Fragen zur Fotografie ...

Frage / Antwort


"Kinderfotografie - gibt es eine handlichere Alternative?"

Karina B. fragt:

Hallo :)

Ich habe mir vor geraumer Zeit eine Dig. Spiegelreflex Kamera zugelegt. Ich fotografiere ständig damit. Als Objektiv benutze ich meist das Standard Objektiv.
Letztes Jahr hab ich mir dann auch noch ein TelezoomObjektiv zugelegt um auch über größere Distanz zu fotografieren.
Mein liebstes Fotoobjekt sind meine Kinder.
Meine Frage:
Ich fotografiere viel wenn wir draußen sind, die Kinder spielen und versuche schöne Momentaufnahmen zu machen. Das normale Objektiv fotografiert mir nicht weit genug bzw. mit genug Tiefe im Bild und das telezoom ist so "unhandlich". gibt es da eine bessere Alternative?
Ich hoffe, ich habe mich eingermaßen verständlich erklärt.
Viele Grüße
Karina B.




Antwort:

(Vorab: Ich vermute aus dem Zusammenhang Ihrer Frage, dass Sie mit "Tiefe im Bild", die Sie bei dem "normalen Objektiv" (das sogenannte Kit-Zoom?) vermissen, nicht Schärfentiefe oder Raumdarstellung meinen, sondern auf die vergrößerte Darstellung entfernter Objekte abzielen.)
Wenn ich auf diese Frage eine wirklich gute Antwort wüsste, wäre ich ein gemachter Mann. ;-)

Das Problem


In der Fotografie gibt es einige Faktoren, die sich gegenseitig beeinflussen.
Zum einen gibt es die Anforderungen des Motives:
Ist es weit entfernt und/oder klein und/oder schnell bewegt und/oder einfach nur schwach beleuchtet, wird es von der Aufnahmetechnik her schwieriger.

Dann gibt es die Anforderungen an die Gestaltung:
Möchte man besondere Wirkungen wie z.B. ungewöhnlich viel oder (noch schwieriger) wenig Schärfentiefe? Stark gedehnte oder gestauchte räumliche Wirkung?

Und nicht zuletzt die Schauplätze abseits der Bildgestaltung:
Die Kamera soll leicht sein, sie soll stabil sein, sie soll auch bei widrigen Umweltbedingungen funktionieren, sie soll flexibel an die Bedürfnisse anpassbar sein und sie soll preiswert sein.

Und vermutlich gibt es noch einen Haufen weiterer Anforderungen aus verschiedenen anderen Überlegungen heraus, die ich jetzt übersehen habe.
In der Quintessenz läuft das alles zusammen auf einen Kompromiss hinaus.
So eine "lange Tüte" kann ganz schön schwer werden.

Was kann man machen?

In Ihrem Fall (Kinderfotografie aus großer Distanz) könnten Sie das Problem der unhandlichen Kamera aus zwei Richtungen angehen.

Lösung 1 - Kameratechnik

Natürlich kann man durch eine kleinere Kombination von Kamera und Objektiv den "Schleppfaktor" reduzieren.
Aber das ist gar nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick erscheint, denn um weiterhin aus größerer Distanz zu fotografieren, benötigen sie auch an einer kleineren Kamera immer noch eine relativ lange Brennweite.

Eine Brücke?

Die Kamerahersteller haben auch tatsächlich etwas im Angebot, das auf den ersten Blick vielversprechend aussieht. Auf dem Kameramarkt gibt es viele Bridgekameras die aussehen wie geschrumpfte Spiegelreflexkameras. In ihrem Zoombereich weisen dieses Kameras mitunter recht lange Brennweiten auf, zum Teil mit fantastischen Zoomfaktoren bis hin zu "20-fach" Zoom und mehr. (Meistens wird auf solche Zoomverhältnisse mit Namenszusätzen wie "Super-" oder "Mega-" hingewiesen.)
Doch Vorsicht, diese Kameras haben nicht nur Vorteile.
Zum einen neigen sie durch die kleinen Sensoren zum Rauschen, zum anderen sind die verwendeten Objektiv gelegentlich nicht sehr lichtstark, so dass man schnell höhere (und rauschendere) ISO-Werte wählen muss.
In Ihrem Fall kommt erschwerend hinzu, dass der Autofokus vieler dieser Modelle eher etwas behäbig ist. Herumtobende Kinder können diesen AF schell überfordern.

Mit System?

Eine andere, meist teurere und etwas größere Alternative sind Systemkameras, deren Gehäuse wegen des Verzichts auf den Spiegel der DSLRs deutlich kleiner als diese ausfallen kann. Hier gibt es mittlerweile fast so viele Angebote wie im DSLR-Bereich. Aber es ist auch bei diesen Modellen nicht alles Gold was glänzt.
Speziell in Ihrem Fall werden einige der älteren/preiswerteren Modelle eher keine Alternative sein, weil auch hier der Autofokus zu langsam ist. Und auch hier gibt es Objektive mit eher geringer Lichtstärke, bzw. sind die lichtstarken, langbrennweitigen Objektive groß.

Eine leichtere, kleinere technische Lösung für Aufnahmen aus großer Distanz ist also eher nicht in Sicht. Aber vielleicht hilft der zweite Lösungsansatz.



Der andere Lösungsansatz

Wenn man mit langer Brennweite fotografiert ("heranzoomt"), kann das zwei Gründe haben. Der erste ist ganz profan die Größe eines Motivdetails im Bild, je länger die Brennweite, desto größer wird es abgebildet (bei unverändertem Abstand etc.).
Der zweite, von Einsteigern gerne übersehene, aber für die Gestaltung der Bilder umso wichtigere Grund für lange Brennweiten ist die Möglichkeit, den Raum verdichtet wiederzugeben. Durch die Kombination von großem Aufnahmeabstand und langer Brennweite wird der Raum quasi gestaucht. Das kann eine ganz tolle Wirkung ergeben.

Anhand des obigen Bilderpaares können Sie die unterschiedliche Wirkung des Hintergrunds beobachten. Der Standort des Vordergrundmotivs, der Großformatkamera auf dem Stativ , war bei beiden Bildern unverändert. Es wurden lediglich die Brennweite und der Aufnahmestandpunkt geändert.


Wenn man diese Wirkung nicht beabsichtigt, ist es oft besser und einfacher näher heranzugehen und eine kürzere Brennweite zu verwenden, also nicht heranzuzoomen. Damit erhält man eine deutlich gesteigerte räumliche Dynamik und kann die Umgebung des Motivs (zum Beispiel andere spielende Kinder) besser einbeziehen.
Natürlich wird man mit der kürzeren Brennweite näher heran müssen, und natürlich kann das dazu führen, dass z.B. ein Kind auf den Fotoapparat reagiert. Aber das kann man u.a. durch unauffälliges Fotografieren einschränken. Dies ist ein Punkt, den man als Fotograf üben kann und durch den das Fotografieren für das Motiv (Kinder) zum normalen Teil der Umgebung wird.
Mit etwas Übung kann man so sehr schön aus der Nähe fotografieren. Man benötigt dann keine so große (und teuere) Objektive.

01



Ausschneiden?

Eine weitere Möglichkeit, auf die große Brennweite zu verzichten, besteht darin, sich die vielen Megapixel, die moderne Kameras bieten, zunuze zu machen und mit relativ kurzer Brennweite aus eigentlich zu großer Distanz zu fotografieren.
Das Hauptdetail des Bildes wird dann evtl. sehr klein, aber man kann durch beherztes Beschneiden in der Bildbearbeitung das Wichtige wieder zum Hauptbildinhalt machen. Wenn man genug Megapixel hat (und das Bild besonders in bezug auf die Schärfe gut ist) ist das kein Problem. Sechs Megapixel sind genug für ein Foto, denn mehr kann der Betrachter des Bildes hinterher gar nicht erkennen. (Zumindest solange er das Bild als ganzes sehen will).

Unzufrieden?

Egal ob man die Lösung mittels anderer Kameratechnik oder per Ausschnittvergrößerung betrachtet, mir ist klar, dass alle diese Lösungen nicht perfekt sind. Jede hat ihre eigenen Vor- und Nachteile.
Leider muss man in der Fotografie oft Kompromisse eingehen. (Oder auch zum Glück, manchmal befördert das die Kreativität).

Und wenn jemand noch andere Vorschläge hat, immer her damit, unten in den Kommentaren ist dafür sicher noch Platz.


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