Fragen zur Fotografie ...

Frage / Antwort


"Welche Kamera soll ich mir als nächstes kaufen?"

Vanessa Kremer fragt:

Guten Tag.

Mit grossem Interesse bin ich auf Ihre Internetseite und diesen Lehrgang gestossen. Da ich sehr grosses Interesse am Fotografieren habe, ist es an der Zeit, in diesem Feld einen Kurs zu belegen, bzw. mich weiterzubilden. Der Fotolehrgang stellt eine optimale Möglichkeit für mich da!
Bisher besitze ich eine Canon EOS 450D, möchte mir nun aber eine weitere Camera zulegen, mit der ich mich tiefer in die allgemeine Thematik des Fotografierens einarbeiten kann. Können Sie mir hierzu eine empfehlen?

Herzlichen Dank für Ihre Antwort und für diesen tollen Kurs!

Mit freundlichen grüssen,
Vanessa Kremer




Antwort:

Kurzfassung:
Solange Sie noch fragen, sollten Sie nichts kaufen. ;-)



Etwas länger:
Mit der Kamera, die Sie besitzen, haben Sie eigentlich ein für viele Zwecke erstmal völlig ausreichendes Modell.
Vor allem bietet Sie eigentlich alle wichtigen Kontroll- und Eingriffsmöglichkeiten, die man zum Anfang (und auch später) braucht. (Wenn ich auch gerade bei den Canon-Modellen die Ausstattung der Kamerasoftware und die Gestaltung der Anzeigen eher unterirdisch finde. (siehe auch den Kommentar zu dem Thema.)
Sie können als Belichtungsautomatik die beiden (einzigen) wichtigen Funktionen Zeit- oder Blendenvorwahl einsetzen und haben die Möglichkeit, über Korrekturwerte steuernd einzugreifen.
Zusätzlich kann die Belichtung im "M"-Modus bedient werden.
Der interne (und vor allem auch ein externer) Blitz können mit der Kamera unabhängig von der Wiedergabehelligkeit des Umgebungslichts beeinflusst werden.
Sie können die Belichtungsergebnisse mit Clippinganzeige und Histogrammen (sogar, wenn ich mich recht entsinne: RGB-Histogrammen) kontollieren.
Der vom Belichtungsmesser erfasste Helligkeitsbereich ist für die allermeisten Anwendungszwecke ausreichend.

Sie können die Funktion des Autofokus und die genutzten Messfelder auswählen und die Autofokussteuerung vom Auslöseknopf lösen (ein aus meiner Sicht häufig unterschätztes aber sehr wichtiges Ausstattungsdetail,wird bei Canon meist über eine benutzerdefinierte Funktion, eine "C-Function", eingeschaltet).

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An Wechselobjektiven und wichtigem Zubehör herrscht kein Mangel, es steht so ziemlich alles zur Verfügung, was man sich denken kann.

Die Kamera bietet also sehr viele für die Entscheidung für eine Kamera wichtige Punkte und es gibt kein offensichtliches Manko. Genau ein solches Manko sollte aber ausschlaggebend für den Wunsch nach einer anderen Kamera und für die Entscheidung für eine andere Kamera sein.

Natürlich ist die 450er nicht perfekt, es gibt durchaus ernstzunehmende Kritikpunkte. Manche sind offensichtlich, manche sind nur für einige Spezialgebiete wichtig. Und generell sollten Sie nur die beachten, die in Ihrer fotografischen Praxis auch wirklich eine Rolle spielen.
Ich zähle mal einige dieser Punkt auf, die mir so aufgefallen sind. Die Reihenfolge der Kritikpunkte spiegelt nicht ihre Bedeutung wieder, die aus meiner Sicht wichtigeren hebe ich etwas hervor. (Und es ist auch nicht gesagt, dass es eine andere am Markt befindliche Kamera ohne einzelne dieser Mankos gibt.)

  • Suchereinblick und Sucherfeld relativ klein.
  • Kein 100% Sucher. Der Sucher zeigt nur einen (ca 95%?) Ausschnitt des späteren Bildes, deshalb können auch bei sorgfältiger Komposition des Bildes störende Randdetails ins Bild kommen.
  • Display zur präzisen Bildbeurteilung, speziell Schärfe, nicht optimal.
  • Position der Autokusmessfelder zu eng beisammen, zu nah an der Mitte.
  • zu wenige Autofokusmessfelder.
  • Autofokus nicht präzise genug.
  • Autofokus nicht schnell genug.
  • Im Verhältnis zu moderneren bzw. "größeren" Kameras etwas stärkeres Rauschen und nicht ganz so hoch nutzbare ISO-Bereiche.
  • beim Bracketing nur drei Bilder.
  • keine Möglichkeit, die Kamera ohne teures Zubehör für Aufnahmereihen (wie sie z.B. fürs Focusstacking oder für Intervallaufnahmen nötig sind) zu "programmieren" . Und das obwohl sogar Einsteigerkameras dieser Marke sich mit entsprechender Firmware (und wie nicht anders zu erwarten, ist die natürlich nicht vom Hersteller) entsprechend steuern lassen.
  • keine nachträgliche kamerainterne Umwandlung der RAWs zu JPEGs möglich.
  • ...
Trotz (oder wegen) dieser (nicht vollständigen) Liste ist die 450D eine gute alltagstaugliche Kamera und in vielen Belangen deutlich besser als viele der Digitalkameras (und der analogen Modelle), mit denen ich früher fotografiert habe. Viele der Punkte sind für viele Nutzer auch überhaupt nicht wichtig und es gibt wohl keine Kamera auf dem Markt, die alle meine Punkte besser löst.

Solange Sie die Punkte dieser Liste oder andere "Fehler" nicht gravierend stören, gibt es keinen Grund, die Kamera zu wechseln.

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Sie sollten einfach in der nächsten Zeit immer dann eine Notiz machen, wenn die Kamera Sie bei bestimmten Motiven oder Aufgabestellungen behindert oder gar komplett im Stich lässt. Mit diesen Notizen können Sie dann zielgerichtet die neue Kamera auswählen. Diese sollte die in Ihren Notizen auftauchenden Fehler nicht aufweisen und in allen anderen Belangen mindestens genauso gut wie die 450 sein. Erst damit ist der Zeitpunkt und die Entscheidungsgrundlage für eine neuer Kamera vorhanden. Solange Sie noch nicht Ihre die Kritikpunkte aufgelistet haben, sondern noch fragen müssen (siehe Anfang der Antwort), solange benötigen Sie noch keine neue Kamera.

Sparen Sie sich das Geld.
Vielleicht machen Sie davon eine kurze Reise nur zum Fotografieren, davon haben Sie mehr als von einer nicht wirklich nötigen neuen Kamera.

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