Welche Bildbearbeitung muss ich machen?

Workflow II

Einzelbildbearbeitung
Nachdem Sie die Bilder im Archiv haben, können Sie sich dem einzelnen Bild widmen, das Sie für ein bestimmtes Ziel, zum Beispiel einen Kalender, verwenden wollen.
Wenn das Bild als RAW vorliegt, so ist das Entwicklungsrezept durch die vorherigen Schritte zwar schon festgeschrieben, doch Sie können es immer noch, falls erwünscht oder nötig, verlustlos an den jeweiligen Einsatzzweck anpassen.
Bei einer JPEG-Datei dagegen ist erst jetzt der Zeitpunkt gekommen, die Farb- und Helligkeitswerte des gesamten Bildes (am besten arbeiten Sie hier nicht mit dem Original, sondern nur mit einer Kopie) mit der Tonwertkorrektur oder den Gradationskurven global anzupassen.
Gerade bei Bildern, die bewusst knapp belichtet wurden, um das störende Clippen im hellen Bildbereich zu vermeiden, ist die nachträgliche Korrektur der Tonwerte unumgänglich, Denn nur so können die ja zu dunkel belichteten mittleren und dunklen Tonwerte angehoben werden.

Farbwerte
Unabhängig davon, ob Sie die Einstellungen am RAW oder am JPEG vornehmen, brauchen Sie ein verlässliches Kontrollmedium. Leider sind die meisten Monitore dafür nicht richtig eingestellt. Um sie zu ┬äeichen┬ô gibt es Softwarelösungen, die aber, da sie Ihre Augen zum Maßstab nehmen, zu keiner wiederholgenauen Kalibrierung führen.
Besser sind Hardwarelösungen, die es mittlerweile glücklicherweise ab etwa 90 Euro gibt. Diese Geräte vermessen die Fähigkeiten des Monitors und entwickeln ein Profil, mit dem dann die Bildfarben auf dem Weg zum Monitor so umgerechnet werden, dass sie den eigentlichen Farben des Bildes nahe kommen. (Eine vollständige Übereinstimmung kann es nicht geben, da je nach Wiedergabemedium bestimmte Farben und Helligkeiten nicht dargestellt werden können.) Damit die Software weiß, welche Farben mit den Farbwerten des Bildes tatsächlich gemeint sind, braucht die Bilddatei ebenfalls eine Art Profil. Die einfachen RGB-Werte (Farbwerte) können nämlich, je nach Aufzeichnungsmedium (also je nach Kamera oder Scanner), ganz unterschiedlichen Farben entsprechen. Man nimmt zu dieser Definition der Farbwerte des Bildes aber kein individuelles Profil für die jeweilige Datei, sondern beschreibt die Werte mittels eines sogenannten Farbraumes.
Hier wird am häufigsten sRGB oder AdobeRGB genutzt.
Anmerkung

Die Farbräume (es gibt noch andere als sRGB und AdobeRGB) sind unterschiedlich groß und es kommt vielen unlogisch vor, auf die viel höhere Zahl an möglichen Farbabstufungen des größeren AdobeRGBs zu verzichten.
Aber viele Anwendungen eines Hobby-Fotografen (von der Wiedergabe auf dem nicht AdobeRGB fähigen Monitor bis hin zur Ausbelichtung über den Drogeriemarkt) erwarten sRGB-Daten.

Der Farbraum von sRGB ist kleiner und die nötige Umrechnung geht nicht verlustfrei, speziell wenn man mit 8-Bit-Dateien (z. B. JPEGs) arbeitet.

Deshalb ist die mögliche Bildqualität besser, wenn man von Anfang an im passenden Farbraum (im Amateurbereich oft sRGB) arbeitet und einen anderen (AdobeRGB) nur nutzt,wenn die weitere Verarbeitung keine Rückkonvertierung des Farbraums nötig macht. Bei RAW -Dateien können Sie im Entwicklungsprozess im RAW-Konverter den Farbraum festlegen, da ist der Entscheidungsstress geringer. Wenn Sie aber auf JPEG fotografieren, sollten Sie schon in den Grundeinstellungen der Kamera den passenden Farbraum (es wird oft sRGB sein) auswählen.

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Mit dem Wissen um den Farbraum und die Wiedergabeeigenart des Monitors lassen sich die Farben nun einigermaßen verbindlich darstellen, so dass sie an einem anderen Computer, mit ebenfalls kalibriertem Monitor, annähernd gleich aussehen. Nur so ist farbverbindliches Arbeiten möglich.
Und wenn Sie jetzt noch ein Wiedergabeprofil des Druckers oder des Ausbelichtungsdienstes haben, können Sie sogar versuchen, das voraussichtliche Druckergebnis am Monitor zu simulieren. Die Geräte, mit denen man solche Profile erstellen kann, sind recht kostspielig.
Aber da sich die Werte beim Drucker, im Gegensatz zum Display , im Laufe der Zeit so gut wie gar nicht ändern (solange Sie nicht Tinte oder Papier wechseln), reicht eine einmalige Kalibrierung. Wenn der Hersteller Ihres Druckers kein Profil mitliefert, können Sie einen Dienstleister beauftragen, ein Profil zu messen. Das kostet etwa 40 Euro.
Wenn Sie mit Bilddateien mit Farbprofil an einem kalibrierten Monitor arbeiten und die Bilder unter Beachtung des Farbprofils des Ausgabemediums drucken, haben Sie die wesentlichen Schritte zum Farbmanagement vollzogen.

Ausrauschen
Nachdem Sie die Farbwerte global eingestellt haben, gilt es grundlegende Aufnahmefehler auszumerzen. Sind die Bilder verrauscht? Zeigen Ihre Bilder Objektivfehler, also z. B. Kissen- oder tonnenförmige Verzeichnungen? Oder Vignettierungen? Mit machen RAW -Konvertern kann man so etwas schon bei der Entwicklung der RAW-Datei beheben. Selbst chromatische Aberrationen lassen sich dann schon behandeln.

Links ist das kräftige Rauschen einer 2-Megapixel-Kamera mit winzigem Aufnahmesensor zu sehen. Rechts wurde das Rauschen mit den Mitteln von Lightroom 3 entfernt. (Erst in der 100% Ansicht -klick auf das Bild- richtig sichtbar)

Wenn Sie auf JPEG fotografieren (oder Ihr RAW -Konverter das nicht beherrscht), können Sie auch in der Bildbearbeitung das Rauschen entfernen. Es gibt dazu sehr effektive Spezialwerkzeuge (manche auch effektiver als die in den RAW-Konvertern vorhandenen Lösungen), die als eigenständige Programme oder auch als Plug-in-Filter laufen. Noise Ninja oder Neat Image wären da zu nennen.

Unerwünschte Rundungen
Die Objektivfehler (u. a. tonnen- oder kissenförmige Verzeichnung , chromatische Aberration ) können Sie auch jetzt in der Bildbearbeitung beheben. Photoshop CS3 und folgende bieten dazu einen speziellen Filter an, der außerdem auch noch die perspektivische Korrektur gleich mit erledigen kann. Das ist ein Vorteil, da das Bild so nur einmal transformiert werden muss, also die Pixel nur einmal schärferaubend zueinander verschoben werden. Wenn der Vorgang in mehreren Schritten ablaufen würde, könnten sich die Fehler addieren.
Wenn Ihre Bildbearbeitung diese Möglichkeiten nicht aufweist, gibt es auch Spezialsoftware gegen die Verzeichnung , chromatische Aberration und perspektivische Verzerrung, die entweder als Plug-in-Filter oder auch ganz selbständig laufen. "PTLens" ist wirklich günstig und sehr zu empfehlen.

Schief wird gerade
Der Horizont ist schief? Drehen Sie das Bild! Viele Bildbearbeitungsprogramme haben dazu die Möglichkeit, eine Linie im Bild zu markieren, die dann zur Waagerechten wird. Markieren Sie damit die schiefe Horizontlinie, so wird das Bild anschließend so gedreht, dass die Horizontlinie waagerecht ist. Bei einigen Programmen geht das auch mit senkrechten Linien.

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Sturz
Wenn die Gebäude in Ihrem Foto umzustürzen scheinen, weil Sie die Kamera bei der Aufnahme nach oben neigen mussten und deshalb jetzt stürzende Linien im Bild sind, können Sie das digital beheben oder zumindest abschwächen. Unter den Filtern oder an anderer Stelle im Menü (Bild ┬ľ Transformieren beispielsweise) werden Sie dazu ein Werkzeug wie ┬äperspektivisch verzerren┬ô finden. Mit diesem Werkzeug können Sie die oberen Ecken Ihres Bildes gleichmäßig auseinanderziehen, bis die Senkrechten des Gebäudes wieder gerade stehen.
Doch Vorsicht, dadurch wird das Seitenverhältnis des Bildes (und damit das Seitenverhältnis der abgebildeten Gegenstände) verändert. Die Gebäude erscheinen zu breit. Sie müssen deshalb zusätzlich noch die Höhe skalieren. Orientieren Sie sich an der Diagonale. Wenn die Diagonale des geänderten Bildes die gleiche Schräge aufweist wie die ursprüngliche Diagonale, die neuen Bildecken also in der Verlängerung der alten Diagonale liegen, so ist das Seitenverhältnis wieder hergestellt.

stürzende Linien

Durch Software behoben



Im Rahmen der Bildbearbeitungskurse der Fotoschule-Ruhr.de können Sie die verschiedenen Techniken zur Optimierung von RAWs und JPEGs kennenlernen. Hier finden Sie weitere Informationen zu den Kursen.

Einige Programme (u. a. PTLens) lösen das ganz elegant, indem sie beim perspektivischen Entzerren die eine Kante (oben) dehnen und parallel dazu die Gegenkante (unten) in gleichem Maße stauchen. Das Foto schwingt quasi um seine Mittelachse, die Diagonale bleibt gleich und die Proportionen ebenfalls. So oder so aber werden Sie hinterher das Bild neu beschneiden müssen.
Anmerkung
Auch bei Aufnahmen ohne Gebäude kann das perspektivische Entzerren sinnvoll sein.
Wenn Sie z. B. bei einer Landschaftsaufnahme die Kamera geneigt haben, um einen Berg oder einen Baum in voller Höhe auf das Bild bekommen zu können, so wird diesen Motiven das (maßvolle) Entzerren ebenfalls gut tun. Den Sturz können Sie leider nicht anhand der (ja nicht vorhandenen) Linien bestimmen, Sie werden sich auf Ihr Gefühl verlassen müssen. Und auch hierbei sollten Sie darauf achten, die Diagonalen-Neigung und damit das Seitenverhältnis beizubehalten. Berg oder Baum würden sonst in der Höhe gestaucht wirken.

Wenn Sie in erster Linie nur auf einfache Art die stürzenden Linien in Gebäuden etc. beheben wollen, ist das kostenlose und vollautomatische ┬äShiftN┬ô evtl. eine gute Alternative.