Fähigkeiten sind, bleibt abzuwarten, man konnte sie noch nicht testen. (Was ich auf jeden Fall gerne machen würde, als "Fotolehrer" bin ich ja quasi die doppelt personifizierte Zielgruppe. ;-) ) Mich würde das Ding schon reizen, aber es hat auch konzeptionelle Fehler. Mir fehlt ein echter Sucher, das Display allein ist nicht genug.
Und noch etwas fehlt: eine solche Kamera wird sicher häufig von Nichtautomatik-Fotografen benutzt, denen ein Einstellrad für den ISO-Wert eher helfen würde als eins für die im "M" Modus unnütze Automatikkorrektur.
Dieses Manko teilt die Sony mit den Fuji X Kameras.

Ich habe eine Fuji X 100 und habe mir auf der Photokina die abgerüstete X-Pro-1, die X-E1 angesehen (die könnte, die passenden Objektive vorrausgesetzt, der X100 bei mir Konkurrenz machen).
Schöne Kamera, aber leider mit dem gleichen Manko des falsch belegten Einstellrades (Belichtungskorrektur statt ISO). Und mit den gleichen Fehlern in der Firmware wie bei meiner X100.
Der für die Berechnung und graphische Anzeige der Schärfentiefe (sehr nützlich) verwendete Zerstreuungskreis ist viel zu klein. So wie er derzeit verwendet wird, bedient er die Schärferwartungen von Pixelpeepern, die ihre Bilder in der 100% Ansicht mit der Nase am Monitor abgrasen.
Wer dagegen nicht der Fototechnik in Form der Schärfeleistung huldigt, sondern die Bildgestaltung sehen und honorieren will, der wird das Bild als Ganzes erfassen wollen.
Dazu ist ein bestimmter Abstand vom Bild nötig, der mit steigende Bildgröße immer größer wird und einen deutlich größeren Zerstreuungskreis als den in der Fuji Firmware angenommenen zulässt. Durch die derzeitige Abstimmung des Zerstreuungskreis ist der graphische angezeigte Schärfentiefen viel zu knapp berechnet.
Mehr zu dem Thema finden Sie in der Notiz "Megapixel-Megaschärfe".

Der zu klein angenommene Zerstreuungskreis ist leider nicht das einzige Problem, das die E1 mit der X100 teilt.
Die Firma Fuji hat es bei beiden Modellen bisher nicht geschafft, die Clippinganzeige, die nach der Belichtung die ins Weiß ausbrennenden Bereiche im Bild anzeigt, direkt nach der Aufnahme anzuzeigen. Das macht jede kleine Feld-Wald-und-Wiesen-DSLR,die nur ein Drittel kostet, besser. Diese Clippinganzeige erhält man bei Fuji erst, wenn man die Bilder im Wiedergabemodus anschaut. Ein schnelle Kontrolle sieht anders aus. Die Änderung des Anzeigeverhaltens ließe sich, wie auch die Anpassung des Zerstreuungskreises, per Firmware nachrüsten.
Scheinbar hat man bei Fuji daran aber kein Interesse. Schade!

Und noch ein Trend
Ein letzter Trend, der mir auffiel, vermutlich der stärkste, waren natürlich die spiegellosen Systemkameras. Doch das entwickelt sich nun schon seit mehreren Photokinas, dazu muss ich wohl nicht allzu viele Worte verlieren.
Actioncams, allen voran die bekannte GoPro, waren kaum zu übersehen. Viele "Hersteller" (machen sind evtl. auch nur Verpacker) bieten sie an, mit unterschiedlichsten Features, fast immer sehr klein und gegen Stöße und Witterung geschützt. Mich hat dabei am meisten interessiert, das man dies Kameras "zweckentfremden" kann. So gibt es einige Prototypen einer One-Shot-Kugelpanoramakamera, die auch filmen kann.
Dabei handelt es sich um einen Würfel (als 3D Print hergestellt, irgendwie hat mich 3D damit dann doch eingeholt ;-) ), der mit sechs zerlegten GoPros gefüllt wird. Mit ihren Fisheyeobjektiven erfassen diese sechs Kameras den kompletten die Konstruktion umgebenden Raum.
Der "Panoramawuerfel" (Handyfoto)


Die Konstruktion weißt natürlich leichte Parallaxenfehler auf, aber solange die nächsten Objekte weiter als 1 bis 1,5 Meter entfernt sind, ist die Auswirkung anegblich nicht tragisch. Faszinierend ist, dass man so auch Kugelpanoramavideos drehen kann. Und mit der richtigen Software-Hardware-Kombination lässt sich so ein Film sogar "on-the-Fly" aus den Einzelbildern rändern. (Wie sich manchmal durch Zufall so alles fügt, habe ich eine Woche vor der Photokina in Den Haag beim jährlichen Panorama Tools-Treffen eine Präsentation einer solchen Anwendung folgen dürfen.)
Einige entsprechende Prototypen waren auf der Photokina zu sehen, unter anderem am Stand von Autopano und bei der IVRPA.
Und mit der IVRPA sind wir schon fast am Ende meines persönlichen Photokinarückblicks. Der IVRPA-Stand ist für mich immer ein interessanter Anlaufpunkt auf der Photokina. Hier komme ich öfter hin, da ich hier ganz unterschiedliche Informationen aus der "Panoramaszene erhalte. Und dass, ohne das dies Infos durch Geschäftsinteressen gefiltert sind.

Was noch?
Ein dickes Lob an die Leute von Leica, dass sie die Halle1 zumindest zur Hälfte gerettet haben. Früher fanden während der Photokinas (-kinen? -kinae?) in einem großen Teil der Halle 1 Fotoausstellungen statt. Und der Rest wurde von den Unis mit Fotostudienegänegen, von den Foto(-kunst)-zeitschriftenverlagen und Berufsverbänden zur Darstellung, Information, Diskussion und für Vorträge genutzt.
Dieses Jahr sollte das (nach dem Willen der Messeleitung?) aber alles ausfallen bzw. dezentral verlagert werden.

Doch Leica hat die Halle komplett übernommen und in einem wirklich großen Teil einige hervorragende Ausstellungen präsentiert.
Danke dafür, die Ausstellungen haben mir sehr viel Freude gemacht (und viel Stoff zum Nachdenken gebracht).



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