Fragen zur Fotografie ...

Frage / Antwort


"Haut als Graukartenersatz?"

Christian Ecker fragt:

Hallo!
Wenn ich nun weiß, dass eine 18%-Graukarte einen anderen, sprich niedrigeren Reflexionsgrad hat als ein mitteleuropäisches Gesicht (um 35%), gibt es dann einen festen Blendenkorrekturwert hierfür?
Könnte ich also mein Motiv mit einer Graukarte einleuchten und dabei im Hinterkopf behalten, dass für die später hinzukommende Person z.B. die Blende um eine Stufe geschlossen werden muss, da sie stärker reflektiert?
Oder gibt es hierfür keine \"Faustregel\", und es bietet sich an, eine Vergleichsaufnahme anzufertigen, in der Gesicht und Graukarte direkt nebeneinander liegen und gleich viel Licht abbekommen, um dann die Differenz zu messen und spätere Motive damit einleuchten zu können?
Vielen Dank und liebe Grüße aus Hamburg!




Antwort:

Kurzfassung:
Man kann ein Gesicht tatsächlich als Ersatzreferenz für eine Objektmessung nutzen, wenn man einen Korrekturwert beachtet. (Ich verwende als Ersatzobjekt für eine Graukarte aber lieber eine Handinnenfläche.)
Die Haut ist im Gesicht eines ungebräunten Mitteleuropaers ungefähr einen Lichtwert (eine Blendenstufe) heller als der Belichtungsmesser der Kamera erwartet.
Der durch Messung auf die Gesichtshaut ermittelte Belichtungswert würde im Foto das eigentlich doppelt so helle Ersatzobjekt Gesicht in Graukartenhelligkeit wiedergeben, also zu dunkel. Deshalb muss man nach der Ersatzmessung die Ergebnisse noch um +1 korrigieren. Beispiel: aus gemessenen 1/125stel F11 müsste dann 1/125stel F8 werden.
Die Faustregel lautet also: Differenz der Helligkeit des Ersatzobjektes zur Graukarte ist gleich der vorzunehmenden Korrektur. Dadurch wird ein helleres Ersatzobjekt auch im Bild heller und vice versa.



Längere Erläuterung:
Lichtmessung
Da bei der Lichtmessung nur das auftreffende Licht gemessen wird, spielt das Reflexionsverhalten (die Farbe und die Helligkeit) des Motivs keine Rolle, das Messergebnis kann durch das Motiv nicht beeinflusst werden.
Die Motivdetails werden so entsprechend ihrer Helligkeit wiedergegeben. Dunkle Motivdetails reflektieren wenig Licht, sie werden deshalb im Bild dunkler wiedergegeben. Helle Motivdetails reflektieren viel Licht und werden dadurch auch im Foto hell. Und mittelhelle Details bleiben mittelhell.

Ein Handbelichtungsmesser zur Lichtmessung mit der typischen hellen Halbkugel, der Kalotte.

Die Lichtmessung ist prinzipiell eine sehr gute Methode, erfordert aber einen speziellen Handbelichtungsmesser*.
Der Vorteil der Lichtmessung, dass das Motiv (besser: das Reflektionsverhalten des Motivs) die Messung nicht beeinflussen kann, ist gleichzeitig ihr größter Nachteil, man kann den Motivkontrast nicht ausmessen.
Bestimmen lässt sich nur der Lichtkontrast bzw. Beleuchtungskontrast. (Dazu macht man zwei oder mehr Messungen, z.B. eine im Licht und eine im Schatten. So kann man ermitteln, wie stark der Unterschied zwischen Licht und Schatten (also der Kontrast der Beleuchtung) ist.)
Den Motivkontrast, der den Beleuchtungskontrast noch verstärken kann, lässt sich so nicht ermitteln.
Ein Beispiel:
Bei einem Schachbrett, dass zur Hälfte im Licht und zur Hälfte im Schatten liegt, werden die schwarzen Felder durch den Schatten nochmals dunkler und die weißen Felder im Licht nochmals heller. Der Gesamtkontrast kann, wenn es schlecht läuft, höher sein als erwünscht oder vom Film/Sensor nutz- und darstellbar.

Schachbrett teilweise im Schatten

Das ist kein Problem mit einer Digitalkamera, die per Clippinganzeige und Histogramm genau Auskunft gibt über die Auswirkung der Belichtungseinstellungen auf das bereits belichtete Bild. Da kann man im Falle eines Falles schnell eine Korrektur einstellen, auf HDR ausweichen oder (im Studio) die Beleuchtung verändern.
Zu Film-Zeiten ging das dagegen nicht so einfach. Die Ergebnisse der Belichtungsmessung bekam man ja womöglich erst Wochen später zu sehen.
Deshalb war es wünschenswert, den Gesamtkontrast, also die Summe aus Lichtkontrast und Motivkontrast auszumessen. Und dafür eignet sich ein Belichtungsmesser für Objektmessung, wie er in fast allen Kameras eingebaut wird.

01

Objektmessung
Bei dieser Objektmessung wird der Belichtungsmesser auf das Motiv gerichtet, er misst also das vom Motiv reflektierte Licht. So kann er automatisch die Summe aus Objektkontrast und Lichtkontrast berücksichtigen.
Das ist aber auch gleichzeitig sein Handicap. Der Belichtungsmesser weiß nicht, was gemessen wird, d.h. er weiß nicht, welches Reflektionsverhalten das Motiv hat. Geht der Fotograf mit der Kamera nah an das oben erwähnte Schachbrett und fotografiert nur ein einzelnes Feld, kann der Belichtungsmesser nicht wissen, welches Reflektionsverhalten das einzelne Feld hat (ob es ein schwarzes oder weißes Feld ist). Er sieht ja nur die Summe aus diesem Reflektionsverhalten des Motivs und der an dieser Stelle herrschenden Beleuchtungsintensiitär.

Man hat für die Objektmessung einen mittelhellen Grauton als Referenz festgelegt und hofft (nicht ganz unrealistisch) dass viele Motive sowohl helle aus auch dunkle Bereiche aufweisen und im Durchschnitt mehr oder weniger mittelhell sind. Das wäre gegeben, wenn man das Schachbrett komplett anmessen /fotografieren würde.
Wenn man dagegegn die Felder einzeln fotografieren (messen) würde, würde das weiße Feld durch diese Messmethode mittelhell, also zu dunkel (und das schwarze Feld zu hell).
Damit man auch in solchen Situationen ein vernünftiges Messergebnis erhält, kann man statt des Motivs eine Graukarte anmessen. Damit hätte man den Messwert, der in der gegebenen Beleuchtung eine mittelhelle Fläche mittelhell im Foto wiedergeben würde. Hellere Details werden dann heller, dunklere dunkler.
Es ist quasi eine indirekte Lichtmessung.

Wenn man keine Graukarte hat, kann man als Ersatz auch ein Motiv anmessen, dessen Abweichung von der mittleren Helligkeit bekannt ist.
Zum Beispiel wie in dieser Frage die Haut.
Diese ist im Gesicht eines ungebräunten Mitteleuropaers (ich verwende allerdings als Ersatzobjekt lieber die Handinnenfläche) ungefähr einen Lichtwert (eine Blendenstufe) heller.
Der so ermittelte Wert würde aus dem doppelt so hellen Ersatzobjekt eine Helligkeit wie die Graukarte erzeugen, also zu dunkel. Deshalb muss man nach der Ersatzmessung die Werte noch um +1 korrigieren. Aus zum Beispiel gemessenen 1/125stel F11 müssten dann 1/125stel F8 werden.

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