Wie belichtet man richtig?

Die Belichtungszeit

Kurzfassung

Die Belichtungszeit wird normalerweise in Bruchteilen von Sekunden angegeben. Durch das Regeln der Belichtungszeit im Verhältnis zu Blende und Empfindlichkeit wird die Belichtung des Sensors/Films gesteuert

Ausführlich:

Das Zeitenrad einer Canon EF vom Ende der 60iger Jahre des letzten Jahrhunderts. Mit der damals für Schlitzverschlüsse noch seltenen 1/1000stel Sekunde.
Sie können die Belichtung in erster Linie über zwei Einstellungen steuern, die Belichtungszeit und die Blendenöffnung. Außerdem ist sie noch von der gewählten Empfindlichkeit abhängig.
Die Zeit wird an einem Rad oder über Bedientasten vorgewählt. Falls Ihre Kamera (voll)automatisch arbeitet, übernimmt sie das für Sie.

In den meisten Fällen werden zum Einstellen Bruchteile von Sekunden verwendet und angezeigt: 1/60, 1/125, 1/250, 1/500 usw. Welche Zeiten Sie einstellen können, hängt von Ihrer Kamera ab.
Bei aktuellen Modellen lassen sich oft Zeiten von 30 Sekunden bis hin zu 1/8000 Sekunde und mehr einstellen. Ältere Kameras haben hier oft Einschränkungen, die allerdings, je nach den Motiven, im fotografischen Alltag weniger bis gar keine Bedeutung haben.

Die Reihe der Belichtungszeiten ist so aufgebaut, dass von einer vollen Stufe zur nächsten die Zeit, in der das Licht auf den Film/Sensor einwirken kann, verdoppelt bzw. halbiert wird.
Aber Vorsicht, viele aktuelle Digitalkameras lassen auch Dritteleinstellungen der Belichtungszeit zu. Dann sind drei Drittelschritte zur Verdopplung bzw. Halbierung nötig.

Früher waren diese Drittelwerte und andere Zwischenwerte eher unüblich. Höchstens bei der Synchronzeit spielte das bei einigen Modellen eine Rolle.
Im Automatikmodus verwenden manche Kompaktkameras und Smartphones quasi beliebige Zwischenwerte wie 1/278 Sekunde. Bei einigen (digitalen) Kameras werden diese krummen Werte auch so angezeigt. Das macht die Sache zwar exakt, aber leider auch (auch für erfahrene Fotografen) recht unübersichtlich.


Die klassischen Belichtungszeiten

1/2 1/4 1/8 1/15 1/30 1/60 1/125 1/250 1/500 1/1000 1/2000

Die Belichtungszeiten werden in Bruchteilen einer Sekunde angegeben. Die Reihe oben stellt nur einen Ausschnitt dar und lässt sich in beide Richtungen ergänzen. Jeder Schritt sorgt für eine Halbierung oder Verdopplung der Lichtmenge. Damit ist die Zeitenreihe kompatibel zu den Blendenstufen.
Früher gab es nur die oben aufgeführten vollen Stufen, aber an den meisten aktuellen Kameras gibt es auch noch Zwischenschritte. Gebräuchlich sind Drittelstufen, in seltenen Fällen auch halbe Stufen.

Belichtungszeit und Gestaltung

Links: lange Belichtungszeit (1/8). Das Wasser des Springbrunnens zeigt durch die verwischte Darstellung seine Bewegung.
Rechts: kurze Belichtungszeit (1/4000). Die Bewegung ist „eingefroren“, man kann die einzelnen Wassertropfen trotz der Bewegung erkennen

Die gewünschte Bewegungs(un)schärfe spielt bei der Wahl der Belichtungszeit eine entscheidende Rolle. Je länger diese ist, desto stärker werden Wischer bewegter Motidetails. Das gilt nicht nur für Fahrzeuge und Lebewesen, sondern auch z.b. für Springbrunnen und Wasserfälle.
Mehr dazu im Kapitel zur Bildgestaltung.

Verwacklung

Ein verwackeltes Bild. Nicht ist scharf und anhand der "Wischer" kan man sogar die Bewegungsrichtung erahnen.
Außer der Bewegungsdarstellung gibt es auch noch andere wichtige Gründe für die Wahl einer bestimmten Belichtungszeit.
Bei langen Belichtungszeiten besteht die Gefahr, dass Sie das Bild verwackeln, wenn Sie ohne Stativ fotografieren. Dies hängt von verschiedenen, zum Teil persönlichen Bedingungen ab.
Unter anderem spielt die Sensorgröße eine wichtige Rolle. Bilder, die mit kleinerer Sensorfläche aufgenommen werden, müssen stärker vergrößert werden, um die gewünschte Endgröße zu erhalten. Dabei wird dann auch das Verwackeln deutlicher sichtbar. Die nötige Stärke der zusätzlichen Vergrößerung wird häufig als "Cropfaktor" bezeichnet.

Eine Faustregel besagt, dass die Belichtungszeit (in Sekunden) nicht länger sein sollte als der Kehrwert der kleinbildäquivalenten Brennweite (in Millimeter).
Wenn Sie zum Beispiel eine Brennweite von 50 mm an einer Kamera mit Crop 1,6 (viele Canon DSLRs) benutzen, beträgt die kleinbildäquivalente ("gefühlte") Brennweite 1,6 x 50 mm, also 80 mm. Die Belichtungszeit sollte dann folglich nicht länger als 1/ 80 Sekunde sein.
(Das ist allerdings keine der früher fast ausschließlich verwendeten vollen Stufen der Belichtungszeiten. Falls Ihre Kamera diesen Wert nicht zulässt, sollten Sie die nächstkürzere "volle" Zeit wählen, das wäre in diesem Beispiel 1/ 125 Sekunde.)
Wenn Sie hingegen ein Objektiv mit einer Brennweite von 200 mm an einer "Vollformatkamera" benutzen, sollten Sie die längste vertretbare Zeit, 1/200 Sekunde (falls nur volle Stufen verfügbar sind, bitte 1 / 250 einstellen), nicht überschreiten.
Diese Regeln gelten aber nicht für jeden gleich stark. Manche Fotografen können gut auch längere Zeiten halten, andere dagegen haben auch mit kürzeren Zeiten Probleme. Wenn Sie oft Bilder haben, die alle ein wenig unscharf sind, sollten Sie überlegen, ob Sie nicht mit für Sie zu langen Belichtungszeiten fotografieren.

Stabilisieren

Viele Menschen haben im Alter oder nach körperlicher Anstrengung oder wenn sie sich besonders konzentrieren, Probleme, die Kamera ruhig zu halten. Hinzu kommt oft noch eine falsche Kamerahaltung (siehe im Kapitel Tipps den Bereich "Stativersatz").
Seit einigen Jahren gibt es Image Stabilizer, die im Objektiv oder in der Kamera eingebaut sein können. Sie ermöglichen oft Belichtungszeiten, die in der Regel bis zu zwei volle Zeitwerte länger sind, ohne dass die Bilder verwackelt sein werden. Manche "Stabbis" schaffen mittlerweile auch fünf Stufen und mehr.
Wenn früher bei einer "gefühlten" Brennweite, also kleinbildäquivalent, von 200mm bei 1/200stel Schluss war, könen heute Zeiten von 1/50stel (zwei Stufen länger) bis zu 1/6stel (fünf Stufen) und noch länger verwendet werden. Mehr zum Stabbi im ersten Kapitel des Fotolehrgangs.

Dauerfeuer
Es gibt noch einen selten erwähnten, aber wirkungsvollen Trick, um längere Belichtungszeiten verwacklunsgfrei zu "halten".
Bei langen Verschlusszeiten können Sie die Kamera auf Serienbildaufnahme zu stellen und den Auslöser einfach gedrückt halten. Die ersten Bilder der so entstehenden Aufnahmereihe werden noch unscharf sein, die letzten womöglich auch.
Aber in der Mitte der Reihe wird die Wahrscheinlichkeit, ein womöglich scharfes, zumindest aber ein schärferes Bild zu finden, recht hoch sein.

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