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Welche Bildbearbeitung muss ich machen?

Workflow III

Selektive Korrekturen
Sie können die Farben und Helligkeiten nicht nur global bearbeiten, sondern diese auch nur für einzelne Bilddetails ändern. Wenn z. B. ein Motiv im Schatten eines Baumes zu dunkel und zu grün geraten ist, besteht die Möglichkeit, dieses Detail aufzuhellen und neutraler zu machen, ohne dass andere Bildpartien ebenfalls beeinflusst würden.
Dazu müssen Sie diese Details mit den unterschiedlichen Auswahlwerkzeugen definieren. Klassisch dienen dazu die formenbezogenen Auswahlen für Ellipsen (Kreise) und Rechtecke. Sie können aber auch freihändig eine Auswahl mit dem Lasso vornehmen. Im Freihandmodus folgt das Lasso, die Auswahllinie, direkt der Mausbewegung. Das ist schwierig zu steuern, besser geht es mit einem Grafiktablett. (Für die Bildbearbeitung reicht dazu auch ein kleines Tablett mit einem postkartengroßen Arbeitsbereich.)
Wenn Sie statt des Freihandmodus den Gummibandmodus wählen, zieht das Lasso immer wieder gerade Linien zwischen einzelnen von Ihnen vorgegebenen Klickpunkten. Das lässt sich mit der Maus viel leichter steuern.

01 Nachdem die Auswahl erstellt wurde, können nun mit der Tonwertkorrektur oder den Gradationskurven oder den anderen Werkzeugen der Bildbearbeitung die Farben und Helligkeiten einzelner Bildbereiche geändert werden.
Besonders elegant geht es mit den sogenannten Einstellungsebenen. Dann wird das eigentliche Bild gar nicht beeinflusst. Stattdessen wird eine zusätzliche Ebene wie eine Art Filterfolie über das Bild gelegt, in der sich die Form und Größe des ausgewählten Bereiches ebenso wie die Art und Intensität der Veränderung immer wieder neu anpassen lassen. Leider beherrschen nur einige Programme diese Einstellungsebenen.
Und vergessen Sie nicht, dass Sie mit der selektiven Korrektur nicht nur Unerwünschtes unterdrücken, sondern auch Erwünschtes betonen können.
Dazu und zu anderen hier erwähnten Punkten der Bildbearbeitung finden Sie in meinem Buch ┬äDigitalfotografie für Fortgeschrittene┬ô ausführliche Anleitungen, die überwiegend auch als Film auf der zum Buch gehörenden DVD vorliegen.

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Ex und hopp
Unerwünschte Details im Bild kann man verschwinden lassen oder zumindest unterdrücken. Ein störendes Plakat, dessen leuchtend rote Farbstimmung aus dem Altstadtbild mit den Fachwerkhäusern hervorsticht, kann man durch eine Veränderung der Farbintensität und Farbstimmung entschärfen. Und wenn es nur ein kleiner Mülleimer ist, der stört, oder ein Papierschnipsel auf der Landschaftsaufnahme (oder eine Hautunreinheit bei einem Portrait), so kann man dieses mit anderen Elementen aus dem Bild überlagern und dadurch aus dem Bild löschen. Mit etwas Übung geht das recht einfach und völlig unauffällig.

Anfänger greifen dabei gerne zum sogenannten Kopierstempel, der Farben und Muster von einer vorher (per [ALT]+Klick) definierten Aufnahmestelle zu einer per Mausklick zu bestimmenden Einfügestelle kopiert. Aber Vorsicht, dieses Werkzeug erzeugt schnell wiedererkennbare Muster, die die Manipulation entlarven.
Besser geht es mit einer großflächigen Kopie des ┬äPflaster┬ô-Materials als eigener Bildebene und anschließendem Anpassen der Pflasterkonturen per Ebenenmaske.

Durch Ebenenen und Ebenenmasken und andere selektive Manipulationstechniken kann man digital ganz anders fotografieren als analog.

Ebenenmenu von Photoshop CS4


Für Kurzanleitung hier klicken.

Normal - wechselt den "Modus" der Überblendung, Ebenen können darunterliegende Ebenen überdecken (das ist der Standard ->Normal), aufhellen, abdunkeln, ....
Deckkraft - Steuern Sie gleichzeitig die Deckkraft für Ebenen und Ebeneneffekte
Fläche - Steuert die Deckkraft der Ebenen, Ebeneneffekte bleiben vollständig sichtbar. Praktisch für Wasserzeichen und Logos.
Augensymbol - Schaltet die Sichtbarkeit der Ebenen ein/aus.

Bedeutung der Symbole unten von links nach rechts:
Verkettung - Ausgewählte Ebenen miteinander verknüpfen, z.B. für gemeinsames verschieben.
fx (Effekte) - Erlaubt das einfache Einfügen von Ebeneneffekten wie Schlagschatten und Kontur. Ebenenmaske - hierin schwarze Bereiche aus der dazugehörigen Ebene sind unsichtbar, weiße sind sichtbar, graue transparent. Mit Malwerkzeugen zu bearbeiten.
Einstellungsebene - Beeinflussung von Helligkeit und Kontrast, per Ebenenenmaske auch nur auf Teilbereiche des Bildes.
Ordnersymbol - Ebenengruppe erstellen, verbessert die Übersicht in der Ebenenpalette bei Projekten mit vielen Ebenen
Neue Ebene anlegen
Ebene löschen -Ausgewählte Ebene zum löschen hierhin ziehen.



Digital anders fotografieren?
Nehmen wir an, Sie wollen eine Kirche fotografieren. Um die Größe und die Gestaltung richtig wiedergeben zu können, wollen Sie präzise mittig vor dem Gebäude stehen.
Doch was ist das?
Links neben der Kirche ist in der Seitenstraße eine kleine Baustelle mit roten Warnschildern und einem gelben Kleinbagger. Nein, das soll nicht mit aufs Bild.
Was nun?
- Sie könnten einfach in einer Woche wiederkommen. Aber noch einmal 250 km fahren?
- Oder Sie könnten ein paar Meter nach rechts gehen, damit die linke Ecke des Gebäudes sich vor die Baustelle schiebt und diese dadurch aus dem Bild verschwindet. Aber dann wäre Ihr Standort nicht mehr optimal, ein ungünstiger Kompromiss.

Digital können Sie aber auch anders vorgehen.
Fotografieren Sie die Kirche aus der richtigen Position mit Baustelle und vertrauen Sie auf die Bearbeitung.
Mit der Software können sie den Bereich der Baustelle grob markieren (Lasso oder Rechteckauswahl) und dann dort die Rot- und Gelbtöne entsättigen und evtl. noch etwas abdunkeln. Schon ist die Baustelle nicht mehr so störend, und je nach Umfeld der ┬äStörung┬ô können Sie sogar den ganzen Bereich mit der oben beschriebenen Pflastertechnik zur ┬äbaustellenfreien Zone┬ô machen.

01 Diese Vorgehensweisen können Sie bewusst schon bei der Aufnahme einplanen, um trotz widriger Umstände durch die Kombination von Aufnahme und Bearbeitung zu einem optimalen Bild zu kommen. Diese Möglichkeiten sollten Sie aber nicht zu schlampigem Fotografieren verführen. Sie sollten nicht dazu dienen, bei der Aufnahme zu schludern, weil man sp├Ąter misslungene Bilder ja noch retten kann. Vielmehr gilt es, in Abw├Ągung der Vor- und Nachteile bei der Aufnahme bewusst in Kauf genommene Probleme nachträglich so wie geplant zu beheben, um auf diese Art zu besten Ergebnissen zu kommen.

Natürlich ist das Unterdrücken oder gar Verschwindenlassen der Baustelle ein kräftiger Eingriff in das Bild, es ist eine Manipulation des Bildinhaltes. Ob Sie das moralisch verantworten können, können nur Sie selbst entscheiden.
Wenn es sich um eine Dokumentation der Kirche und Ihrer Umgebung zu exakt dem Zeitpunkt Ihrer Aufnahme handeln soll, ist die Manipulation wohl eher fehl am Platz.
Wenn es sich aber, was in solchen Fällen wohl weit häufiger der Fall ist, um eine zeitlich freie Aufnahme, zum Beispiel für einen Stadtführer handelt, sehe ich in der Veränderung des Bildes kein Problem. Die Baustelle bleibt nur eine Woche, die Kirche steht aber für hundert Jahre oder mehr. So betrachtet, wäre das Foto mit der Baustelle eigentlich eine ┬äFälschung┬ô, es repräsentiert ja nur einen winzigen Ausschnitt aus der Lebenszeit der Kirche. Die meisten Besucher werden im Laufe der Zeit die Kirche ohne Baustelle sehen.

Abschließende Experimente
Mit dem ┬äUnscharf maskieren ┬ô (USM) können Sie nicht nur schärfen, sondern auch den lokalen Kontrast optimieren. (In RAW-Konvertern wie Lightroom wird das Verfahren h├Ąufig unter einem einzigen St├Ąrkeregler zusammengefasst und als Klarheit oder Clarity bezeichnet. Im Gegensatz zur normalen Anwendung tragen Sie unter Stärke einen sehr niedrigen Wert von 20 bis 40 und unter Pixel einen sehr hohen Wert, deutlich über 100, ein. So wird zwar nichts geschärft, aber der lokale Kontrast im Bild wird angehoben. Bei manchen Porträts oder Landschaftsaufnahmen wirkt das, als würde ein Grauschleier zur Seite gezogen. Probieren Sie es einfach mal aus, wenn Sie glauben, mit der Bearbeitung eines Bildes fertig zu sein.

Schärfe
Je nach Ausgabezweck muss das Bild nun unterschiedlich stark geschärft werden. Dazu sollte, soweit vorhanden, das Werkzeug ┬äUnscharf maskieren ┬ô eingesetzt werden.

Das USM-Werkzeug

Bilder für den Monitor (z. B. für eine ┬äDia┬ô-Schau oder die Internetwiedergabe) sollten nicht so stark geschärft werden wie Bilder für den Druck oder die Ausbelichtung. Während Sie das Maß für diese Schärfung bei Monitorbildern an Ihrem Display sofort überprüfen können, müssen Sie für die Schärfung für den Druck Erfahrungen sammeln.
Das geht einfacher und kostengünstiger, wenn Sie auf einem Bild den gleichen Ausschnitt mehrfach mit Kopieren und Einfügen verteilen und dann die Felder unterschiedlich stark schärfen. Vergessen Sie nicht, sich dabei Notizen zu machen, evtl. sogar direkt in das auszubelichtende Bild.
Die richtigen Schärfungswerte für den Druck bzw. die Ausbelichtung austesten.

Über das Dialogfeld können Sie in der Bildbearbeitung steuern, wie stark die Schärfung sein soll, wie viele Pixel aus dem Umfeld eines jeden Pixels zur Berechnung herangezogen werden sollen und wie stark der Helligkeitsunterschied zwischen zwei Pixeln sein muss, damit die Schärfung durchgeführt wird.
Es kann aber, gerade bei verrauschten Bildern, sein, dass USM noch nicht fein genug zu steuern ist. Dann hilft oft eine zusätzliche Maskierung der zu schärfenden Kanten. Dazu müssen Sie die Ebene zuerst duplizieren (Tastenkombination: STRG + J) und dann die Sättigung dieser Ebene verringern (Schwarzweißumwandlung) (Tastenkombination: STRG + UMSCH + U).
Anschließend im Menü Filter den Stilisierungsfilter ┬äLeuchtende Konturen┬ô mit Konturenbreite = 2, Helligkeit = 20 und Glättung = 2 aufrufen. Den Ebeneninhalt kopieren (STRG + A / STRG + C), in der Kanälepalette einen neuen Kanal erstellen, in diesen Kanal wechseln und dann die kopierte Ebene aus der Zwischenablage einfügen (STRG + V). Jetzt alles auswählen (STRG + A), aus dem Menü Filter den Weichzeichnungsfilter ┬äGauß┬ĺscher Weichzeichner┬ô mit einem Radius von drei Pixel anwenden.
Zum Kanal RGB wechseln. In der Ebenenpalette die Ebene 1 löschen, per Menü Auswahl ┬äAuswahl laden┬ô den neuen Kanal (Alpha 1) als Auswahl laden. Die Auswahlanzeige ausschalten (STRG + H) und dann aus dem Menü Filter den Scharfzeichnungsfilter ┬äUnscharf maskieren ┬ô aktivieren. Im Dialogfeld als Startwerte (bitte aber auch etwas experimentieren) Stärke = 150 bis 350, Radius = 1,5 bis 4 und Schwellenwert = 2 einstellen.
Mit diesen Werten komme ich für 18-MP-Dateien (und größer) ganz gut zurecht.

Speichern und Ausgeben
Nachdem Sie das Bild bearbeitet und an Ihre Vorstellungen angepasst haben, ist jetzt der Zeitpunkt, es zu speichern. Falls keine weitere Bearbeitung in der Zukunft vorgesehen ist, können Sie dazu ruhig JPEG mit schwacher Komprimierung nehmen. Wenn Sie das Bild später evtl. noch weiter bearbeiten wollen, wäre ein verlustloses Speicherformat wie TIFF oder PSD aber sicher vorzuziehen.

01 (Weitergehende Informationen zu den Dateiformaten finden Sie weiter vorne im Fotolehrgang unter "Kamera - Technische Details").
Denken Sie daran, auch diese bearbeiteten Bilder zu verschlagworten.
Beim Ausdrucken ist es gut, wenn Sie das Farbmanagement der Bildbearbeitung nutzen und das Farbprofil des Druckers auswählen. In dem Einstellungsbereich des Druckertreibers müssen Sie das Farbmanagement abschalten.